Das Dufour-Schulhaus / L' école Dufour 1906-1910

Die bundesrätliche Verordnung vom 6. Juli 1906 betreffend den Maturitätsausweis für Kandidaten der medizinischen Berufsarten veranlasste die Schule, den Unterrichtsplan einer Revision zu unterwerfen.  Am 16. 12. 1906 bewilligte der Gemeinderat den Kredit für den Bau des Gymnasiums auf dem Areal in den Spitalreben.

Der Kadettenkorps im Schuljahr 1906/07
Das Reglement vom 20. April 1905 schrieb für den Eintritt in das Kadettenkorps, das zurückgelegte 11. Altersjahr vor. Ein Beschluss der zuständigen Behörden ergänzte diese Bestimmung, dass nur Schüler, welche die 5. Klasse des Progymnasiums oder die analoge Stufe der Primarschule mit Erfolg bestanden, an den militärischen Übungen teilnehmen durften. Für alle Schüler der vier obersten Klassen des Progymnasiums war dieser Unterricht obligatorisch. 1906 traten 154 Rekruten ein, davon 29 aus der Primarschule und 125 vom Progymnasium. Die Infanterie vom Korps bestand aus 355 Kadetten, davon 333 Gewehrtragende. Die Artillerie wies 19 Kadetten auf, dazu kamen 41 Musiker und 21 Trommler. Der Korps verzeichnete somit 436 Kadetten, davon 70 Primarschüler. Die Infanterie hatte an Instrukteuren: 3 Kompanie-Kommandanten, 10 Zugführer, 1 Fähnrich, 3 Feldweibel, 4 Fouriere, 27 Wachtmeister und 77 Korporale. Bei den Beförderungen dienten die Durchschnittsnoten des letzten Quartalszeugnisses als Grundlage. Trainiert wurde im Wald und auf dem Exerzierplatz Pasquart, der eine Hindernisbahn hatte. Die Schiessübungen bildeten mit 6154 verschossenen Patronen den schwierigsten Teil des Kadettenunterrichts.

Auf die verschiedenen Unterrichtsfächer verwendete Stunden:


Infanterie
Gewehrkenntnis und Gewehrreinigen
Turnen und Hindernisbahn
Soldatenschule und Zielübungen
Zug- und Kompanieschule
Meldeübungen
Marsch- und Felddienst
Cadresübungen
Schiessübungen

Total Stunden


4
15
37
12
2
30
5
35

110


Artillerie
Soldatenschule
Geschützschule
Materialkenntnis und Parkdienst
Richtübungen
Marsch- und Felddienst

Total Stunden

 


8
30
15
20
25

98


Hans Bleuer-Lienhard (1906-1962), Verfasser von Beiträgen zur Bieler Geschichte.
Rektor vom Progymnasium Biel von 1906 bis 1949.
Hans Bleuer wurde am 30. Juni 1879 als zweitältestes Kind eines Bergbauern in Grindelwald geboren. Auf einem recht abgelegenen Hof verbrachte er mit seinen 9 Geschwistern seine Kindheit. Nach fünf Jahren Primarschule im Gletscherdorf durfte Hans Bleuer die neueröffnete Sekundarschule besuchen, unterstützt vom  bekannten Pfarrer Gottfried Strasser (Dichter des Grindelwaldnerliedes). Auch auf die Berufswahl des Jungen hatte Pfarrer Strasser Einfluss. Hans Bleuer wählte das Lehreramt. Nach dem dreijährigen Seminarbesuch in Hofwil unterrichtete er von 1898 bis 1901 in Stechelberg im Lauterbrunnental. Dort verliebte er sich in die junge Lehrerin Flora Lienhard aus Biel, mit der er die kleine Schule betreute. Hans Bleuer entschloss sich zum Weiterstudieren und machte von 1901 bis 1903 an der Universität Bern seinen Sekundarlehrer in sprachlich-historischer Richtung. Von Juli 1903 bis 1904 war er an der Sekundarschule Wasen im Emmental tätig. Dann zog es ihn nach Biel, wo er 1904 ans Progymnasium gewählt wurde. 1905 heiratete er Flora Lienhard, die bereits vor ihm in Biel ein Lehramt ausübte. Am Progymnasium Biel trat Rektor Wyss zurück und Hans Bleuer wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Diese Tätigkeit führte er von 1906 bis 1949 aus. Dazu unterrichtete er Sprache, Religion und Schreiben. 1919 wurde Bleuer in den Verwaltungsrat der Buchdruckerei Schüler A. G. gewählt. Als Vertreter der Freisinnigen Partei gehörte er von 1922 bis 1928 dem Bieler Stadtrat und ab 1922 als nicht ständiges Mitglied dem Gemeinderat an.
[2]
1929 nutze er die Möglichkeit, eine von der Schweizerischen Palästinagesellschaft veranstaltete, 6 Wochen dauernde Orientreise mitzumachen. 1949 sprach er im Wyttenbachschulhaus im Rahmen eines Kirchgemeindeabends  über seine Erlebnisse in Palästina. Dabei untermalte er seine Ausführungen durch selbstaufgenommene Lichtbilder.[1] Von 1941 bis 1953 war er Präsident der Kirche Gemeindeversammlung Biel. Bleuer hatte viele Interessen: die Musik verband ihn mit der «Liedertafel» und dem Lehrergesangverein und er malte Aquarelle. Daneben fand er noch Zeit, eine Grammatik für die Schule zu schreiben und die Schrift «Hauptdaten der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Geschichte der Stadt Biel» (Biel 1952). 1962 verstarb er im Alter von 84 Jahren.


Renovation

Am 20. März 1907 wurden in der Stadtratssitzung die Pläne und Kostenvoranschlag für den Umbau des Knabenprimarschulhauses an der Dufourstrasse genehmigt. Der Umbau des Schulhauses erstreckt sich auf die Renovation sämtlicher Zimmer, auf die zweckmässige Umänderung der Aborteinrichtungen und Treppenhäuser und auf die Erstellung einer Warmwasserheizung. Die Kosten des Umbaus, der in den Frühlings- und Sommerferien durchgeführt werden soll, wurden auf 98,000 Franken veranschlagt.



Quellen/Sources: 1) Der Bund, Bern, 27. Februar 1949, S. 4; 2) gs, «Hans Bleuer-Lienhard, alt Progymnasiumsrektor» in Bieler Tagblatt, Biel, 18. August 1962, S. 4