HERMANN WALSER - Geograf und Lehrer
Schüler vom Progymnasium Biel
1. Teil: 1870 bis 1908
Das in Biel ansässige Walsergeschlecht stammte ursprünglich aus Teufen im Appenzell. Die Appenzeller Walser wanderten vermutlich alle aus dem Graubünden ein. Deutsche Könige begünstigten neben dem fränkischen und allemannischen Adel die Ansiedlung von Ausländern in Rätien, indem sie ihnen in wilden, unbebauten Berggegenden einen Bezirk mit besonderen Vorrechten gaben. Da sie keine Leibeigenen waren und eine fremde Sprache sprachen, hiessen sie «freie Walser». Der Name «Walser» bedeutet «Fremdling» und leitet sich von «walen», «welschen», also eine fremde Sprache sprechen ab. Ihre Wohnorte waren die sogenannten Walsersitze, wie sie in Davos von den Oberwallisern gebaut wurden. So entstand die falsche Meinung, der Name Walser sei mit Waliser gleichbedeutend. Die Walserfreiheit vererbte sich nicht auf die Person, sondern auf die Güter. Auch wenn diese nicht mehr von den Nachkommen der ursprünglichen Walser besessen wurden.[33]

Geograf Gabriel Walser (18.5.1695-29.4.1776)
Der bekannten Schweizer Geografen *Gabriel Walser stammte aus Teufen und wuchs mit acht Geschwistern auf. Schon früh entwickelte er eine Affinität zur Geografie und
fertigte kartographische Zeichnungen an. Nach der Schule entschied der sich für ein akademisches Studium und absolvierte Studienaufenthalte in Deutschland. Er lebte streng und einfach. Seinen
angeborenen Wandertrieb stillte er in der Schweizer Gebirgswelt sowie in Frankreich und Deutschland. Dabei machte er sich ein Bild von der natürlichen Beschaffenheit der Länder. Später widmete er
sich dem Schulwesen. 1770 erschien sein bekanntes Werk Schweizer Geographie samt den Merkwürdigkeiten in den Alpen und hohen Bergen. Gabriel Walser dazu: «Es ist schwer, eine
akkurate Karte von einem Land anzufertigen, das so viele hohe Berge und Täler hat. Ich habe die höchsten Berge und Alpen manchmal unter Lebensgefahr bestiegen, um die Lage der Orte, die Seen und
den Lauf der Flüsse aufzuspüren.»
*Mit der gleichen Leidenschaft für Geografie kam 100 Jahre später in Biel Hermann Walser zur Welt, der bald in Gabriels Fussstapfen treten sollte: Wie Gabriel wählt
Hermann ein akademisches Studium, studierte in Deutschland und entdeckte die Gebirgswelt von Frankreich und Deutschland.
Urgrossvater Johann Jakob Walser (1770 – 1849)
Der Arzt und Apotheker zählte aufgrund seines Charakters, seiner Ausbildung und seines Wohlstands zu den einflussreichsten Männern der Gemeinde Teufen. Auch seine Grossmutter Katharina Eugster aus Speicher genoss hohes Ansehen. Das Paar wohnte im Kornhändlerhaus direkt neben der Kirche. Es hatte 13 Kinder, Hermanns Grossvater Johann Ulrich war der erstgeborene. Die Charaktereigenschaften «Einfachheit, Sparsamkeit und Mässigkeit», die J. J. W. auszeichneten, trafen auch auf Hermann zu.[28]

Grossvater Johann Ulrich Walser (24.2.1798 - 30.3.1866), Radikaler Pfarrer, Verleger und Politiker
J. U. W. kam in Teufen zur Welt. Nach dem Besuch der dortigen Primarschule, kam er nach Berlingen (Thurgau) zu einem verwandten Pfarrer, der ihn auf die höhere Schule vorbereitete. Ab 1813 besuchte er als «auswärtiger Collegiant» das Gymnasium in Schaffhausen. Von 1815 bis 1817 studierte er Theologie an der Universität Tübingen. 1817 legte er im Gymnasium Schaffhausen sein Examen ab und wurde ordiniert. Als Pfarrer amtete er von 1817 bis 7.1.1833 in Grub und von 19.1.1833 bis 1837 in Liestal. Als Verfechter der Trennung von Kirche und Staat machte er sich viele Feinde, insbesondere als er sich zunehmend der Politik und dem Publizieren freidenkerischen Schriften widmete. Er edierte mehrere politische Broschüren, darunter Kurzer Unterricht über die Verfassung des Kantons Appenzell, Appenzeller-Einfälle, Landammann Sutter von Innerrhoden und in etwas veränderter Form Pfarrer Sutters 1797 erschienene Schrift Bestgemeinter, treuer Unterricht an alle Patrioten, aber besonders des freien und unabhängigen Staats Appenzell. Mit seiner wichtigsten Schrift Die Sektier im Appenzellerlande von der Reformation an bis auf unsere Tage wollte er das Urteil über eine Menschenklasse, die aus Unkenntnis entweder in die Hölle verdammt oder in den Himmel erhoben wurden, berichtigten.[28] Walser wurde Chefredakteur der Baselbieter Zeitung Rauracher und gründete 1834 das Blatt Der freie Baselbieter, das sich jedoch nur kurz behauptete. Liestal setzte den «Revolutionspfarrer» mit 163 gegen 242 Stimmen bereits nach der ersten Amtsdauer ab. Daraufhin schrieb J. U. W. im Volksblatt: «In Liestal ist Ruhe eingekehrt. Es scheint, als würde die Partei, die es ohne Pfarrer probieren will, täglich grösser werden. Das wäre das schönste Zeugnis für einen Seelsorger, wenn er seine Zuhörer so weit bringt, dass sie von nun an selbst für ihr Seelenheil sorgen können.»[27]
J. U. W. gründete die Zeitung Basellandschaftliches Volksblatt und stieg 1838 ins Buchdruckereigeschäft ein. Als Zeitungschreiber rückte er seinen Gegnern mit Schärfe und Schlagfertigkeit zu Leibe. Das 1846 in seiner Buchdruckerei erschienene Werk Evangelium des armen Sünders von Weitling, machte sogar Gotthelf wütend. Als Buchdruckereibesitzer lebte er in Reinach, Arlesheim und Birsfelden. Von 1851 bis 1854 wirkte er als Gemeinderat in Muttenz und 1863 Sekretär des Verfassungsrates. Den Ruhestand verbrachte er in Basel. J. U. W. hatte am 25. Mai 1818 die Schaffhauserin Marie Juliane Hurter geheiratet (gest. 1871). Von den 14 Kindern waren neun Söhne und fünf Töchter. Drei Söhne starben noch im Kindesalter. Die Buchdruckerei übergab er den Söhnen Hermann (1828-1857) und Heinrich (1829-1861). Johann Ulrich Walser starb am Karfreitag 1866 im Alter von 68 Jahren. Testamentarisch vermachte er der Sekundarschule Teufen die damals hohe Summe von 1000 Franken.[28] Der damals bekannteste seiner Söhne war der in Basel arbeitende Architekt Friedrich Walser (1841-1922). Ihm ist es zu verdanken, dass J. U. W. auf mindestens einem Portrait festgehalten wurde, welches 1908 im Band 36 der Appenzellischen Jahrbüchern, veröffentlicht wurde:

Friedrich Walser: «Mit der Beschaffung eines authentischen Bildes stand es schlimm, da mein Vater — alt appenzellischer Schlichtheit und Sparsamkeit getreu — nicht zu bewegen war, sich jemals aufnehmen, geschweige denn malen zu lassen. Es existiert also absolut kein Porträt aus seinen Jüngern Jahren. Auf seinem Totenbett habe ich ihn gezeichnet, um wenigstens für ein Medaillon auf dem Grabstein eine Vorlage zu haben. Nach dieser hat Prof. L. Reiser, Zürich, das Medaillon modelliert, doch in jüngere Jahre zurückversetzt, so dass die Ähnlichkeit dabei etwas gelitten hat.»
Vater Adolf Walser (28.1.1833 - 28.1.1914)
Hermanns Vater arbeitete als gelernter Buchbinder in Paris und heiratete 1868 in der Kirche von Herzogenbuchsee Elisa Walser-Marti (7.3.1839 - 22.10.1894) von Schangnau im Emmental. In Biel niedergelassen, führte er einen Gemischtwarenladen an der Nidaugasse 36. Das Sortiment, das er zu Tiefstpreisen anbot, bestand aus so ziemlich allem, womit man handeln konnte: Dazu gehörten Fensterstoren, Tisch-Tapis aus Holz und Wachstuch, japanische Flaschenuntersätze, Vorhängestangen, Ölfarbendruckbilder, Kupferstiche, Spiegel in allerlei Grössen, Spazierstöcke, Havanna- und Bremer Zigarren sowie Lebensmittel und Spielzeug. Daneben führte er Buchbinderarbeiten und Einrahmungen durch. Am interessantesten für die acht Kinder war wohl die Spielzeuge. Zu den Kindern zählten:
*Adolf Emil (31.7.1869 - 17.10.1884)
*Hermann Alfred, Lehrer und Geograf (11.12.1870 - 1.5.1919)
*Oscar Emil, Bankangestellter (7.7.1872 - 11.4.1959)
*Ernst Julius, Lehrer und Musiker (10.6.1873 - 17.11.1916)
*Progymnasialschüler am Dufourschulhaus in Biel
Lisa (Elise Mathilde), Sekundarlehrerin (4.5.1875 - 7.1.1944)
*Karl Edmund, Kunstmaler, Bühnenbildner (8.4.1877 - 28.9.1943)
*Robert Otto, Schriftsteller (15.4.1878 - 25.12.1956)
Fanny Marie, Zahntechnikerin (15.11.1882 - 26.2.1972)
Hermann Walsers Porträt zeigt einen Lehrertyp mit steifem Spitzkragen und etwas lose gebundener
Krawatte. Im Ausdruck ist fast etwas Trotziges, hinter dem sich eine sensible, verletzliche
Natur verbirgt. Die Augen sind fragend, unruhig, sein tragisches Schicksal vorwegnehmend.»
Georges Grosjean, 100 Jahre Geographie an der Universität Bern, Berner Geographische Mitteilungen 1986, S. 86

Hermann Walser
Hermann Alfred Walser wurde am 11. Dezember 1870 in Biel geboren. Von seinen sieben Geschwistern sind seine Brüder, der Dichter Robert und der Maler Karl Walser, international bekannt.
Schüler am Progymnasium Biel
Im Progymnasium Biel erhielt Hermann vom späteren Kriegsberichterstatter und Bund-Redakteur Karl Müller (1855-1916) Unterricht in Geschichte und Deutsch.
Der Lehrplan für Geografie schrieb folgendes vor:
- I. Klasse: 2 Stunden wöchentlich. Topische Geografie; Lehre von den Lagen und Grössenverhältnissen der geografischen Orte und Räume. Aus der mathematischen Geografie werden nur die zur
Orientierungszwecken auf der Erdoberfläche unentbehrlichen Erklärungen aufgenommen, aus der physikalischen insbesondere, ausser den Positionen, nicht sowohl die vertikalen als die horizontalen
Dimensionsverhältnisse der Länder und Meere, Gebirge und Ebenen, Seen und Flüsse; aus der politischen nur die Angaben über Lage und Ausdehnung der Staaten; die Begrenzungen und die Verteilung der
physikalischen Formen innerhalb dieser Grenzen. Bleibt für die politischen Angaben nicht genug Zeit, so werden diese für den dritten Kurs aufbewahrt.
- II. Klasse: 2 Stunden wöchentlich. Geografie der Schweiz, besonders des Kantons Bern vollständig.
- III. Klasse: 2 Stunden wöchentlich. Beschreibung der Erdoberfläche, vorzugsweise nach der physischen Beschaffenheit ihrer einzelnen Teile. Die Vorkenntnisse aus der mathematischen Geografie
sollen so weit ergänzt werden, als zur Erklärung der physischen Eigentümlichkeiten des Erdballs durchaus nötig ist. Auszuscheiden wäre aus der physikalischen Geografie Alles, was nicht auf die
Gestalt der Erdoberfläche, ihre Naturverhältnisse, ihre Bewohnbarkeit, das Leben und Gedeihen der Völker unmittelbar Bezug hat.
- IV. Klasse: Zweijähriger Kurs: 2 Stunden wöchentlich.
A. Politische Geografie. a) Die aussereuropäischen
Erdteile übersichtlich. b) Europa ausführlich
B. Mathematische Geografie und aus der physikalischen Geografie dasjenige, was mit der mathematischen unmittelbar zusammenhängt.[64]

Hermann Walser erhielt seinen Geografie- und Naturkundeunterricht von Niklaus Jakob (1820-1900), dem Gründer der naturkundlichen Sammlung des Museums Schwab. Jakob referierte bereits 1862 an der Versammlung des bernisch-solothurnischen Lehrervereins über Gedanken über den geografischen Volksunterricht. In Biel verfasste er vier Geografiebücher, darunter Geographie der Schweiz für Mittelschulen und mehrklassige Primarschulen (1873) sowie Schulgeographie des Kantons Bern für Mittelschulen und mehrklassige Primarschulen (1878). Damit beeinflusste er die Entwicklung des geografischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts nachhaltig. Er verstand es auch, in späteren Auflagen zahlreiche Verbesserungen einzubringen, sodass sich seine geografischen Lehrmittel weiterhin behaupten konnten. Mit sogenannten «stereoskopischen Landschaftsbildern» gestaltete er den Unterricht anschaulicher.
Dann besuchte Walser das Progymnasium in Burgdorf und von 1887 bis 1889 am Waisenhausplatz Bern die Literarabteilung des Obergymnasiums.[23]
Schüler am Gymnasium Bern
Der Historiker und Hochschullehrer Gustav Tobler (1855-1921) unterrichtete Walser in Deutsch und Geschichte, Eduard Ott (1848-1917) in Mathematik und Direktor Georg
Finsler (1852-1916) in Latein und Griechisch. Für Geografie und Physik begeisterte er sich gleichermassen. Hermann war ein Musterschüler, dessen Betragen und Notendurchschnitt stets Vorbildlich
waren. So hatte er jährlich in den Sommerferien die Möglichkeit, unentgeltlich an den Schulreisen teilzunehmen. An diesen Reisen konnten nur Schüler teilnehmen, die in den Zeugnissen im Betragen
die Note «gut» und im Fleiss die Note «ziemlich gut» vorwiesen. Die Kosten wurden aus dem Schulsäckelfond und durch die Zinsen der Meyerstiftung bestritten. Zu dieser Zeit dauerte die kleine
Reise 6 und die grosse 10 Tage.[44] Hermanns Maturitätsprüfung erfolgte am September 1889. Geprüft wurde Mathematik, Französisch, Deutsch, Lateinisch,
Geschichte, Physik, Geografie und Naturgeschichte. Natürlich schloss er mit der Promotionsnote I = «Sehr gut» ab, was ihm ein Studium an der Universität ermöglichte.[53] (StABE, N Walser 3 4.1) Die Absicht seiner Eltern war es, aus dem jungen Hermann einen
Kaufmann zu machen, der dann das elterliche Geschäft übernehmen sollte. Dieser Wunsch wurde jedoch durch den Willen des Sohnes, Wissenschaftler zu werden, zunichte gemacht.[1]
*Bruder Ernst Walser besuchte die Literarabteilung des Gymnasiums Bern von 1888-1891.

