Das Dufour-Schulhaus / L' école Dufour 1881-1887

Carl Spitteler. Reproduktion aus der Zeitschrift Die Schweiz, Nr. 1, Zürich 1905, S. 177.
Carl Spitteler. Reproduktion aus der Zeitschrift Die Schweiz, Nr. 1, Zürich 1905, S. 177.

Carl Spitteler (1845-1924), Lehrer, Dichter, abgelehnter Nobelpreisträger

Carl Spitteler, geboren in Liestal, am 24. 4. 1845, studierte Rechtswissenschaft und Theologie in Basel, Zürich und Heidelberg. «Wegen Unglaubens» liess ihn das Liestaler Pfarrerkollegium nicht zum Examen. Spitteler reiste nach Petersburg und war dort während 8 Jahren Erzieher in einer Generalfamilie. Dann kehrte er in seine Heimat zurück. Das Stadtgeschichtliche Lexikon Biel erinnert: «Als 1881 die Lehrstelle für Griechisch, Deutsch und Geschichte am Progymnasium Biel zur Besetzung ausgeschrieben wurde, fand sich unter den acht Bewerbern auch Spitteler, Lehrer an der höheren Töchterschule in Bern. Neben der Darstellung seines Lebenslaufes legte er seiner Bewerbung die Empfehlungsschreiben von J. V. Widmann und Prof. Hitzig bei. Er kam zusammen mit Karl Müller, dem späteren Bund-Redaktor, in die engere Wahl. Nach drei Sitzungen fielen im Verwaltungsrat des Progymnasiums unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. med. Eduard Bähler auf Spitteler und Müller je vier Stimmen. Einem Losentscheid wurde eine nochmalige Abstimmung vorgezogen, wobei fünf Stimmen auf Müller und nur zwei Spitteler entfielen. Im nämlichen Jahr sollte Spitteler am Progymnasium in Neuenstadt Erfolg haben, indem er dort einstimmig gewählt wurde. Eine Gedenktafel am dortigen Schulhaus erinnert daran, dass er 1881-1885 in Neuenstadt als Lehrer tätig gewesen war. 1919 erhielt er als einziger Schweizer den Nobelpreis für Literatur. Er starb in Luzern am 29. 12. 1924.»[5]

 


Karl Müller (1855-1916), Kriegsberichterstatter, Redakteur vom Bund
Lehrer am Progymnasium Biel von 1881 bis 1885
Fächer: Geschichte, deutsche Sprache
Karl Müller wurde als das fünfte von acht Geschwistern, am 19. Juli 1855 im Pfarrhaus zu Limpach geboren. Sein Vater war dreissig Jahre Pfarrer in Limpach gewesen. Es war ihm wegen seiner besonderen Verdienste das Ehrenbürgerrecht der Gemeinde geschenkt worden, da die Familie ursprünglich aus Zofingen stammte. Im zwölften Lebensjahr kam Müller ans Progymnasium Burgdorf. Darauf zog er nach Bern ans Gymnasium, und nach abgelegter Maturitätsprüfung liess er sich an der Berner Universität immatrikulieren, um Geschichte und alte Sprachen zu studieren. Dort begeistere er sich fürs Fechten. Während der Studentenjahre starben seine Eltern und er hatte im Inselspital einen schweren Typhus durchzustehen.
[2] Er unterrichtete in der Kantonsschule Bern Geografie an der 8. Klasse der Literaturabteilung und wirkte von 1878 bis 1880 als Lehrer am Progymnasium in Thun.
1881 wurde er als Lehrer für Geschichte und deutsche Sprache ans Progymnasium in Biel gewählt. In der Uhrenstadt heiratete er seine Studentenliebe Marie Gnägi. Er verliess das Bieler Progymnasium 1885 und übernahm neben Karl Schenk die Redaktion der «Berner Post», die bald darauf den Namen in «Berner Zeitung» wechselte. 1888 wurde sie zur grossen «Berner Zeitung» umgestaltet, indem das «Berner Intelligenzblatt», das «Berner Stadtblatt» und die «Berner Zeitung» an eine Aktiengesellschaft übergingen. Karl Müller wurde nun neben Gisi und Hager Redakteur der vergrösserten «Berner Zeitung» und hatte darin die kantonale Politik zu bearbeiten. Nach der Tessiner Revolution 1890 sandte ihn die Zeitung ins Tessin, und da schrieb er eine Reihe fesselnder Briefe über den Kanton und seine politischen Stürme. Die «Berner Zeitung» hatte Mühe, sich zu halten.