Student an der Universität Bern 1889 - 1892 mit Studium in München 1891/92
Ab Oktober 1889 bevorzugte der ehemalige Gymnasiast das Hochschulstudium an der Universität Bern. Sein Basler Onkel Friedrich Walser-Hindermann unterstützte ihn mit einem Darlehen, das er noch während des Studiums zurückzahlte.[6] Dort vertiefte er sich in philosophisch-historische Studien zur Geschichte, Geografie, Deutsch, Französisch, Italienisch, Psychologie und Pädagogik.[12] Angeregt durch die Vorlesungen seines verehrten Lehrers Eduard Brückner, fesselte ihn die Geografie immer mehr. Das Korrespondenzblatt der Studentenverbindung Halleriana bernensis (6.11.1919) erwähnt: «In der naturwissenschaftlichen Vereinigung, dem Vorläufer der Halleriana, fand der junge Student Freunde fürs Leben. Geselliger Unterhaltung war er nicht abgeneigt, er kämpfte aber mit einer gewissen Befangenheit und Scheu gegenüber der Aussenwelt.»
Während seines Studiums wurde Hermann Walser am 3. Dezember 1890 zum Leutnant der Infanterie ernannt und diente der 4. Kompanie des Schützen-Bataillons Nr. 3.[2] Vom 16. März bis 14. April 1892 absolvierte er die Offiziersschiessschule in Wallenstadt. Im Betragen und Schiessen hatte er die Bestnote. (StABE, N Walser 3.1.-3.4)
Vom 25. April 1891 bis 18. März 1892 studierte er zuerst Philosophie (Sommersemester 1891) und dann Geschichte (Wintersemester 1891/92) an der Königlich Bayerischen Ludwig-Maximilians-Universität in München (StABE, N Walser 3 5.1). In dieser Zeit wohnte er in der Schellingstrasse 93 und in der Barerstrasse 45. Zwischendurch beteiligte er sich als Mitglied des Empfangskomitees am 5. Internationalen Kongress der Geographischen Wissenschaften in Bern, der vom 10. bis 14. August 1891 stattfand.
Amtliches Verzeichnis des Personals der Lehrer, Beamten und Studierenden an der königlichen bayerischen Ludwig-Maximilians-Universität zu München. Sommersemester 1891, Wintersemester 1891/92. Open Access LMU. - Abgangszeugnis der Universität München, 18.3.1892. StABE N Walser 3 5.1
Zurück in der Schweiz bestand Hermann Walser das Examen als Sekundar- und Gymnasiallehrer und erhielt am 9. November 1892 sein Diplom für das höhere Lehramt. Dies befähigte ihn nun in den Klassen der Gymnasien des Kantons Bern Unterricht in literarischer oder realistischer Richtung zu erteilen. (StABE, N Walser 3 4.4)
Mitglied der Geographischen Gesellschaft Bern (GgGB)
1873 wurde im Zunfthaus zu Webern die GgGB gegründet. Am 16. Dezember 1892 nahm sie Hermann Walser als Aktivmitglied auf. Zu den Mitgliedern zählten Kartographen, Lehrer, Ingenieure und Beamte. 1879 erfolgte die Gründung der Bibliothek. Alle zwei Jahre erschien ein Jahresbericht, für den grössere, wissenschaftliche Originalarbeiten verfasst wurden.[8]
Geografiestudium an der Universität Bern
Von 1892 bis 1893 studierte Walser am GIUB Geografie.
«In der Erzählung Geschwister Tanner beschreibt Robert Walser (Simon) seinen
Bruder Hermann (Klaus) als den besten und bedachtsamsten Menschen der Welt.»
Beatrice Sandberg, Familienbilder als Zeitbilder, V: Franke & Timme, 2010, S. 110
Familiäre Verhältnisse
Hermann Walser blieb wie sein Bruder Robert das ganze Leben lang ledig. Hermanns Familie bestand aus seinen Brüdern und Schwestern, die allesamt kinderlos blieben.
Am 22. Oktober 1894 starb seine an Depressionen erkrankte Mutter Elise im Alter von 55 Jahren. Der Vater verfügte nur noch über wenig Geld. Er wohnte mit Lisa und Fanny an der Quellgasse 17 als
Untermieter im Haus von Flora Ackeret, einer kunstbeflissenen Freundin der Familie.[6] Als zweitältester Sohn übernahm Hermann die Rolle des
verantwortungsvollen Familienoberhaupts und sorgte dafür, dass seine Geschwister über die Runden kamen. Seinem Bruder Robert verschaffte er eine Stelle als Hilfsbibliothekar in Bern.
André Zinggeler: «Die Beziehungen zu seinen beiden Schwestern Lisa und Fanny waren die engsten, die Hermann zu anderen Menschen hatte. Dies folgt daraus, dass sie sein ganzes Leben lang immer
wieder gemeinsam Touren unternahmen, und oft zusammen die Ferien verbrachten. Dass die Beziehung zu ihnen enger war als zu den übrigen Geschwistern, lag möglicherweise daran, dass sie in der Nähe
wohnten, Lisa zunächst in Täuffelen und später in Bellelay und Fanny in Bern.»[19]
Lisa war Lehrerin, Pädagogin, Musikerin, Künstlerin und beherrschte drei schweizerische Landessprachen. 1903 wurde sie vom Bieler Stadtrat zur Lehrerin der Primarschule Biel gewählt. Von 1905 bis
1909 unterrichtete sie in Livorno, Italien. 1910 erhielt sie das Patent als Sekundarlehrerin und das Fachzeugnis für Italienisch. Von 1912 bis 1940 gab sie 28 Jahre Deutschunterricht in in der
abgelegenen Privatschule Bellelay, die hauptsächlich von Angestelltenkindern der hiesigen Pflegeanstalt besucht wurden. Lieber blieb sie ihrer anstrengenden Klasse treu, anstatt in einer
städtischen Schule zu arbeiten. Dies mit dem Ziel, die Schüler von klein auf zu unterrichten und sie erst an der Schwelle zum Erwachsenenleben zu verlassen. Oft besuchte sie Fortbildungskurse, um
ihr bereits umfangreiches Wissen um neue pädagogische Methoden und Ideen zu erweitern. So konnte sie den Unterricht immer sicherer und attraktiver gestalten. Trotz des knappen Budgets gelang es
ihr, die Kinder zu begeistern. Daher wurde sie auch von den Eltern sehr geschätzt. Hermann besuchte Lisa oft in Bellelay und verband dies mit ausgedehnten Wanderungen im Jura. Mehr als
einmal erzählte sie den Kindern von ihren Reisen, die sie u.a. mit Hermann unternahm. Sie beschrieb die wunderschönen Landschaften und prächtigen Dinge, die sie während ihrer Ferien bewundert
hatte. Ihre Schüler lauschten unermüdlich ihren Erzählungen, in denen sie geografische Ausführungen mit historischen Fakten verband. Traditionell brachte Lisa den Patienten des Pflegeheims
Bellelay jährlich einen von ihren Schülern künstlerisch gestalteten Weihnachtsgruss. Viele ihrer Schüler absolvierten später ein Hochschulstudium.[30]
Die jüngere Schwester Fanny war eine begeisterte Musikerin und lernte mit Hermanns finanzieller Unterstützung Zahntechnikerin. Sie gehörte zu den ersten Frauen, die diesen Beruf ausübten. In Bern
praktizierend, teilte sie zeitweise mit Hermann die Wohnung an der Wallgasse 6. Mit 44 Jahren heiratete sie den kaufmännischen Angestellten Arnold Hegi (7.1.1891-13.5.1966) mit dem sie ins
Baltikum auswanderte, wo er dem Aussenhandel eines Zündholzunternehmens vorstand. Die Eheleute lebten zunächst bei Riga und später in der Nähe von Libau, bis der Krieg sie im Oktober 1940 in die
Heimat zurücktrieb. Hier fanden sie Unterkunft in einem Stöckli im Weiler Tromwil bei Rüeggisberg. 1955 bezogen sie eine Wohnung in Wabern. Im Mai 1966 verlor sie ihren Mann. Den Nachlass
Hermanns schenkte sie dem Berner Staatsarchiv.[32]
Hermann war tief betroffen von mancherlei Unglück in der Familie: Sein Bruder Ernst war ausgebildeter Sekundarlehrer, der in England und Neapel als Hauslehrer unterrichtete. Kurz nach seiner
Rückkehr in der Schweiz wurde er 1898 in die Heilanstalt Waldau eingewiesen, Diagnose Schizophrenie. 18 Jahre verblieb er in der Anstalt bis er dort 1916 in geistiger Umnachtung starb. Hermann
hatte für ihn diverse Arztrechnungen übernommen. Jahre später bezahlte Hermann für Fanny, die infolge längerer Krankheit an Gelenkrheumatismus litt und dadurch an der Ausübung ihres Berufs
gehindert war, die Kurkosten.[57o] Hermann konnte mit seinem Budget sehr gut haushalten. In seiner letztwilligen Verfügung schrieb er: «Schulden habe
ich keine» und bat die Geschwister «das Geld mit Liebe zu teilen und anzuwenden.»[6]
Wie aus den Jahresrapporten des Städtischen Gymnasiums Bern und den Berner Adressbüchern hervorgeht, wechselte Hermann Walser mehrmals in Bern die Wohnung: Marienstrasse 31 (1893/94),
Marienstrasse 21 (1895/96), Weststrasse 11 (1897/98), Gartenstrasse 5 (1899), Wallgasse 6 (1900 bis 1904), Mittelgasse 6a (1904 bis 1906), Kanonenweg 16 (1906), Kanonenweg 17 (1907), Junkerngasse
12 (1910) und Junkerngasse 53 (1911 bis 1919).
Mitglied des Historischen Vereins des Kantons Bern
Der Historische Verein des Kantons Bern wurde 1846 mit dem Ziel gegründet, allen schweizerischen Historikern eine gemeinsame Betätigungsplattform zu bieten. Ab 1894
zählte Walser zu dessen Mitgliedern.[42]
Lehrer in Herzogenbuchsee 1893 bis 1894
Hermann Walser wirkte vom 1. April 1893 bis 18. März 1894 als Sekundarlehrer in Herzogenbuchsee (StABE, N Walser 3 4.5). Er
unterrichtete Deutsch, Geschichte und alte Sprachen.[18]

Geografie- und Deutschlehrer am Städtischen Gymnasium Bern vom 1.4.1894 bis 31.3.1909
Dr. Paul Meyer, ehemaliger Direktor des Städtischen Gymnasiums Bern: «Lang wurde die Geographie an unserem Gymnasium etwas stiefmütterlich behandelt. Die wenigen
Stunden verteilten sich zudem auf mehrere Lehrkräfte. Als das Fach jedoch den ihm gebührenden Rang erhielt, stellte sich 1894 die Notwendigkeit ein, einen besonders darin ausgebildeten Fachmann
für das gesamte Gymnasium zu gewinnen. Dies war Hermann Walser.»[25] Am 1. April 1894 begann Walser als Lehrer am Städtischen Gymnasium Bern, das sich am
Waisenhausplatz 30 befand. Die Stadt Bern errichtete die Schule mit 4 Abteilungen, an denen Walser folgende Fächer unterrichtete:
A. Progymnasium (Geografie): 4 Jahreskurse, ab 10 Jahren. Zur Vorbereitung auf eine der drei oberen Abteilungen (Handelsschule, Realschule oder Literarschule).
B. Literarschule (Geografie, Deutsch, Geschichte): 4 ½ Jahreskurse, ab 14 Jahren. Zur Vorbereitung auf ein Universitätsstudium.
C. Realschule (Geografie): 3 ½ Jahreskurse, ab 14 Jahren. Zur Vorbereitung auf technische Berufe und für den Eintritt in technische Fach- und Hochschulen.
D. Handelsschule (Geografie, Deutsch): 2 Jahreskurse, ab 14 Jahren. Zur Vorbereitung für kaufmännische Berufe und für den Eintritt in den Post- und Eisenbahndienst etc. [50 / 56]
Über den Deutschunterricht erwähnte Redaktor Finsler im Bund (5.4.1894): «Während im Gymnasium eine reine und sorgfältige Aussprache von Französisch, Englisch und Italienisch vermittelt
wird, blieb Deutsch unberücksichtigt. An der Mädchensekundarschule hingegen wird sehr korrekt Deutsch gesprochen, was für das Gymnasium nicht als notwendig erachtet wurde. Man begnügte sich mit
Schriftdeutsch, einer Sprache, die nirgends gesprochen oder verstanden wird und in der hochdeutsche Wörter dialektisch ausgesprochen werden. Um den Schülern wirkliches Deutsch zu lehren, wird am
Gymnasium nun eine reine Aussprache eingeführt. Da wir selbst noch viele dialektale Züge aufwiesen, mussten wir bei uns selbst anfangen, um reines Deutsch lehren zu können. Zu diesem Zweck wurde
ein Sprechkurs eingerichtet, in dem mit Beginn des neuen Schuljahres die Einführung einer korrekten Aussprache an der ganzen Schule in Angriff genommen werden kann. Die Lehrer werden diese
Übungen unter der Leitung eines Kollegen fortsetzen. Den Schülern wird durch Deklamierübungen, für die monatlich eine besondere Stunde vorgesehen ist, die Gelegenheit geboten, ihre Aussprache
auch ausserhalb der Schulstunden zu vervollkommnen.»
Das man die Geografie ins Maturitätsprogamm als selbständiges Prüfungsfach aufnahm, kam in dieser Zeit nicht in Frage. Ein Antrag hatte die eidgenössische Maturitätskommission mit der Begründung abgewiesen, «der Geografieunterricht eigne sich wohl für Handels-, Berufs- und Hochschulen, weniger aber für Gymnasien, wo mehr Gewicht auf die Förderung der geistigen Reife als auf grossen Umfang der Kenntnisse gelegt werden müsse.»[66]
Walsers Geografie-Unterricht am Städtischen Gymnasium Bern, Schuljahr 1894/95:
Handelsschule: Übersicht über Europa. Länderkunde der aussereuropäischen Erdteile. / Übersicht über Europa. Spezielle Handelsgeografie von Grossbritannien und seinen Kolonien, Belgien, Holland, Dänemark und die Schweiz. / Österreich-Ungarn, Russland, Skandinavien, Belgien, Niederlande und die selbständigen aussereuropäischen Staaten in handelsgeografischer Beziehung (Geografie und Statistik): Ausgewähltes aus der Statistik der Produktion und Konsumtion, des Verkehrs und Handels und der Bevölkerung, mit besonderer Rücksicht auf die Schweiz.
Realschule: Länderkunde der aussereuropäischen Erdteile mit Anwendungen aus der mathematischen Geografie. / Repetition der Länderkunde von Europa. / Grundzüge der physikalischen Geografie.
Oberklasse: Repetitionen.
Literarschule: Länderkunde der aussereuropäischen Erdteile. / Länderkunde von Europa.
Ober-Prima: Repetitionen.
In Bern führte Walser zunächst fort, was ihm besonders Spass machte: die Vorlesungen seiner Vorbilder zu besuchen. Im Winter 1894/95 studierte er Geologie am Geographischen Institut (GIUB), hörte Dr. Kisslings Geologie der Schweiz und nahm an den Übungen von Dr. Eduard Brückner, dem Direktor des GIUB, teil.

Schon bald unternahm Walser mit den Schülern der Real- und Handelsklasse eine fünftägige Reise. Der Jahresbericht des Städtischen Gymnasiums Bern 1895 schildert: «1. Tag. Von Bern aus ging es mit der Eisenbahn und dem Dampfschiff nach Meiringen. Besichtigung der Aareschlucht. Mit dem Wagen nach Guttannen. Zu Fuss über die neue, noch uneröffnete Grimselstrasse bis Rätherichsboden. Dann zum Grimselhospiz. - 2. Tag. Zu Fuss nach Münster; mit dem Wagen nach Viesch und zu Fuss zum Hotel Jungfrau auf dem Eggishorn. - 3. Tag. Aufstieg auf die Spitze des Eggishorns; hinunter zum Märjelensee bis zum Aletsch (alter Weg), dann den neue Weg zurück zum Hotel und weiter nach Riederalp. Weiter über den Aletschgletscher nach Belalp. - 4. Tag. Zu Fuss nach Brig, mit der Eisenbahn nach Susten und zu Fuss nach Leukerbad und Gemmi. - 5. Tag. Zu Fuss nach Kandersteg. Mit dem Wagen nach Thun (mit Besichtigung vom Blausee) und von dort mit der Eisenbahn nach Bern.»
Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft
Von 1895 bis 1896 war Hermann Walser Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft Bern.
Oberleutnant der Infanterie-Schützen
Am 21. Dezember 1895 wurde er zum Oberleutnant ernannt und dem Schweizerischen Schützen-Bataillon III zugeteilt (StABE: N Walser
3.1.-3.4).

Die geografischen Aspekte der Twannbachschlucht
Am 13.5.1895 besuchte Hermann Walser die Twannbachschlucht: «Bei Twann zeigt die Seekette ein Sekundärgewölbe (Kopf), das durch das liebliche Gaichttal vom Hauptgewölbe getrennt ist. In dieser Mulde liegen zuerst Valangin- dann Hauterive-Kreidefetzen. Quer in das Hauptgewölbe ist die Twannbachschlucht eingeschnitten. Es gibt eine lokale Aufstauchung an der Tessenbergstrasse. Hier und in der Schlucht selbst treten die Unterschiede zwischen Verwitterungs- und Erosionserscheinungen der steilen Malm-Felspartien deutlich zutage. Die horizontal beziehungsweise entlang der Gewölbeperipherie verlaufenden Eintiefungen folgen bei der Verwitterung genau den Schichttrennungslinien. Die Erosion folgt diesen Schichttrennungen an besonderen Stellen. Dies ist in der oberen Schlucht schön zu sehen, wo der Bach nach rechts eine mächtige Schicht ganz unterhöhlt hat und auf der darunterliegenden, etwas härteren Schicht rasch dahingleitet. Einmal verschwindet er ganz hinter einem grossen Block. Am unteren Ende der Schlucht befindet sich ein interessantes, noch unaufgeklärtes Spaltensystem. Wenn es im Sommer lange geregnet hat oder im Frühling der See schmilzt, so füllt sich zuerst eine aus der Tiefe aufsteigende und dann eher horizontal verlaufende Höhle mit Wasser. Dieses bricht dann mächtig hervor. Ist noch mehr Wasser vorhanden, so füllen sich die sonst leerstehenden Bachbetten, die mit Blöcken gefüllt sind, auf und es bilden sich Wasserstürze, die gegen die Häuser von Obertwann zur Tiefe gehen.» (StABE N Walser 2.11)

Hermann Walser promoviert zum Doktor
Am 28. Juli 1896 erteilte ihm die Berner Hochschule die Doktorwürde und zeichnete seine Dissertation mit dem Prädikat «summa cum laude» aus. Der Titel seiner Arbeit lautete:
Veränderungen der Erdoberfläche im Umkreis des Kantons Zürich seit der Mitte des 17. Jahrhunderts. Untersuchungen, angestellt auf Grund der topographischen Karte von J. C. Gyger aus
dem Jahre 1667 (Changements de l’écorce terrestre dans le canton de Zürich depuis le milieu du XVII siècle). Walser kam zu dem Ergebnis, dass «seit der Mitte des 17. Jahrhunderts von
149 nordostschweizerischen Seen 73 ganz verschwanden und 16 stark reduziert wurden.» Er stellte durch Beobachtungen für 54 Seen die Ursache des Rückgangs, bzw. des Erlöschens fest. Der Übergang
vom Ackerbau zur Wiesenkultur führte dazu, dass eine Reihe von Seen trockengelegt und in Streuwiesen verwandelt wurden. Der Ertrag dieser Flächen sollte bei der Viehhaltung das mangelnde Stroh
ersetzen. Auch die Senkung des Grundwasserspiegels liess einige Seen verschwinden.[3] Nachdem Eduard Brückner in Petermann’s Mitteilungen (Bd.
42 1896) darüber ausführlich berichtete, wurden englischsprachige Zeitschriften auf Walsers Studie aufmerksam. Unter anderem Geographical Journal (London, July to Dec. 1896), The
Journal of School Geography (New York, Jan. 1897), Nature - Illustrated Journal of Science (London, 11.2.1897) Monthly Journal of the School Geography (New York, Bd. 1,
1897) und The Locomotive (Hartford, June 15, 1897).
Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft Bern, V. Fritz Haller, Bern, 1896. Nationalbibliothek Bern
Karte der Veränderungen in der Verbreitung des Reblandes der Nordost-Schweiz, 1896. StABE N Walser 3 5.3

1886 erschien im 15. Jahresbericht der GgGB Hermann Walsers Inauguraldissertation Veränderung der Erdoberfläche im Umkreis des Kantons Zürich seit der Mitte des 17. Jahrhunderts. Eine beigelegte Karte zeigte die Verbreitung des Reblands der Nordwestschweiz seit der Erstellung der Gygerkarte (StABE, N Walser 3 5.3). Walser im Vorwort: «Eine der besten älteren topographischen Karten besitzt der Kanton Zürich in dem 1667 vollendeten Werk von Hans Conrad Gyger. Auf dieses Kartenwerk stützen sich die nachfolgenden Untersuchungen. Ist das Gebiet, das auf der Gygerschen Karte dargestellt auch nicht ausgedehnt, so zeichnet es sich dadurch aus, dass es sich von den nördlichsten Alpenketten quer über das ganze schweizerische Hügelland bis zum östlichen Jura erstreckt. Die Anregung zu den nachfolgenden Untersuchungen verdanke ich meinem Lehrer Prof. Dr. Eduard Brückner. Begonnen wurden sie im April 1895 und im Juli 1896 abgeschlossen. Es sollte ursprünglich durch eine Ausbeutung des in der Gygerschen Karte enthaltenen Materials der Frage nachgegangen werden, in welchem Umfang die Waldungen des auf der Karte dargestellten Gebiets seit 1667 an Areal abnahmen. Die eingehende Prüfung der Karte führte jedoch bald zu einer Ausweitung der Untersuchung auch auf Veränderungen im Bestand der Seen. Die auffallenden Tatsachen zum Rückgang der Seen, die sich bereits aus der Karte ergeben hatten, veranlassten mich, im Juli und Oktober 1895 die Ostschweiz zu bereisen. Einerseits wollte ich mich allgemein über die Angaben von Gyger näher orientieren, andererseits wollte ich speziell die Ursachen des Erlöschens der kleinen Seen im Einzelnen studieren. Anschließend verglich ich die ehemalige Verbreitung der Rebe mit der heutigen. Somit umfasst diese Arbeit gleichermassen das Gebiet der physikalischen und der Kulturgeographie. Das Material der ersten Hälfte, das sich auf die Seen bezieht, stammt grösstenteils aus Beobachtungen in der Natur, das der zweiten Hälfte grösstenteils aus kartographischen und statistischen Quellen.»[13] Ein Separat-Abdruck brachte Eduard Brückner im 3. Heft Arbeiten aus dem Geographischen Institut der Universität Bern heraus. Das Exemplar der Stadtbibliothek Biel trägt die Widmung «Werner Sutermeister» (1868-1939). Dieser war Lehrer am Städtischen Gymnasium Bern.
Studie über den Waldbestand des Kantons Zürich
Einen bemerkenswerten Vortrag hielt er 1897 über die Veränderungen des Waldareals im Kanton Zürich seit der Mitte des 17. Jahrhunderts. Walser analysierte die Veränderungen des
Waldareals in 10 natürlichen Bezirken. Er stellte fest, dass der Waldbestand des Kantons Zürich in den letzten 240 Jahren um 5.000 Hektar abnahm. Die Neue Zürcher Zeitung (2.3.1897)
lobte seine Arbeit als «ein bedeutungsvoller und gelungener Versuch, die Daten der alten Kartographie zu Schlüssen über die Geschichte unserer Bodenkultur zu verwerten».
Walsers Unterricht am Städtischen Gymnasium Bern, Schuljahr 1896/97: [34]
Handelsschule - Geografie: Übersicht über Europa / Länderkunde der aussereuropäischen Erdteile. / Spezielle Handelsgeografie der Schweiz, Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Grossbritanniens, der Niederlande, Spanien, Portugal, die Balkaninseln, Österreich-Ungarn, Russland, Skandinavien. / Die selbständigen aussereuropäischen Staaten, besonders die Union, in handelsgeografischer Beziehung.
Geografie und Statistik: Ausgewähltes aus der Statistik der Produktion und Konsumtion, des Verkehrs und Handels und der Bevölkerung, mit besonderer Rücksicht auf die Schweiz.
Deutsch: Wilhelm Tell und Wallensteins Lager.
Realschule - Geografie: Einleitendes über Landkarten. / Mathematische und physikalische Geografie. / Länderkunde von Europa und der aussereuropäischen Erdteile. / Einleitung in die Völkerkunde.
Literarschule - Geografie: Länderkunde von Europa und der aussereuropäischen Erdteile. / Die Schweiz. / Einleitung in die Völkerkunde. / Lehre von der Atmosphäre.
In der Handelsschule nutzte Walser folgende Lernmethode: Neben dem geografischen Wissen setzte er als zweites Hauptziel die geografischen Fertigkeiten (Verständnis der Karten, Entwerfen leichter Skizzen). Beim Unterricht gingen seine Studenten analysierend vor, das Neue aus dem bereits Bekannten entwickelnd. Als Anschauungsmaterial benutze er die Vollbilder aus den Werken von Sievers und Balbi. In fast allen methodischen Fragen richtete er sich nach Matzat’s Buch Methodik des geographischen Unterrichts. Zu seinen Lehrmitteln gehörten Wanderkarten von Sydow-Habenicht, politische Karten von H. Kiepert, der Globus, der Schulatlas von Andree-Putzger, die Schulgeographie von A. Supan (Halle 1895, in der untersten Klasse), E. Deckers Grundzüge der Verkehrs- und Handelsgeographie (Leipzig 1894, in den oberen Klassen). [50]
«In Walsers Werken und Reisetagebüchern wird das eigentliche Ziel und Wesen
der Geografie deutlich: die Beziehung zwischen Erde und Mensch.»
P. K., Pioniere und Prominente vom Dufourschulhaus Biel
Ferienreisen und Tagebücher
Als passionierter Wanderer und geografischer Entdecker unternahm Hermann Walser 12 Auslandreisen und 117 Wanderungen in der Schweiz.[19] Im Alter von 28
Jahren stand für ihn fest: «Ich will dieses Wanderleben fortsetzen. Nur mit mir als Tourist, über den, wenn er wenig Geld hat und wie ich allein reist, jeder vernünftige Mensch den Kopf
schüttelt.»[20] In seinen 21 Reisetagebüchern zeigte er seine ausgezeichnete topographische Beobachtungsgabe und ein sicheres Gespür für das Wesentliche und
Bedeutungsvolle. Er notierte viel, aber nicht alles: «Ich weiss allerlei, doch sage ich es nicht einmal diesem von niemandem zu lesenden Buch.»[20]
Walser schrieb auf unterschiedliche Weise. Manchmal kurz und knapp im Telegrammstil. Als Naturliebhaber, sensibler Poet und Romantiker geriet er jedoch auch ins Schwärmen und beschrieb die
schönen Dinge des Lebens in all ihren Facetten in längeren Texten. Dr. André Zinggeler: «Praktisch aus jeder Zeile ist seine enorme Begeisterung für die Formen, Farben, Düfte und Geräusche
der Natur herauszulesen und zu fühlen.»[19] Er gab seine Sensibilität für Kunst mit zeichnerischer Gestaltungskraft wieder. Dass er auch Menschen in seine
Notizen miteinbezog, verleiht den Büchern eine lockere, bisweilen humorvolle Note. Er schrieb auf Deutsch und integrierte französische Elemente, die er manchmal zweisprachig vermischte
(«splendidebeste Dejeuner»). In seinen ersten Reisejahren begleitete ihn noch eine gewisse Verunsicherung:
«Ich kann sagen, ich bin Geograf. Ja, aber es muss doch etwas geschaffen werden, mit dem blossen Sehen
und vergnüglichem Tagebuchschreiben ist es nicht getan. Und da stellt sich immer wieder die Frage nach dem Was.
Ich bin in diesem Punkt unermesslich empfindlich. An klügsten wäre es, wissenschaftlich etwas zu leisten.»
Hermann Walser, 17. Reisetagebuch: 1898 II (StABE N Walser 2.17)
Fanny Walser übergab Hermanns Reisetagebücher mit 12 weiteren Arbeitsbüchern dem Berner Staatsarchiv. Dr. André Zinggeler analysierte 1987 für das Geographische Institut Bern diese 33 Notizbücher und wertete die 3000 Seiten unter dem Titel Prof. Hermann Walser: Leben und Werk als unveröffentlichte Arbeit aus. Zinggeler: «Das Studium der Notizbücher bot einen interessanten Einblick in die Arbeit eines Geografen, der mit der Siedlungsgeographie Neuland betrat. Dies in einer Zeit, als seine Fachkollegen und Lehrmeister praktisch nur die traditionelle Geographie mit den Schwerpunkten in Geomorphologie und Landschaftskunde betrieben. Walsers anfänglich romantisches Naturempfinden wich um die 1910, nach Antritt des Lehrstuhls, einer nüchternen und exakten Betrachtungsweise.»[19] Einige von Walsers wissenschaftlichen Reisefeuilletons erschienen im Sonntagsblatt vom Bund.
Frankreich (1897)
Im Park der Vulkane: Walser unternahm 1897, zusammen mit dem Hofwiler Seminarlehrer Dr. phil. Johannes Jegerlehner (1871-1937), eine dreiwöchige Studienreise durch das Zentralplateau Frankreichs. Der Reisebericht wurde am 4. Februar 1898 für die GgGB vorgetragen. Das Intelligenzblatt für die Stadt Bern (10.2.1898): «Die Reisenden durchquerten das Vulkangebiet der Auvergne. Von Clermont-Ferrand aus, der bedeutendsten Stadt der Auvergne, wurde der 1465 Meter hohe Puy de Dôme bestiegen, in dessen Gebiet sich nicht weniger als 64 Vulkankegel befinden. Auf dem Gipfel befinden sich die Überreste des gewaltigen römischen Merkurtempels. Seit etwa 20 Jahren gibt es dort auch eine metrologische Beobachtungsstation. Nachdem sie noch verschiedene andere Puys besichtigte, wanderten die beiden Lehrer über den Montrognon und die durch Arbenkämpfe berühmte Gergovie ins Massiv des Mont Dôre. Von dessen höchster Spitze, dem Puy de Sancy (1886 m), genossen sie eine wundervolle Aussicht. In diesem Gebiet befinden sich die Seen Lac d’Aidat und Lac de Chambon. Sie entstanden durch vulkanische Vorgänge und werden von einem reichen Sagenkreis umsponnen. Die Auverne und ihre Bewohner erinnern in Wesen und Sprache an die Kelten. Den Abschluss der Wanderung bildete der Besuch der Stadt Buis-les-Baronnies. Sie liegt in einem vulkanischen Zirkus und hat ein ganz eigenes Gepräge.»