Karl Müller wurde Sekretär der kantonalen- und 1895 der eidgenössischen Militärdirektion. Die Politik liess ihn jedoch nicht mehr los. Mehrere Jahre war er Mitglied des Berner Stadtrates, des Grossen Rates und Präsident der freisinnig-demokratischen Partei des Kantons.[2] Der Beutezug auf die eidgenössischen Staatsfinanzen, die sogenannte Zweifranken-Initiative, hatte in aufgeregt und er schrieb dagegen die Protestschrift «Der Beutezug, eine nationale Gefahr». 1894 ging die «Berner Zeitung», die wieder zu einem kleineren Format und zu einem Redakteur zurückgekehrt war, an den «Bund» über. Vier Jahre später, im Mai 1898, trat Müller in die Redaktion des «Bund» ein. Während der 18 Jahre seiner Redaktionstätigkeit am «Bund» schrieb er viele militärischen Artikel und seine Berichterstattung aus den Manövern. Umfassend behandelte er die Militärorganisation von 1907.[2]


Zur Einweihung des Denkmals am Grauholz am 29. August 1886 schrieb Karl Müller als Infanterie-Hauptmann die Gedenkschrift «Die letzten Tage des alten Bern», herausgegeben vom kantonalen bernischen Offiziersverein.

Foto links: Das Grauholzdenkmal, geschaffen vom Tessiner Bildhauer Luigi Piffaretti (1861-1910). Es wurde am 29. August 1886 durch Gruppen mit historischen Uniformen von 1798 und mit den Stimmen des Gesangsvereins von Biel eingeweiht. Dabei wurde auch der ehemalige Bieler Progymnasiallehrer Karl Müller als Autor der Gedenkschrift «Die letzten Tage des alten Bern» geehrt. Das Denkmal wurde 1930 versetzt und neu eingeweiht. Fotograf: Chriusha, Wikipedia


Militärische Karriere: Nachdem er seine Rekruten- und seine Aspirantenschule 1875 und 1876 absolviert hatte, wurde er als Subalternoffizier dem Bataillon 28 zugeteilt; auf Ende 1890 wurde er zum Major und Kommandanten des Bataillons 25 befördert. Von 1895 bis 1898 war er Sekretär des Chefs des eidgenössischen Militärdepartements. 1900 beförderte man ihn zum Oberstleutnant und Kommandanten des zehnten Infanterieregiments. 1909 wurde er zum Obersten befördert. Später wurde Müller zum Platzkommandanten von Bern ernannt und hat als solcher die Kriegsmobilisation 1914 auf dem Korpssammelplatz Bern geleitet. Der Abschluss seiner militärischen Laufbahn war, als er am 5. August 1914 auf dem Beundenfeld zu Bern der 3. Division den Fahneneid abnahm. Als er ab 1914 als Kriegsberichterstatter an Einsetzen in der deutschen Westfront und an der österreichisch-italienischen Front teilnahm, legte er auch das Platzkommando nieder. Mitten in seinen Plänen für eine neue Aufgabe der Kriegsberichterstattung starb er mit 61 Jahren am 7. 3. 1916.
[2]

 


Gottfried Ischer-Weg in Biel Mett
Gottfried Ischer-Weg in Biel Mett

Gottfried Ischer (1832-1896), Pfarrer in Mett und Mitarbeiter der geologischen Karte der Schweiz.
Religionslehrer, Mitglied vom Verwaltungsrat am Progymnasium

 Pfarrer Ischer wurde am 19. Dezember 1832 in Thun geboren. Sein Vater Karl Christian Ischer (1796-1859) arbeitete als Pfarrer in Hilterfingen. Seine Mutter ist Karoline Schrämli. Seine theologischen Studien absolvierte er in Thun und Bern und besuchte, nachdem er bereits in den bernischen Kirchendienst aufgenommen war, von 1860 bis 1861 die Universitäten von Berlin und Paris. Von 1861 bis 1870 wirkte Ischer als Pfarrer an der Lenk (Obersimmenthal). Hier heiratete er Sophie Steinhäuslin (1832-1897). Der Ehe entsprangen zwei Söhne, von welchem der eine Arzt, der andere Apotheker wurde, sowie eine Tochter. Im Herbst 1870 wurde er nach Biel Mett berufen wo er nun 26 Jahre als Pfarrer wirkte. In der Kirchgemeinde Mett-Madretsch hat er als Freund und Ratgeber der Lehrer viel zur Hebung der Schulen beigetragen. Auch um das Progymnasium in Biel hatte er sich als langjähriges Mitglied des Verwaltungsrates (ab 1881) und als Religionslehrer an dieser Schulanstalt Verdienste erworben. Ischer war anerkannter Geologe. Zusammen mit E. Favre verfasste er 1882 im Auftrag der geologischen Kommission das Blatt 17 der geologischen Karte der Schweiz vom westlichen Berner Oberland. Seine geologische Karte umfasste ein Gebiet von 1000 Quadratkilometer.