Der Bund (5.12.1897) berichtete über Walsers sechstägige Tour durch die französische Cevennen: «Von der Auvergne herkommend, deren alte Vulkane besucht wurden, betrat Walser mit seinem schweizerischen Wandergenossen Dr. Jegerlehner das Gebiet der Cevennen von Villefort her und stieg über die Mont Lozère-Gruppe westwärts zum tiefen und engen Thaleinschnitt des Tarn hinunter. Eine Strecke weit wurde der Canon auf der Strasse verfolgt, dann mit einem Kahn der zwischen den 500 m hohen Wänden zweier Causses (Hochplateaux) sich hindurchzwängende Tarn bis Peirelau befahren. Nach einem Abstecher zu den eigentümlichen Erosionsgebilden von Montpellier-le-vieux, das als eine der merveilles Südfrankreichs gilt, erstieg man den mittleren Causso. Auch der Mont Aygoal erhielt Besuch. Danach wandte man sich wieder den Niederungen zu und gewann über Nîmes die grosse Verkehrsader, die an die Rhone führt. Walser zeigte eine Anzahl photographischer Landschaftsbilder aus den von Touristen noch wenig aufgesuchten, aber viel Interessantes bietenden Cevennen.»
In 14. Reisetagebuch notierte er über den Schluss der Frankreichreise 1897: Nîmes: «Wir erklommen die Wendeltreppe eines Turms. Oben auf der Plattform spürten wir als Erstes den sturmartigen Mistral. Die Landschaft unter uns war von verblüffender Klarheit. Der Mistral ist trocken und reinigt die Luft. Nur über der Stadt lagen seine wehenden Dünste, und über allen Strassen der weiten, blassen und doch bunten Ebene zogen riesige Staubwolken in grosser Eile. Einen schönen Kontrast zur grenzenlos mit dem Himmel zusammenhängenden Ebene bildeten die über und über mit Olivengärten und hellroten Dächern überdeckten Vorberge, an die sich Nîmes lehnt. Und gegen Nordwesten ragte die schön geteilte Mauer der Cevennen von der sich als ein Einsamer der scharfe Inselberg Saint-Loup weit gelöst und in die westliche Ebene vorgewagt hat. Wir durchwanderten den schönen Park Jardin de la Fontaine und kamen an der Statue des Dichters und Bäckers Jean Reboul (1796-1864) vorbei. Schöner als die Statue sind die wuchernden Pflanzenberge, die ihren Hintergrund bilden.

Maison Carée heisst ein gänzlich erhaltenes antikes Säulenhaus mitten in der Stadt. So gross hatte ich mir die einzelnen Säulen nicht vorgestellt. Wie sie da ihre Akanthus-Kapitäle trugen und einen vornehmen Gegensatz zu unseren modernen Wohnhäusern bildeten. Im Inneren ist ein grosser Saal mit antiken Münzen, Bildern, Waffen und Hausgeräten. Zum ersten Mal sah ich schöne römische Glasvasen. Eine davon war zerbrochen und mit Flammenfarben verziert, die noch immer so zauberhaft spielten wie vor 2000 Jahren. Ich sah vieles, doch ich behielt wenig. Das ist immer das Gleiche bei solchen einmaligen Museumsdurchläufen.

Nicht weit davon entfernt steht auf der grossen Esplanade das Amphitheater, das bei weitem grösste Gebäude von Nîmes. Erstmals steht die Übermacht des Altertums über die heutige Zeit leibhaftig vor meinen Augen. Die vergitterten Eingänge sehen düster und kerkerhaft aus. Jetzt ist alles für die Stierkämpfe hergerichtet. Wir treten auf den Balkon, auf dem sonst die hohen Damen und Herren der Stadt Platz nehmen. Es gibt unzählige, teilweise zerfallene Sitzreihen. Nun geht es zur Cathédrale Notre-Dame-et-Saint-Castor. Der Zug bringt uns durch die Ebene nach Tarascon. Die Frauen tragen die Tracht der Provence. Weiter geht es der Rhone entlang. Das herrliche Bild des weissen Schlosses von Tarascon mit seinen zierlichen Zimmern.

Auf der Fahrt nach Marseille war es recht lustig. Krampfhaft steckten wir unsere Touristenbärte zum Fenster hinaus. Es gab endlose Zypressenhecken. Das Mittelmeer schimmerte in einem Blau, das ich bisher noch nie gesehen hatte. Plötzlich bin ich damit beschäftigt, einigen laut schwatzenden Bäuerinnen ihre Körbe ins Abteil zu heben. Die eine war hübsch anzusehen, die andere trug einen Schnurrbart. Während sie ihrer Tochter ein Liedchen vorsang, gackerten die Hühner.
Marseille: «Hier stehen weisse Leuchttürme, Steinbrücken und Festungsmauern. Nachts ging es uns im Hotelzimmer übel. Kaum waren wir eingeschlafen, gingen die Wanzen an ihr blutiges Werk. Am nächsten Tag gingen wir zum Hafen. Ich starrte auf das Labyrinth der Taue und beobachtete die flinken Matrosen, die schon so früh bei der Arbeit waren. Noch heute klingt mir das Lied im Ohr, das von winkenden Männern auf einem Segel aus Neapel gesungen wurde.

Anschliessend gingen wir zur Kirche Notre-Dame de la Garde hinauf. Sie ist prunkvoll gestaltet. Bedeutend sind die Treppen und Umwallungen. Der Turm ist wegen Reparaturarbeiten gesperrt. Ich geniesse eine überwältigende Aussicht. Nach höchstens 100 Metern Aufstieg erblickt man eine ganze Welt. Da ist das Château d’If, der schauerliche Kerker. Durch lange, eingemauerte Wege kamen wir am Schloss Talabot vorbei. Eine Dame sah mich wütend an, als ich mit dem Fuss ihr Kleid streifte, während wir dicht gedrängt sassen. Mit dem Rucksack ging es zum Bahnhof. Aufenthalt in Avignon. Palast der Päpste. Rohne. Ein riesiges Frachtschiff. Danach zurück in die Schweiz.» (14. Tagebuch, 1897, StABE N Walser 2.14)
Eine anspruchsvolle Abkürzung
Ende September 1897 unternahm Hermann Walser mit Professor Rudolf Zeller, dem späteren Präsidenten der GgGB, einen dreitägigen Ausflug zum Gemmenalphorn und Hohgant. «Ich traf mich mit ihm abends
in Guten. Wir unterhielten uns angeregt, während wir den Weg hinauf nach Sigriswil gingen. Zwischen Sigriswil und Wiler übernachteten wir in einem offenen
Heustadel. Durch das offene Tor schauten die glitzernden Sterne der Herbstnacht herein. Am nächsten Tag marschierten wir weiter und steckten in Wiler unsere Köpfe in das herrlich
kalte Brunnenwasser. Nach der Wanderung in der klaren Morgenluft und angeregt von der Schönheit der aufwachenden Farben der Landschaft, der Bäume im Wald und der Felsformationen, tranken
wir im Grön einen kräftigen Sennenkaffee. Zeller wollte sich dem Gemmenalphorn auf einem bisher unbekannten Weg direkt nähern. Wacker begannen wir, den steilen Gras- und
Buschhang zu erklimmen. Die unten im Tal auf einer Wiese ausruhenden Sennen riefen uns zu: ‹Nit dört übere, ihr fallet z'Tod!› (‹Nicht da rüber! Ihr fallt zu Tode!›). Wir verschwanden in den
Büschen und liefen direkt zu einem kleinen, begrasten Couloir, das uns über die ersten drohenden Steilwände hinaufführen sollte. Noch lange waren die Warnrufe zu hören, aber wir blieben ruhig.
Nach einer etwas heiklen Traversierung des Couloirs hielten wir bald nur noch feste, knorrige Tannäste und Wurzeln in den Händen. Es dauerte eine Stunde, bis wir uns an den grünen Ästen
hinaufgezogen hatten, wobei wir vorsichtig allem dürren Holz auswichen. Die verzweifelten Blicke der Sennen folgten uns. Ich nahm diese Extrasteigung als wohlverdiente Strafe ohne Knurren hin.
Dann waren wir auf den oberen Grashängen, von wo aus das Tal nicht mehr zu sehen war. Es ging steil bergauf. Oft blickte man staunend in die dunklen Schattenecken der senkrechten Felswände, die
von weitem so geschlossen erscheinen.
Wir erreichten das Signal vom Gemmenalphorn. Hier oben war alles strahlender Sonnenschein. Wir konnten uns wie Öfen heizen lassen, oder abwechselnd dem Hochgebirge den Rücken kehren und von der dort her scheinende Sonne den Rücken und die verschwitzten Hemden trocknen lassen. Die Aussicht war überaus schön und grossartig. Das Sigriswiler Rothorn erhebt sich ganz in der Nähe wie eine zierliche Felsenburg, dahinter erstreckt sich die Stockhornkette bis zum Le Moléson. Eine öde und wilde Landschaft dehnt sich bis zum Hohgant hin aus.» (14. Tagebuch, 1897, StABE N Walser 2.14)
Im Sommersemester 1898 erhielt Hermann Walser vom Städtischen Gymnasium Bern Urlaub, um seine Kenntnisse durch Studien an den deutschen Hochschulen in Leipzig und Berlin sowie durch Reisen in
Norddeutschland, Schweden und Norwegen zu vertiefen.[26]
Deutschland (1898)
Vor allem die Vorlesungen des grossen deutschen Anthropogeographen Friedrich Ratzel an der Universität in Leipzig beeindruckten ihn.[1] Dann setzte er seine Reise fort. Sein 16. Reisetagebuch betitelte er mit Leipzig, Dresden, Sächsische Schweiz, Berlin. Er packte seinen Rucksack nach Frommann-Ratzels Taschenbuch für Fussreisende: «Ein Paar schwere und leichte Schuhe, Gamaschen aus Segeltuch, Socken, Wollhemden, Unterbeinkleider, farbige Taschentücher, Karte, Kompass, Fernglas, Thermometer, Taschenlaterne, Feuerzeug, Schreibzeug, Papier, Taschenmesser, Visitenkarte, Trinkbecher, Löffel und Gabel, Tagebuch, Reisetagebuch, Geldbörse zum Umhängen an den Hals, Kleider- Zahn-, und Nagelbürste, Zahnpasta, Rasiermesser, Schwamm und Vaseline.» Ausserdem fügte er hinzu: «Badehose, Tabakpfeifchen, Skizzenbuch und Blei- und Farbstifte, Geologische Karten, Kleines Westentaschen-Notizbüchlein, Sprachbüchlein mit leeren Blättern, Fahrpläne.» Käse, Schokolade und Wein dienten ihm als Proviant.

Im Grassi-Museum für Völkerkunde fertigte Hermann Walser Bumerang-Skizzen an. «In Lützschena haben wir keine Zeit, das grosse Gut des Freiherrn Maximilian Speck von Sternburg zu besichtigen, dessen schöne ostasiatische Sammlung im Grassi Museum ausgestellt ist. Wir schlagen uns gleich in die Tieflandwälder durch, die wohl die schönsten von hier bis Horburg sind. Die langen schmalen Wege zwischen den Eichen, Buchen und Linden bieten oft den hübschesten Anblick. Vor Masslau erstreckt sich eine wahre Wildnis aus Sumpf, Wald und Fluss. Zwei grünköpfige Wildenten streichen flügelschlagend und mit gestrecktem Hals hinauf. Viel Rankgewächs schliesst die schmalen Pfade ein. Masslau ist ein im Wald ganz verlorenes, reizendes Dörfchen. Die Häuser mit ihren ummauerten Höfen und den Gärten umschliessen zwei grosse Teiche, sodass sich fast alle im Wasser spiegeln. Ein kleines Paradies für Gänse.

Über den Luppefluss und über schattige Dammwege weiter nach Horburg. Dort steht da schöne Haus des Gemeindevorstehers und ein Kirchturm mit folgender Form: (Zeichnet ihn ab). Dann geht es durch die grosse Waldstrasse. Unaufhörlich krähen Hähne und in den Tümpeln quaken Frösche. In Zöschen möchte der Wirt eine Ansichtskarte von seinem Gasthaus. In den Gewässern gibt es schöne Blumengruppen, in der Schlosskirche eine schöne Grabhalle. Mehrere Paläste flankieren den Hof. Besonders sehenswert sind die einzelne Tore und Erker.
Merseburg ist eine enge Kleinstadt mit niedrigen Häusern und schönen lateinischen Inschriften. Auf dem Markt steht ein gotischer Dom. Der Turm ist prachtvoll schlank gegliedert. Der Gasthof zur Reichskrone ist ein pompöses, brachliegendes Lokal. Das Land von Merseburg bei Halle ist wunderschön. Auf der braunen Flut der Saale hat es viele Kähne. Es gibt schöne Strominseln, weit und breit Wiesen, Hecken und Wälder. In Döllnitz hat es zwei grosse Brauereien.

Halle (Saale): In der Altstadt gibt es viele interessante Sehenswürdigkeiten. Um den Markt herum stehen Paläste und Kirchen. Die Marktkirche Unser Lieben Frauen hat vier Türme. Die beiden vorderen sind mit Kuppeln versehen und durch eine steinerne Brücke dicht unter denselben verbunden. Diese im Himmel hängende Brücke verleiht der Silhouette einen kühnen Charakter. Auf freiem Platz ragt der rote Turm wie ein Schwert in den Himmel. Er ist achteckig, aber zwei Seiten sind viel breiter als die übrigen. Vor einem Haus hängen die Täfelchen der Basler Lebensversicherung. An der Residenz des Erzbischofs von Magdeburg vorbei geht es zum Dom. Die Moritzburg ist ein 1503 erbautes Kastell mit riesigem Graben. Die Inseln wurden zu schönen Anlagen umgewandelt. Vieles hat einen gut bürgerlichen Anstrich. Es gibt ein prachtvolles Villenschloss an der Saale.

Die Tramfahrt führt durch eine lange Vorstadtstrasse nach Giebichenstein. Eine Brücke überspannt einen Graben mit einem verwilderten Garten. Ein Gesindel von Buben hetzt einige Hunde. Eine Fensterscheibe fällt klirrend zu Boden. Durch Eisengitter in einem Baumdickicht sind zerfallene Vormauern zu sehen. Geologischer Ausflug ins Muldental mit Professor Felix und 20 Geografen. Spaziergang durch die Leipzig-Plagwitzer Fabrikvorstadt. Das ist nun wirklich grossartig. Da gibt es ganze Städte, die aus einem einzigen Etablissement bestehen. Strassen führen unter Übergängen durch. Die grösste ist die Fabrik für Ackerbaugeräte und Maschinen von Rudolf Sack (1824-1900). Dann sind da Fabriken für Verzinkerei und Wellblech, Gummiwaren und Baumwollspinnerei. (16.Tagebuch, 1898, StABE N Walser 2.16)

Elb-Dampfer Germania: Am 2. Juni 1998 bereiste er von Schandau (Sächsische Schweiz) mit dem Dampfer Germania die Route Klein
Hennersdorf - Papstsein - Pfaffendorf - Königstein (mit Besuch der Festung). Über Papstein notierte er: «Die Felsen des Papsteins
sind ganz in den Bäumen versteckt. Föhren und Birken.» Dazu fertigte er eine Zeichnung an.
Sachsen: «Rochsburg ist ein etwas düsteres Schloss mit Holzvorbauten auf dem steinernen Dach. In Leipzig fand das
Schützenfest vom *17. Mitteldeutschen Bundesschiessen fand statt. Mit etlichen 100 Vereinen der loyalen Volksgruppen wurde ein riesiger Umzug gemacht. Der alte König Albert war extra hergekommen,
um den Huldigungszug entgegen zu nehmen. Er stand auf dem Balkon eines höchst einfachen Palais gegenüber dem alten Theater. Ein etwas gebückter alter Mann mit einem gutgemeinten Gesicht, das an
ein altes weise gewordenes Kaninchen erinnert. Unaufhörlich Grüsste er den langen Zug.»
*Das Schiessen wurde vom 3.-10.7.1898 abgehalten, um das 25-jährige Regierungsjubiläum und den 70. Geburtstag von König Albert von Sachsen zu
feiern.
Nach einer Fahrt mit dem Dampfer Germania nach Dresden und Ausflügen auf die Festung Königstein, die Burg Hohnstein und nach Pillnitz, reiste Hermann Walser am 26. Juli 1898 mit dem Zug vom Leipzig nach Berlin: «Allmählich verändert sich das Land. Zuerst ist es das Bild der Leipziger Bucht. Dann sieht man die Kornebene mit den Bäumchenzeilen an den Strassen. Zwei Kilometer vor dem Strom ist man im Überschwemmungsgebiet. Die Elbe ist bald überflogen. Nun an Wittenberg vorbei, dessen Türme nur fern über den Bäumen sichtbar sind. Grössere Ortschaften wie Lutterberg und Luckenwalde sind industriell. Baumwolle. Endlich beginnen die Vororte Berlins. In ein Dorf hängen massenhafte Plakate für den Grundstücksverkauf. Dann folgt eine Reihe sogenannter Prachtbauten. Hohe gotisierende Backsteinbauten.»(16.Tagebuch, 1898, StABE N Walser 2.16)

Am 26. Juli 1898 traf Walser in Berlin ein: «Der Anhalter Bahnhof besteht aus gelben und roten Backsteinen. Auf der Königgrätzer Strasse gibt es
eine unendliche Reihe von *Taxametern. Die Bellevuestrasse taucht schön in die Bäume des Tiergartens, und die Wagen rollen leise über das glatte Strassenbett im Helldunkel alter
Rosskastanien. Die Welt ist ein gutes Stück vornehmer, als ich sie sonst irgendwo gesehen habe. Bummel bis zur Neuen Friedrichstrasse. Die Pracht der Kaufläden. Gegenüber dem
Reichstagsgebäude flankieren die Markgrafen. Die Siegessäule ist wunderbar. Auf der Rotonde steht eine hohe, dicke Säule, auf deren Spitze sich eine vergoldete
Germania befindet, die kühn schreitend dargestellt ist. Nun ging es vom Brandenburger Tor durch die Palastreihen der Linden. Das französische Botschaftshotel
gefiel mir am besten.» Obwohl Hermann Walser Oberleutnant war, behielt er seine sentimentale Seite. Im Zeughaus sah er erstmals Mitrailleusen und eine Menge andere
Geschütze. «Die Bilder stellen die Macht der Kanonen zu grell dar.» Da besuchte er doch lieber den Zoologischen Garten, die **Sternwarte der Urania, sowie
die imposanten Bauten und Anlagen, die Berlin so bekannt machten. (16.Tagebuch, 1898, StaBe N Walser 2.16)
*1896 war Berlin die erste Stadt, die ein Taxameter vorschrieb, ** Sternwarte 1889 erbaut, 1945 im Zweiten Weltkrieg zerstört.
«Das Gedicht Vagantenlied im Blatt Der Sozialist beeindruckte mich. Der Vagant, der
die Wanderlust zu weit treibt, weil ihn bloss die warmen Sonnenstrahlen verlocken.»
Hermann Walser, Reisetagebuch Nr. 16, 30.7.1998, StABE N Walser 2.16

«Mann muss in Friedrichshain recht lange suchen, um den Friedhof der Märzgefallenen zu finden. Die Gräber befinden sich vor dem linken Flügel des grossen städtischen Krankenhauses. Da ist ein fester eisenbewehrter Holzzaun, der anscheinend verschlossen ist. Man kann ihn jedoch öffnen und eintreten. Hier befindet sich eine vollendete Wildnis und man riecht den fressenden Rost. Ein Plan ist mit Spuren alter Gärtnerarbeit von Bäumen überwachsen. Die Inschriften sind kaum noch lesbar, bei einigen sogar absichtlich. Eine Eisenplatte ist zerschlagen, sodass man gerade noch ein Stück des Namens erkennt. Auf einer anderen ist etwas von Freiheit und Vaterland zu lesen. In allen vier Ecken stehen Eisenstümpfe, die eine Kugel tragen, aus der Flammen dringen und sich um einen Anker schlingeln. Es sind Arbeiter einer Eisenfabrik. Auf einem der Steine ist ein Ameisenvolk. Die schwarz geflügelten hocken aufeinander. Eine Brut ungeflügelter, rötlicher Ameisen kriecht unbeholfen dazwischen.» (16.Tagebuch, 1898, StaBe N Walser 2.16)

Kulturelle Stadttour mit Bruder Karl Walser
28.7.1898: «Neue Friedrichstrasse 59. Meine Notizen werden hier sehr mager ausfallen. Zwei Divergenzen: Berlin und mein Bruder Karl. Mit ihm zusammen besuchte ich das Ethnographisches Museum, den
Tiergarten und die Nationalgalerie. Karl vertritt den modernen Standpunkt, dass ein Bild *‹weiter nichts sagt.› Ich dachte wieder über das Wesen der Kunst nach.
Unsere Zeit wird durch Gefühle und Ideen bewegt. Diese im Menschen auszulösen, trachtet bewusst oder unbewusst der Künstler. Je unbewusster desto besser. Er muss ein bisschen Freude oder Schmerz
unmittelbar aus dem Bild in den Betrachter fliessen lassen.» Am 1. August 1898 verbrachte Hermann mit Karl in Wannsee, Potsdam und Spandau und hatte wieder einen «ausgiebigen Tag». (16.Tagebuch, 1898, StaBe N Walser 2.16)
*Auf seiner Norwegenreise änderte Hermann seine Auffassung von Kunst und schloss sich Karls Meinung an. Siehe: Über das Wesen der norwegischen
Landschaft

H. W.: «Zunächst haben Karl und ich in Wannsee das Grab des Dichters Heinrich von Kleist gesucht. Es war nicht leicht zu finden und
befindet sich bei der Villa rechts vom Bahndamm. Eine von Akazien und Ahornen umrahmte Lichtung führt zum Ufer einer abgebrannten Seebucht. Im Dunkel der kleinen dichten Bäume, von einem hohen
Gitter umgeben, befindet sich der zweifache Grabstein. Einer steht, der andere lehnt sich daran. Es hat Blumen und frische Kränze. Eine verdeckte Inschrift erzählt von Kampf, Leid und
Unsterblichkeit. Von Henriette Vogel ist nichts zu lesen. Der Waldgrund zeigt eine melancholische Wildnis, durch die kleine Bäche mit Pflanzengewirr durch den Föhrenhang hinunterdringen. Blick
über Wannsee, ein Wasser von seltsamer Färbung. In der Nähe des Ufers gibt es schöne Farbenspiele im Himmelblau. Schlieren wie auf warmem, wunderbar tiefblauem Weiss sind in Bewegung. Weisse
Segel sind in grosser Zahl zu sehen, auch kleine, schmucke Dampfer. In der Ferne sieht man die langen Waldzüge, die den See in fast abenteuerlichen Linien einfassen. Wir spazieren durch den
Föhren- Akazien- und Birkenwald zur Station Pfaueninsel. Von dort aus ging es mit dem Dampfer nach Potsdam.» (16. Tagebuch, 1898,
StABE N Walser 2.16)
«Abends betrachteten Karl und ich die Lichtreflexe auf der öligen, leicht bewegenden Flut der Spree.»
H. Walser. 16.Tagebuch, 1898, StABE N Walser 2.16