«Was ein Architekt anstrebt, wenn er die Gestalt eines Doms nicht nur nach

äusseren Formen der Schönheit, sondern auch aus baugesetzlichen und

cultischen Grundgedanken zu würdigen sucht, das verfolgt der Freund der Berge

in der geologischen Forschung».

Gottfried Ischer [8]


Trotz seiner Wissenschaftlichen Arbeiten, blieb die Pflicht als Pfarrer an erster Stelle. So eilte er einmal aus dem Gebiet der Walliser Alpen schleunigst zur Beerdigung eines armen, alten Mütterchens in Madretsch, denn keiner durfte ohne sein Geleit zu Grabe getragen werden.  Ischer war von 1882 bis 1896 Mitglied der Bieler Museumskommission. Er betreute im Museum Schwab die geologisch-mineralogischen Sammlungen. Während seiner geologischen Studien erfuhr Ischer nachhaltige Förderung durch Professor Bernhard Studer, mit dem er einen Umfangreichen Briefwechsel pflegte. Er starb am 4. Dezember 1896 mit 64 Jahren in Biel Mett. Ischers Sammlungen haben nach seinem Tod das Museum von Biel bereichert.
[5] Auch die Seeländische Armenanstalt in Worben hatte an Pfarrer Ischer einen ihrer Gründer und Förderer gefunden.[9]

 

1882 wurde die alte Schulgasse ostwärts verlängert, auf 21 Meter verbreitert und als Dufourstrasse bezeichnet.

 


En 1882, la «rue de l’Ecole» fut prolongée en direction de l’est, agrandie et rebaptisée «Rue Général-Dufour» et le bâtiment scolaire devenait ainsi le «Collège Dufour».[4]


1880 bis 1887 wuchs das Progymnasium von 5 auf 9 Klassen an. Seit 1887 stand das Progymnasium unter der Leitung von Rektor Wyss.


Fahnenträger mit Spruch am Besentürli, gemalen von Hans Moser.
Fahnenträger mit Spruch am Besentürli, gemalen von Hans Moser.

Hans Johann Rudolf Moser (1871-1946), Bieler Gerichtsaktuar und Hobbymaler
Schüler am Bieler Gymnasium 1884
Hans Johann Rudolf Moser, auch Chriesascht genannt, kam am 2. 2. 1871 in Biel zur Welt. Seine Eltern waren der Uhrenschalenfabrikant Karl Emanuel Moser (1842-1905), der an der Zentralstrasse 83 die Uhrenschalenfabrik «Kramer & Moser» betrieb und Sophie Elise Leuenberger. Nachdem Hans Moser das Gymnasium in Biel und Burgdorf besucht hatte, studierte er einige Semester an der Berner Hochschule Theologie  und Kunstwissenschaften in München. Aus inneren Überlegungen heraus entsagte er der eingeschlagenen theologischen Laufbahn, um in seiner Vaterstadt Biel die Stalle eines Gerichtsaktuars zu übernehmen.
Ein Bieler Original: Man erkannte ihn durch seinen braunen Manchesterkittel, mit dem breitkrempigen mit einem grünen Tannenzweiglein (daher sein Übernahme Chriesascht) geschmückten schwarzen Hut, dem Weichselstock in der Hand und jederzeit von seinem treuen Dackel Trapp begleitet.
[14] Eine ganze Reihe von Dackeln begleiteten Hans Moser einer nach dem andern durchs Leben. Es mögen sechs oder sieben gewesen sein. Die Hunde wechselten, aber der Name Trapp vererbte sich vom ersten bis auf den letzten. Trapp begleitete Moser auch in die Amtsstube. [15] Kaum einer kannte die Bielersee-Gegend, das Seeland und den Jura so gut wie Hans Moser, der eine geschickte Feder führte und mit Stift, Pinsel und Spachtel, namentlich in den Jahren seit seiner Pensionierung, künstlerisch Beachtenswertes schuf.[14] Moser malte 1915 den Fahnenträger am Besentürli mit folgendem Spruch:

 

Mir stande do wol uf der Wacht
u gä zum Bielerfändli acht
Wosch rüttle dra chasch nume cho
das Rüttle wird der gly vergoh

 

Zusammen mit August Kunz fertigte er 1909 einen Entwurf zu einem Nationaldenkmal an der Felswand der Mythenstöcke, ein Riesenrelief mit zwei alten Schweizern, überhöht vom Schweizer Kreuz.[5] Über 42 Jahre war Hans Moser Mitglied der Museumskommission der Stadt Biel. Er erzählte gerne aus seiner Soldatenzeit. Er war bei den Truppen, die im September 1890 anlässlich des Tessinerputsches aufgeboten wurden und hatte 1914 als Landsturmoberleutnant Dienst getan.[14] Er starb am 9. 2. 1946.