Potsdam: «Schlösser. Städtisches. Pedantische Anlagen. Eine verlassene Villenstrasse mit dem 1675 gestifteten Predigerwitwenhaus. Grosses Gitter nach dem Park. Fontänen in der Baumwegperspektive. Ein Bildersaal. Griechische und korinthische Tempelchen. Muschelmosaik an der Terrasse. Auf der Südfront von Sanssouci gibt es Marmor, Rasen, Blumen und Wasserkünste. Das Schloss scheint in der Erde vergraben zu sein. Es gibt eine Windmühle hoch auf einem Turm. Die Rundterrasse wird von hölzernen Streben getragen. Glockenfountaine mit Blumen. Nordische Gärten bei der Orangerie. Ein Paradiesgarten. In der Säulenbalustrade eines Gartenhauses befinden sich Farbenbasen. Die wässerige Parklandschaft erstreckt sich bis zum Neuen Palais. Edelste Bäume: Linden, Eichen und Akazien, kaum Fichten. Das Neue Palais im Louis-Quinze-Stil. Friedrich der Grosse, der Eremit. Über den Mühlenberg geht es zum Pfingstberg. Aussicht vom Belvedere. Wald- und Wasserland. Der Sand auf den Exerzierfeldern. Die Kuppel der Nikolaikirche prägt das Stadtbild. Die Glienicker Brücke. Es geht zurück nach Wannsee. Von dort nach Spandau, meilenweit das alte Föhrenufer.»
Spandau: «Wir gehen zwischen 10 und 12 Uhr in der Vollmondnacht los. Scharfe Lichtsilhouetten über dem See, düstere Plastik im Föhrenwald. Wildenten und Schwäne. Es ist eine ganz einsame Gegend. Landhügel stürzen oft steil zu einem schmalen Strand ab. Im Nordwesten verglüht das Abendrot in feinem Seidengewölk.» Wieder zurück in Berlin erfuhr Hermann am 31. Juli 1898 die Kunde von Otto von Bismarcks (1851-1998) Tod. (16.Tagebuch, 1898, StABE N Walser 2 2.16)
Mitte August 1898 reiste Walser von Berlin zur deutschen Ostseeinsel Rügen: «Gegen Mecklenburg-Vorpommern sieht man Hügelzüge mit Wald und
Wiesenrand, Dörfer sind selten. Der gesamte Grund und Boden ist im Besitz der Imker. Die Höfe sind sehr gross. Die Strohdächer sind vorn und hinten etwas abgeschrägt. Fast tout comme chez nous,
nur sehen die Häuser kahler aus und die Dächer reichen bis Bodennähe. Der Getreidereichtum ist gross. Ebenso viel Vieh.» (17.Tagebuch,
1898 II, StABE N Walser 2.17)
Ein entzückendes Leiden
Auf der Schifffahrt nach Rügen verliebte sich Hermann Walser: «Sie trug eine kurze graue Jacke, einen ebensolchen Rock und einen modischen hellvioletten Hut. Eine emanzipierte Frau, mit der ich
nacheinander alle möglichen Herren der Gesellschaft sprechen sah. Donnerwetter, wie ungezwungen! Und wie frisch sie es auf Deck aushielt! Und wie frisch und kräftig der Strahl war, als Neptun sie
ergriffen hatte. Und wie sie nachher um den alten Meerteufel zu bezwingen, am Arm eines Herren vom Kiel zur Bug schritt, während das grosse Schiff mächtig schlingerte und baumelte.» Entgegen
seinen Gepflogenheiten stand er am nächsten Tag erst spät auf. «Es schlief und träumte sich so schön von Dingen die noch mächtiger zum Herzen reden als alle Landschaften und Wanderfreuden. Es ist
ein freilich entzückendes Leiden. Wie schön alles sein könnte, wenn… ja wenn der Mensch gefunden wäre, mit dem man das Herrliche gemeinsam geniessen könnte.» (17.Tagebuch, 1898 II, StABE N Walser 2.17)
Rügen «…ist ein sanftes, liebliches Land. Wie Samt und Seide verweben sich Felder, Wiesen und Waldstücke. Die Landaufteilung ist wohl noch Hofsystem. In langen Reihen mähen die Schnitter das Korn. Es ist hier Grossbetrieb. Am Strand sprachen zwei Badegäste Baslerisch. Auf Höhen von langgedehnten, grossen Linien sind Windmühlen in grosser Zahl. Ich habe einige gesehen, bei denen sich nur der Kopf mit den Flügeln dreht. Ich sage absichtlich den Kopf, denn man kann diese Mühlen auch mit Riesenmaikäfern vergleichen. Das muss ich Karl schreiben. Er soll das in seiner Exlibrismanier ausführen.

Der Herthasee liegt sehr versteckt. Im Schatten des Ufers funkelt das Licht im Wasser, so als wären lauter grosse Goldfische darin. Die
Herthaburg ist ein Wallanlage von mächtiger Höhe, in der noch ein paar Granitblöcke liegen. Ausflug zum Kap Arkona. (17.Tagebuch, 1898 II, StABE N Walser 2. 2.17) Mit dem Postdampfer *Titania weiter nach Kopenhagen. Ich übernachtete mit zwei Sachsen im
Rauchsalon der 1. Kajüte. Vor Kopenhagen sah ich Leucht- und Wachttürme und zwei russische Kriegsschiffe. Die russische Kaiserinwitwe Dagmar von Dänemark (1847-1928) ist zu Besuch.
Schloss Amalienborg wird von Soldaten bewacht. Beim Ablösen tauschen sie ihre Kopfbedeckungen aus. Schloss Christiansborg ist eine der grössten **Ruinen.»
*Der Dampfer Titania verkehrte zwischen Stettin und Kopenhagen. Es wurde 1900 vom Eis zertrümmert. Die Passagiere konnten sich retten. **Das Schloss fiel 1884 einem
Brand zum Opfer und wurde ab 1907 wieder aufgebaut.
Norwegen (1898)
«Nun bin ich schon den vierten Tag hier und mein Koffer steckt wer weiss wo.»
Hermann Walser, Ålesund, 22.8.1898, 17. Reisetagebuch, StABE N Walser 2.17
Für die GgGB und den Alpenklub der Sektion Bern berichtete er von seiner Norwegenreise vom August 1898. Das Intelligenzblatt für die Stadt Bern (21.11.1898): «Den ersten Aufenthalt machte er in der Landeshauptstadt Christiania. Dann ging es durchs Gudbrandsdal von wo aus er nach Übersteigung von Gebirgspässen nach Aalefond an die Westküste gelangte. Teilweise benutzte er die Eisenbahn, auf den vielen Seen die Dampfboote und auf der Landtrasse ein einsitziges Vehikel namens Kariol. Nur selten traf er Menschen. In den Touristenhäusern ist das Frühaufstehen nicht bekannt. Um 21 Uhr heisst es Lichterlöschen und vor 9 Uhr morgens ist das Frühstück nicht bereit.» Der 17. Jahresbericht der GgGB fügt hinzu: «Walser stellte sich die Aufgabe die landschaftliche Eigenart des Christianiafjords und Jötunheimens wiederzugeben, dessen tiefe, seenerfüllte Felsbecken grossen, alten Karen oft täuschend ähnlich sehen. Er betonte das Hervortreten einer auffallend breiten Zone von Schneeflecken unterhalb der Region des eigentlichen Firns. Ihre Ausbreitung wird durch die plateauförmige Gestalt des Gebirges begünstigt. Dieses Niveau ist für die Ansammlung von Schnee zu tief und für eine völlige Abschmelzung zu hoch. Walser charakterisierte die Verhältnisse, mit denen Touristen in den Anoekumenischen Gebieten am Gjendesee und Galdhöppig rechnen müssen. Der Übergang vom weiten einförmigen Fjeld zur tief eingeschnittenen Region der Fjorde wurde durch die Schilderung der Route Gudbrandsval-Grotlid, Geirangerfjord, Ålesund anschaulich gemacht. Mit einem Blick auf den landschaftlich schönen Schärenhof von Sunnmøre schloss Walser, woraufhin mit dem Projektor eine Reihe norwegischer Bilder vorgeführt wurden.»[9]

Im Schärenhof von Sunnmøre: Walser: «Ja das ist nun eine neue Welt. Die Erde streckt lange Krallen vor und das Wasser wogt dazwischen, als wollte es
den grossen unbeweglichen Vogel zum Flottieren verlocken. Doch der Himmel wölbt sich blau darüber, giesst ein zweites Meer aus Gold, Silber, Blau und Purpur aus und sagt zur Erde: Ruh du nur und
schau, wie meine Wolken segeln. Und da zürnt nun das Meer und wirft draussen bei den äussersten Holmen lange, aufblitzende, niedrige Schäume von reinstem Weiss - noch im Zorn eine neue
Verlockung. Doch nun schmückt sich die Erde mit der aufsteigenden Sonne. Die grünen Rasenränder der hutförmigen Felsinseln werden farbiger und lachend stehen dort die winzigen Häuschen der
Fischer. Bisweilen streckt eine Insel weithin gerundete Klippen mit messerscharfen Linien vor und das sieht wie ungeheure Vogelkrallen aus. Zwischen ihnen und bis an die mächtigeren Berge der
Ferne, wogt still in langer Dünnung und kleinem Wellenschlag die Wasserebene.» (17.Tagebuch, 1898 II, StABE N Walser 2.17)
Über das Wesen der norwegischen Landschaft
«Sikkilsdalen ist eine uralte Landschaft. Alles hat Zeit gehabt, sich zu mässigen. Die Eiszeit war das letzte grosse Ereignis. Auf dem Fjelde steht das Volk der Kiefern. In den
weissen Birkenstämmen ist der Sonnenschein gefangen. Auf den fernen, blauschwarzen Bergen schifft die Flotte der Wolken einher. Die Stille ist so gross wie die ruhige Form der gewaltigen
Landschaft. Man geht und geht, und es ist so wunderbar ruhig. Das ist die ungebrochene, unbeschreibliche Natur, die wirkt. Man denkt an dies und das, etwa über moderne Kunst. Mir wird endlich
klar, was die Modernen wollen, und damit bin ich einer von ihnen. Es ist eine Neuauflage des Rousseauismus. Zurück zur Natur. Die Kunst soll den einfachen Empfindungen entgegenkommen. So verstehe
ich Karl, der sagt, für eine Stimmung brauche es nur ein Weniges, das weiter nichts sagen will. Das Unmittelbare wirkt.» (17.Tagebuch,
1898 II, StABE N Walser 2.17)
Schweiz
Als Hermann Walser 1898 in die Schweiz zurückkehrte, schenkte er dem Städtischen Gymnasium Bern eine Sammlung getrockneter Pflanzen vom norwegischen Fjeld
sowie Felsarten aus Zentralfrankreich, von der Ostsee (Rügen) und aus Skandinavien. In dieser Zeit litt das Gymnasium am Waisenhausplatz unter Platzmangel: Die Primarschule musste ein Zimmer
abgeben, die Oberlehrerwohnung wurde in ein Klassenzimmer umgewandelt und das Singzimmer geopfert. Die Schülerbibliothek kam in den Estrich, der weder über Licht noch über eine Heizung verfügte
und im Winter kaum benutzt wurde. Die Lehrer der Literarschule teilten sich ihre Klassenzimmer mit der Oberprima.[17]
An der Monatsversammlung vom 17. November 1898 hielt er für die GgGB im Hörsaal der Pharmazeutischen Gesellschaft den Vortrag Reise durch das Innere Norwegens. Dieser wurde im 17.
Jahresbericht abgedruckt. Im Februar 1899 wurde Walser zum 13. Vorstandsmitglied der GgGB gewählt und wirkte ab 9. Februar 1900 als Sekretär. Als Oberleutnant war er vom 30. August bis 16.
September 1899 in einem Wiederholungskurs deren Zugführer und zeichnete sich weiterhin durch sein exzellentes Betragen aus. In der Schweizerischen Lehrerzeitung (9.12.1899) berichtete
Walser über die geografische Lehrmittelausstellung am Lehrertag 1899: Während der Ausstellung demonstrierte er den Besuchern anhand von zwei Wandtafelskizzen aus dem Gebiet der Schweizer
Geografie, wie Lehrer den Unterricht zeichnerisch gestalten können.
«Immer mehr werden einem die Alpen heimisch und das Leben in einer Lehmhütte selbstverständlich.»
Hermann Walser, 20. Reisetagebuch, 3.7.1900
1900 wanderte er in Zollbrück, Rämisgummen, Trub (1. Januar), Riedburg, Oberbalm (14. April), Thunersee, Interlaken (15. April), Wynigen (6. Mai), Hämelbachtal, Truebschachen (3. Juni), Schwarzwasserbrücke (30. Juni), Schilthorngruppe (3. bis 6. Juli, mit Zeller), Petinesca (17. Juli), Interlaken, Grindelwald, Männlich (18. und 20. Juli), Ballenhöchst (3. September, mit Jörgensen), Biel, Magglingen, Twannberg (23. September), Herzogenbuchsee, Thörigen (28. September), Aarberg, Niederried, Treiten (2. Oktober) und Sankt Petersinsel (7. Oktober, mit Jörgensen). 1901 war er in Belpberg (5. Mai, mit Fanny), Blasenflue, Konolfingen und Münsingen (26. Mai, mit Fanny und Jörgensen), Eriz, Jutistal, Gunten (28. Mai) und Höhtürli (5. August).[19]
Walsers Geografie-Unterricht am Städtischen Gymnasium Bern, Schuljahr 1900/01:
Progymnasium: Beschreibung Asiens, Afrikas und Amerikas, nach vorhergegangener Einleitung. / Die Schweiz.
Handelsschule: Einleitung in die mathematische und physikalische Geografie Afrika, Asien. / Übersicht über Europa. Spezielle Handelsgeografie der Schweiz, Deutschland,
Grossbritannien, Frankreich und Italien. / Spanien und Portugal, die Balkanhalbinsel, Österreich-Ungarn, Skandinavien die Niederlande, das russische und das türkische Reich in
handelsgeografischer Beziehung. (Geografie und Statistik): Ausgewähltes aus der Statistik der Produktion und Konsumtion, des Verkehrs und Handels und der Bevölkerung, mit besonderer Rücksicht auf
die Schweiz. Repetitionen.
Realschule: Einleitendes über Landkarten, mathematische und physikalische Geografie. Länderkunde der aussereuropäischen Erdteile ohne
Asien. / Länderkunde von Asien und Europa. / Die Schweiz. / Physikalische Geografie (II Teil) und Einführung in die Völkerkunde.
Literarschule: Länderkunde der aussereuropäischen Erdteile. / Länderkunde von Europa. / Die Schweiz. Einleitung in die Völkerkunde. Mathematische Geografie. Lehre von der Atmosphäre.
[54]
«Wer ein Land als Heimat kennen will, der sucht es dort auf, wo die menschlichen Werke, und zwar die
lebendigen, nicht die abgestorbenen, am meisten den Charakter der Ursprünglichkeit bewahrt haben.»
Hermann Walser, Neujahrsblatt der Litterarischen Gesellschaft Bern 1901, Bern 1900, S. 3

Von Dörfern und Einzelhöfen
André Zinggeler: «Im Auftrag der Litterarischen Gesellschaft Bern verfasste Walser für das Neujahrsblatt 1901 unter dem Titel Dörfer und Einzelhöfe, einen Beitrag über die
Siedlungsverhältnisse des Kantons Bern. Zur Vorbereitung machte er sich ungewöhnlich viele Notizen und wanderte zwischen Jura und den Alpen des Kantons Bern von Dorf zu Dorf. Walser wollte über
die Beziehungskette Ortsnamen - Sprache - Abstammung - Siedlungsgewohnheiten die Geschichte der Besiedlung des Mittellandes rekonstruieren und so das heutige Siedlungsgebiet erklären. Er
studierte Besitzverhältnisse- und wechsel.»[19] Walser: «Einige Pfarrhöfe und Kirchen von heute stehen auf den Fundamenten römischer Villen
(Niederbipp, Herzogenbuchsee, Täuffelen, Muri und Bümpliz). In Sinneringen nimmt ein Schlossgut ebenfalls römischen
Baugrund ein.» Walser hatte schon damals die richtige Auffassung, das Biel nicht römischen Ursprungs ist.
Zinggeler: «Er fand eine Urkunde besonders interessant, in der Heinrich IV. eine Schenkung bestätigt, die dem Kloster Rüeggisberg der nemus adhuc viride (jungfräulicher Wald) zum Zweck der Kolonialisierung übertrug. Walser untersuchte auch, ob er anhand der Gestalt der Einwohner Rückschlüsse auf deren Herkunft ableiten konnte.»[19]
Walser begann mit dem Seeland: «Dieses Land ist in seiner Gesamtheit das niedrigste Gebiet des Mittellands. Über die Hälfte seiner Fläche liegt nicht höher als 450 ü. Meer. Zwischen dem Jura und dem Molaserücken Schaltenrain-Jensberg eingebettet liegt der Bielersee, dessen trübblaue Flut nicht allein zwei geologisch und physikalisch verschiedene Ufer trennt, sondern auch zwei Kulturzonen auseinander hält. In der Landschaft entsteht das seltene Bild einer sinnlich wahrnehmbaren Kulturgrenze. Der Blick von der St. Petersinsel aus umfasst das liebliche, weite Wassertal. Auf dem Weinbergsaum des Nordufers sieht man altertümliche Dörfchen vorherrschen, die sich mit ihren um enge Gassen gescharten, zusammengebauten, hohen und schmalen Steinhäusern wie winzige Städtchen ausnehmen. Man sieht ab und zu grössere, stets ummauerte Höfe. Von den alten Türmen Le Landerons, wo die im Mittelalter durch Schenkung aufgeteilte Stadt Nugerol stand, bis nach Biel, haben die Siedlungen den Charakter westschweizerischer Winzerdörfer. Nirgends ein äusserliches Kennzeichen, dass da drüben zwischen Ligerz und Neuveville seit alters die Sprachgrenze ist. Die deutschen Orte von Biel bis Ligerz sehen genau so burgundisch-romanisch aus, wie die welschen von Ligerz an. Ganz anders das Bild auf der Südseite des Sees. Unter dem wald- und wiesenreichen Molassenrücken findet man die in Obstbäumen halb versteckten Firste bernischer Bauernhäuser mit der Breitseite zum See sich hinwendend. Es kommen keine Gassendörfer mehr vor. Zu jedem Haus gehört die Hofstatt. Haus und Hof und First können hier Synonyme sein, weil zu jedem Haus nach eine kleine Hausflur rings herum, sowie ein nach allen vier Seite abfallendes Dach gehört. Nur ein paar wenige kleine Dörfer zeigen sich an dem langen Ufer, vor welchem sich einst vom Nidausteinberg bis nach Vinelz acht Pfahlbaudörfer erhoben. Die Pfahlbaustätten stehen in der Mehrzahl in keiner Beziehung zur Lage der jetzigen Dörfer.»
Walser über das Dorf Ins. «In der im 13. Jahrhundert entstandenen Erzählung von der Ermordung des Bischofs David zu Ins im Jahre 851 wird als Ort der Tat ausdrücklich ein grosser Stein genannt, der im Dorf neben dem Bach liegt. Auf diesem sei noch viele Jahre hindurch das Blut erschienen. Noch heute liegt ein eisenrot verwitterter Walliserschiefer, abgehauen, wie ein Denkstein ohne Schrift, mitten im Dorf am Strassenbord, nahe dem Haus des Malers Anker. In Ins gilt er wohl kaum als das, was er aller Wahrscheinlichkeit nach ist: der älteste Zeuge der Vergangenheit des Ortes. Die irrtümliche Interpretation des betreffenden Aktenstücks in den Fontes ist nur eines von zahlreichen Beispielen, durch die eine Revision der bernischen Urkundensammlung erforderlich machen.»

Zum Plateau des Frienisbergs: «Hier herrscht eine eigentümliche Mischung verschiedener Siedlungsformen. Vom vereinzelten Hof und Heimwesen bis zu
Dörfern mittlerer Grösse sind alle Zwischenstufen vertreten. Am häufigsten sind kleine Dörfchen mit durchschnittlich zehn gescharrten Bauerngütern. Wir wollen sie als Weiler bezeichnen, denn die
von den keltoromanischen Siedlungen entlehnte Namensform ‹Wyl› als Endung der Ortsnamen ist auffallend häufig: Grächwyl, Bütschwyl, Winterswyl,
Allenwyl, Wyler im Sand, Baggwyl, Ruchwyl, Dampfwyl, Landerswyl, Frieswyl, Illiswyl,
Möriswyl usw.»
Der Bund (29.1.1901): «Hermann Walsers Schrift, die wir am winterlichen Kaminfeuer durchblättern, wird zum Zaubermantel. Er trägt uns aus der stillen Zelle hinaus über die sommerlich
prangenden Felder unseres lieben Bernerlandes, über Wälder und Bäche, Schluchten und Bergkämme hinweg. Die Erinnerungen unserer schönsten Wandertage werden wach und kaum erstanden, erzeugen sie
neue Reisepläne im Herzen. So verlockend und drängend, als stünde der Mai vor der Tür.» Das Berner Schulblatt (9.2.1901): «Mit Interesse folgt man dem Verfasser auf seinen Wanderungen
von Dorf zu Dorf, von Hof zu Hof. Die gründliche Arbeit, die sich in der Hauptsache über die Besiedlungsverhältnisse der genannten Gebiete verbreitet, bietet zugleich wertvolle Beiträge zur
Geschichte und Geografie des Kantons Bern.» Ein Exemplar dieses Werks befindet sich im Staatsarchiv Bern und ist von Fanny Walser signiert worden mit den Worten «Aus dem Nachlass meines Bruders
Professor Hermann Walser.» (StABE, N Walser 3 5.10)
Wissenschaftlichen Abhandlungen mit Bezug zu Walser’s Dörfer und Einzelhöfe (Auswahl):
1905: Untersuchungen über die Entwicklung der wirtschaftlichen Kultur und die Güterverteilung im Kanton Bern
Mitteilungen des Bernischen Statistischen Büros, S. 26
1907: Bern im XIII und XIV. Jahrhundert, S. 20
Funde und Urkunden aus dem Gebiet der Herrschaft Grasburg bis zum Ausgang der zähringischen Zeit
Archiv des Historischen Vereins des Kantons Bern, Bd. 18 1905-07, S. 19-21
1909: Volksdichte und Besiedlung des bernischen Mittellands
Jahresbericht der Geogr. Gesellschaft von Bern 1906-07, S. 129-130
1911: Die Natur und Kultur des Emmentals
Jahresbericht der Geogr. Gesellschaft von Bern 1908-10, S. 50, 68, 69, 72
Landschafts- und Siedlungsgeographie des Tösstales
Jahresbericht der Geographisch-Ethnographischen Gesellschaft in Zürich 1910/11, S. 63
1912: Jahresbericht der Geographisch-Ethnologischen Gesellschaft Zürich 1911/12, S. 119
1913: Die Landschaften des bernischen Mittellands: eine geographische Studie
Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Bern 1912, S. 240, 253, 254, 261, 266, 271, 272
1915::Die Siedlungs-Verhältnisse beider Appenzell
Jahresbericht der Geographischen-Ethnographischen Gesellschaft in Zürich 1913-14, S. 119
1917: Die Hypothekarverschuldungen im Kanton Bern, S. 488-493
1919: Morphologische Untersuchungen am Napf
Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern, 1913-18, S.71
1923: Die Volksdichte des Kantons Bern
Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern 1919-22, S. 130
1924: Die Klostermühle Fraubrunnen
Blätter für bernische Geschichte, Kunst und Altertumskunde (Juli), S. 176-177
1925: Siedlungsgrundriss-Formen und ihre Generalisierung im Kartenbilde
Mitteilungen der Geographisch-Ethnologischen Gesellschaft Zürich 1923-24, S. 32, 35, 36, 39
Eine Güterzusammenlegung
Der Bund (29. Juli), S. 5
1931: Wirtschafts- und Rechtsgeschichte des bäuerlichen Grundbesitzes im Kanton Bern
Mitteilungen des Statistischen Büros des Kantons Bern, S. 11
1939: Vom Klima des Amtes Schwarzenburg
Der Schweizer Geograph (März) S. 19-20
Ortsnamen, Siedlungsgrenzen, Volkstum in der deutschen Schweiz
Schweizerisches Archiv für Volkskunde 1939-40, S. 213-214
1945: Die Marktverhältnisse der Stadt Bern, S. 15, 89,
1948: Die bäuerliche Siedlungs- und Hauslandschaft im Kanton Zürich
Schweizerische Lehrerzeitung (2.10.), S. 836
1962: Über Begriff und Begrenzen der Landschaft Oberaargau
Jahrbuch des Oberaargaus, Bd. 5, S.18, 24, 34
Die Brünig-Nafp-Reuss-Linie als Kulturgrenze zwischen Ost- und Westschweiz auf volkskundlichen Karten
Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Nr. 4, S. 205
1982: Dörfer und Höfe: Beitrag zur Siedlungsgeografie des Oberaagaus
Jahrbuch des Oberaargaus, Bd. 25, S.17, 22
Am 9. Januar 1902 besuchte Walser Grindelwald. Am 24. Juni 1902 erfolgte mit den Teilnehmern Streun, Steiner und Fischer der Gruppenausflug zum Oberaargletscher.[19]

Einträge im Schweizerische Geographische Lexikon
Von 1902 bis 1906 erschienen bei den Gebrüder Attinger in Neuchâtel die sechs Bände des Geographischen Lexikon der Schweiz. Den Verlegern standen wissenschaftliche Mitarbeiter aus allen
Kantonen zur Seite. Hermann Walser verfasste die Einträge «Bielersee» und «Bern» (Kanton, Bezirk und Stadt). Fanny Walser schenkte dem Staatsarchiv Bern einen Sonderabdruck mit dem Titel Dr.
H. Walser - Der Bielersee. Der Bielersee und seine Umgebung wurde von Walser unter den neuesten wissenschaftlichen Gesichtspunkten beschrieben: Wasserstandschwankungen
(entstanden durch eine Zusammenarbeit mit dem eidgenössischen, hydrometrischen Büro), physikalische Verhältnisse, Flüsse, Flora, Fauna und natürlich die Pfahlbauten, denn «die Ufer des Bielersee
gehören zu den berühmtesten Pfahlbaufundstätten, die es gibt». Eine Bielerseekarte weist auf Wald, Weinbau und Pfahlbauten hin. Geschichtlich erwähnt Walser, dass der Bielersee «im Mittelalter
meist Nidausee genannt wurde. Noch früher, in den ersten Zeiten urkundlicher Geschichte (9. Jahrhundert), gab das längst verschwundenes Städtchen Nugerol dem See seinen Namen. Der See hat einen
ausgesprochen idyllischen Charakter. An Lesesonntagen wandern Ströme von Einheimischen zu seinem Nordufer. Seit Rousseaus Aufenthalt auf der Sankt Petersinsel, haftet diesem Ort
etwas Verehrungswürdiges und Feierliches an, das jeder spüren kann.»(StABE, N Walser 3 5.9) Der Geologe Dr. Leo Wehrli in der Neuen
Zürcher Zeitung (18.3.1902): «Die 22 Lexikonseiten über den Kanton Bern sind vorzüglich. Ein besonderer Artikel von Dr. Walser ist der Stadt Bern und ihrer reichen
Burgergemeinde gewidmet. Wie in Basel, so herrscht auch in Bern das weibliche Geschlecht vor: Auf 1000 Männer kommen 1175 Frauen.»
Die Schweiz: ein Begleitwort zur eidgenössischen Schulwandkarte
Foto links: Offizielle Schulwandkarte der Schweiz, bestehend aus 4 Blätter je 60 x 92,5 cm. L. 1:200000. Reliefbearbeitung von Hermann Kümmerly, hergestellt vom Eidgenössischen topographischen Büro. V: Kümmerly & Frey, Bern, 1901. Sammlung Schweiz. Nationalbibliothek Bern, Sign. 01 G 2341
Mit der von Hermann Kümmerly gestalteten Schulwandkarte der Schweiz schuf die Bundesbehörde für die Schulen ein Fundament für die Geografie. Diese Karte ergänzte Hermann Walser 1902 mit Die Schweiz: ein Begleitwort zur eidgenössischen Schulwandkarte. Über den damaligen Geografieunterricht schrieb das Bieler Tagblatt: «Die Wissenschaft der Geografie wurde an den meisten Schulen als eine Art Gedächtnisgymnastik gelehrt. Wer am meisten Städte, Flüsse und Meerengen auswendig kannte und mit dem Lineal auf der Karte an den rechten Fleck zu fahren vermochte, war ein perfekter Geograf. Mittlerweilen beantwortete die Geografie ausser dem ‹Wo› auch die Frage nach dem ‹Wie›. Die Geografen machen die neue Auffassung auch weiten Kreisen der Laien verständlich, um so den Sinn für die Wissenschaft der Geografie zu vertiefen. Diese Pforten zu öffnen ist Hermann Walser mit seinem prächtigen Geleitwort zu der schweizerischen Schulwandkarte geglückt.»[59]