 


Dr. phil. Albert Maag (1862-1929), Herausgeber von Militärliteratur
Lehrer am Progymnasium und Gymnasium Biel von 1886 bis 1928
Fächer: Griechisch und Geschichte
Albert Maag, der 42 Jahre am Gymnasium Biel wirkte, wurde am 13. 6. 1862 in Bern geboren. An der Universität Bern studierte er Geschichte und klassische Sprachen, wo er 1885 promovierte. Auf seine Initiative erfolgte 1888 die Gründung des Historischen Vereins, für dessen Bieler Neujahrsblatt Maag von 1908 bis 1911 als Redaktor tätig war. Dem Verein «Pro Petinesca», der es sich zur Pflicht gemacht hatte, die römischen Ruinen von Petinesca zu erforschen, diente er seit 1896 als Sekretär. 1889 heiratete er Flora Clara Olga Stebler, von Seedorf.

Besondere Verdienste erwarb sich Maag um die Erforschung der Kriegsdienste der Schweizerregimenter in fremden Diensten.[5] Das erste dieser Werke «Die Schicksale der Schweizerregimenter in Napoleons I. Feldzug nach Russland 1812» (1889) ist in mehreren Auflagen erschienen. Im Laufe der Jahre folgten die «Geschichte der Schweizertruppen im Kriege Napoleons I. in Spanien und Portugal 1807-1814» (Biel 1892-1893), «Geschichte der Schweizertruppen in französischen Diensten vom Rückzug aus Russland bis zum zweiten Pariser Frieden 1813-1815» (1894),  «Geschichte der Schweizertruppen in französischen Diensten während der Restauration und Juli-Revolution 1816-1830» (Biel 1899), und schliesslich als grossangelegtes, durch die Stiftung von Schnyder von Wartensee herausgegebenes Werk die «Geschichte der Schweizertruppen in neapolitanischen Diensten 1825-1861» (Biel 1909). Die Veröffentlichung seines in seinen Anfängen auf mehr als zehn Jahre zurückgehendes Werk «Der Schweizersoldat in der Kriegsgeschichte» (Bern 1931) erlebte er nicht mehr.

Ausserdem hatte Albert Maag eine grosse Zahl weiterer wissenschaftlicher Arbeiten veröffentlicht: «Die Republik Bern als Beschützerin englischer Flüchtlinge während und nach der englischen Revolution» (Bern 1888), «Die ersten Buchdrucker in der Stadt Biel» (Biel 1891), «Georg Friedrich Heilmann als Gesandter des Stadt Biel am Wiener Kongress 1814-1815» (Bern 1892), «Erinnerungen des Obersten Johannes Landolt von Zürich aus den Jahren 1807 bis 1815» (Zürich 1893), «Johann Philipp Becker von Biel und die deutsch-helvetische Legion 1849» (Basel 1904).[13] Albert Maag starb mit 64 Jahren an den Folgen eines Halsleidens am 10. 4. 1929 in Basel. In diesem Jahr erhielt die Stadtbibliothek Biel den Nachlass des Gymnasiallehrers, die 14 Bände der Gesetze und Dekrete des Kantons Bern, 1715-1861.


Stundenplan des Progymnasiums von 1887. In den Klammern stehen die Ziffern, welche nur die den Lateinschülern zukommenden Stunden bezeichnet. Reproduktion aus Tagblatt der Stadt Biel, Biel, 4. März 1887.



Quellen/Sources: 2) «Karl Müller» in Der Bund, Bern, 2. Juni 1916, S. 1; - 4) Pietro Scandola, Häuser erzählen ... die Geschichte Biels vom Mittelalter bis heute, Biel: Museum Neuhaus, 2010, S. 6ff; - 5) Werner und Marcus Bourquin, Biel Stadtgeschichtliches Lexikon, Biel 1999; - 8) Gottfried Ischer,  Jahrbuch des Schweizer Alpenclub, 1877-78, Band 13, Bern, 1878, S. 473; 9) Berner Schulblatt, Nr. 51, Bern 1896, S. 927; -  13) Dr. A. Magg in Neue Zürcher Zeitung, Zürich 16. April 1929, S. 1; - 14) Ry, «Hans Rudolf Moser» in Der Bund, Bern, 24. Februar 1946; - 15) Tobias Kupfernagel, «Malefizschreiber Chriesascht» in Nebelspalter, Nr. 2, Rorschach, 1956, S. 21