Auf Anregung von Major L. Held, dem Leiter des Eidgenössischen Topographischen Büros, schrieb Walser dieses 116 Seiten starke Begleitwort speziell für die Lehrer des Heimatkunde- und Geografieunterrichts. Die Schrift umfasst neun Abschnitte: 1. Lage und Grösse der Schweiz. 2. Bodengestalt. 3. Das Klima und seine Wirkungen. 4. Die Gletscher. 5. Die Flüsse. 6. Die Seen. 7. Volk, Staat und Grenze. 8. Die Eisenbahnen. 9. Die Siedlungen. Alles auf dem neuesten Stand der Wissenschaft.
Walser schreibt über den Jura: «Wie die Alpen, sind alle Kettengebirge der Erde, der Apennin, die Karpaten, die Pyrenäen, der Ural, der Kaukasus, der Himalaya, die Kordilleren usw. gefaltet. Aber in keinem einzigen Gebirge tritt die Faltung so klar und einfach hervor wie im Jura.» Von nun an diente das Buch als Ergänzung zur neuen Schulwanderkarte und wurde an alle Schulen des Landes verteilt. Vier Wochen nach dem Erscheinen, musste eine neue Auflage gedruckt werden. Josef Viktor Widmann, Feuilletonredaktor vom Bund lobte im Sonntagsblatt (22.6.1922): «Hätten wir doch in unserer Schulzeit ein solches Lehrmittel für den Geografieunterricht besessen! Das kleine Buch gibt in anregender Form die Gesamtheit alles Wissenswerten über die physisch geografischen Verhältnisse der Schweiz. Es ist auch in sprachlicher Beziehung ein kleines Meisterwerk.»

Das Berner Schulblatt (12.7.1902): «Überall hat man das Gefühl, einem Autor zu folgen, der auf der Höhe der modernen, geografischen Wissenschaft steht. Der aus eigener Anschauung schildert und charakterisiert und ein Deutsch von ungewöhnlicher Schönheit und Anschaulichkeit schreibt.» Die NZZ (23.7.1902): «Dies ist eine echte Geografie der Schweiz, welche es zum erstmals verstanden hat, in kurzen Zügen den logischen Zusammenhang und die Wechselwirkung der physischen Verhältnisse untereinander und zum Menschen darzustellen.» Walsers «Fibel» war auch für das Militär von Bedeutung. Oberst F. Becker in der Allgemeinen schweizerischen Militärzeitung (18.10.1902): «Man möchte sie jedem Bürger und Wehrmann, vom Obersten bis zum Rekruten herunter, in die Hand drücken. Wir erkennen sie als Grundlage für einen rationalen Unterricht in der Militärgeografie als notwendig an.» Walsers Begleitwort wurde 1911 von Emilio Bontà (1882-1953), Professor der Geschichtsgeografie an den Scuole Normali des Kantons Tessin, ins Italienische übersetzt und in Locarno gedruckt. Dadurch fand seine Schrift Einzug in die Tessiner Schulen.
Der Geologe Charles Biermann (1875-1961) sorgte 1909 für die französische Übersetzung. Das Organ der Société Pédagogique de la Suisse Romande lobte: «Die sorgfältigen Untersuchungen von Dr. Walser wurden von Dr. Biermann, Professor am Kantonsgymnasium und an den Waadtländer Lehrerbildungsstätten, gut übersetzt. Geografie ist nicht mehr nur eine einfache Auflistung von Bergen, Seen, Städten usw., sondern versucht, die Ursachen und Folgen von Phänomenen zu erklären, sie zu klassifizieren und zu gruppieren, um daraus faktenbasierte Gesetze abzuleiten. Unser Unterricht muss diese Fakten berücksichtigen und sie möglichst aus der eingehenden Betrachtung der Karte ableiten. Die Lage eines Tals oder Ortes gibt Aufschluss über sein Klima, seine Produktion, seine Industrie, seinen Handel und den Zustrom von Ausländern. Eine bestimmte Konfiguration erklärt die Hydrographie einer Region sowie ihre wirtschaftliche und historische Bedeutung. Die präzisen und vielfältigen Details sowie die interessanten Kapitel des kleinen Bands haben es uns ermöglicht, unseren Unterricht lebendiger, intuitiver und damit gewinnbringender zu gestalten. Walsers Begleitwort unterscheidet sich grundlegend von herkömmlichen Lehrbüchern und ist eine unverzichtbare Ergänzung für Lehrkräfte.»[48]
Mitarbeiter der Zeitschrift Deutsche Erde
1902 erschien der 1. Jahrgang von Deutsche Erde - Zeitschrift für Deutschkunde, in der Hermann Walser als Mitarbeiter aufgeführt wurde. Unter der Rubrik «Berichte über neuere Arbeiten
zur Deutschkunde» gab er für die Zeitschrift mehrere Rezensionen:
- Bd. 1 (1902), S. 156: F. G. Stebler: Ob den Heidenreben. Zürich, Aschmann und Scheller 1901, 112
S.
- Bd. 1 (1902), S. 156: Dr. Heinrich Dübi: Saas-Fee und Umgebung. Bern, A. Francke, 1902, 156 S.
- Bd. 6 (1907), S. 28: Dr. E. Branger: Rechtsgeschichte der freien Walser in der Ostschweiz. Bern,
Stämpfli und Co., 1905, 177 S.
Am 29. September 1902 unternahm Hermann zusammen mit Lisa eine Westschweizerreise.[19]

Die Dreitägige Schulreise des Städtischen Gymnasiums Bern
1903 unternahm Hermann Walser zusammen mit Geografielehrer Leutnant Hermann Blaser (1873-1922), neun Schülern der III. Literarklasse sowie drei Schülern der III.
Realklasse die traditionell kleine Schulreise.
1. Tag: Bern-Luzern-Sarnen. Wagenfahrt nach Flühli-Ranft. Marsch durch das Melchtal nach der Frutt.
2. Tag: Abstieg zur Engstlenalp und Marsch durch das Gental bis Im Hof. Aufstieg nach Rosenlaui.
3. Tag: Besuch der Weissbachschlucht. Über die grosse Scheidegg nach Grindelwald. [54]

Am 31. März 1904 wurde Hermann Walser als Lehrer des Städtischen Gymnasiums Bern wiedergewählt.
Am 11. April 1904 besuchte er das Napfbergland im Emmental. Walser: «Von Wolhusen aus ging es mit dem Zug ins schöne und
heimelige Emmental, wo es wundervolles Wetter gibt. Auffallend sind die vielen Vogelstimmen. In Trubschachen Wurstessen im *Gasthof Bären. Dann stapfe ich in den
langen Fankhausgraben hinein. Alle Leute auf dem Weg grüssen mich. Ein ganzer Wagenzug fährt vorbei. Die Bauern aus den Hüttengraben, machen wohl eine Holzausfuhr. Der Hauptbach
ist noch trüb von der Schneeschmelze. Terrassen von sechs bis zehn Meter Höhe begleiten den Weg meistens auf der Westseite. Hier gibt es lauter Schotter, kein Fels. Nur ganz nahe am Fluss sind
winzige Felsterrassen. Plötzlich steigt dicker Rauch eines Trockenfeuers auf, wie bei einem Indianerfeuer. Man kommt über Schnee, von dem die Sonne glühend wiederstrahlt, währen im Schatten
daneben das Schneewasser gefriert. Ich bin wieder einmal allein mit dem blauen Himmel und dem grossen Kranz weisser Berge. Vom obersten Hof Steckelberg (1380 m) aus ging es
weiter nach Menzberg. Eggen von ungleicher Höhe. Es hat viele, wie mit dem Lienal gezogene Plateauflächen. Ich muss mich vom einfachen und anschaulichen Terrassenbegriff an den
orographisch verwickelten genetischen Begriff durchhelfen. Menzberg hat ein sauberes Kurhaus. Unten in den Tälern befinden sich Sägemühlen, Getäfelfabriken und
Holzkohlenexporteure.» (22. Reisenotizenbuch, StABE N Walser 2.22)
*Der älteste Gasthof Bären der Schweiz.
Am 13. April 1904 reiste er von Ruswil nach Sempach um sich mit Siedlungsgeografie zu beschäftigen. Waler: «Das ist das Land der echten Luzerner Bauernhöfe, wie sie in der Krämerschen Festschrift geschildert sind. Jeder Hof besteht aus einer kleinen Gruppe von ein bis zwei Wohnhäusern im getäferten Luzerner Stil.» Walser studierte die Häuser genau, obwohl es «überall Hunde gibt, die gefährlich dastehen, aber selten bellen». Dennoch fand er «Nachts möchte ich da nicht überall vorbeigehen. Am unteren Ende vom Sempachersee stehen die ersten Stockhäuser, bisweilen mit einer offenen Schmalfront, meist sind sie aber ganz ins vierseitige steile Dach gehüllt. In Dagmarsellen sind dreigeschossige Häuser die Regel.» In Sempach sah er sich das Schlachtdenkmal und die Kapelle an. «Sie ist voller alter, sauber renovierten Wandbilder, erobertem Banner und den Namen der Gefallenen. Das Schlachtgemälde zeigt einen guten Hintergrund.» In Sursee widmete er sich den historischen Häusern. Am 29. Mai 1904 besuchte er Konolfingen, Hünigen und Ringgis. Dort wurde er von einem jungen Mann begleitet, der ihm von Felsen mit dem Namen Nageldach erzählte, in denen Füchse leben. Ein Eulennest fehlte auch nicht. (22. Reisenotizenbuch, StABE N Walser 2.22)

Vom 10. bis 11. Juli 1904 unternahm Hermann Walser zusammen mit seinen Schwestern Lisa und Fanny sowie zwei weiteren Damen die Tour Weissenstein-Raimeux. Er notierte: «Der erste Strahl der Sonne trifft uns am unteren Saum des Romontberges. Wir traversieren am Gehänge, das den unteren Bürenberg einfasst. Vom Hintergrund des Bürenbergs gehen wir durch eine etwas gewundene von Baum- und Strauchwerk erfüllte Runse aufwärts. Die Grenchenweide ist eine schwebende Gewölbepartie, von der der Südschenkel durch Einsturz und Abwitterung entfernt wurde. Wir machen Halt am höchsten Punkt. Um keine ein bis zwei Stunden hinzuzufügen, lassen wir beim Althäuslein die Hasenmatte, eine der imposantesten Felsgestalten des Jura, bei Seite. Bis Stallberg ist der Kamm gratartig, bisweilen mit Türmen, aber immer bewaldet. Stallberg ist breit und unbewachsen. Die Hochcombe setzt sich bis zur Röthi fort. Dort bricht die südliche Kante plötzlich gegen Osten zur Tiefe ab, um dem Balmkessel Platz zu machen. Auf dem Weissenstein ist man bei Konrad Jili sehr gut aufgehoben.

Am nächsten Morgen geht es nach Gänsbrunnen, wo Pfarrhaus, Kirche, Wirtshaus und Mühle sehr malerisch gruppiert sind. Am Eingang des Weissensteintunnels sind Arbeiter beschäftigt. Sie sind an der Südseite 500 Meter vorgerückt. Der Mont Raimeux ist eine weite Welt aus Weiden, Wiesen, Büschen und Buchenwäldern. In einem gemischten Wald mit Adlerfarn und grossen, schönen Erdbeeren war unser Mittagshalt. Weiter geht es zum Bergdörfchen Raimeux mit seinen Zierbrunnen. Prachtvoller Blick auf die grosse Delsberger Mulde. Besonders der östlichen Absenkung durch die umbiegenden und sich zusammenschliessenden Ketten ist sehr klar, ebenso der ebene tertiäre Boden von Delsberg. Wir steigen steil hinab zu einen einsamen Haus, das von einem Solothurner bewohnt wird, und gelangen nach Rebeuvelier.» (22. Reisenotizenbuch, StABE N Walser 2.22)
«Meine Füsse schmerzen, meine Strümpfe sind zu dünn und es sind Nagelspitzen in meinen Sohlen.»
Hermann Walser, 22.7.1904, 22. Reisenotizenbuch, StABE N Walser 2.22

Am 22. Juli 1904 organisierten Walser, Zeller und Brückner mit 25 Studentinnen und Studenten eine geografische Exkursion ins Hochgebirge. Ziel war es, die Unterschiede von Gletscher- und Flusserosion sowie die mechanische Verwitterung und ihre formgestaltenden Wirkungen auf Urgebirge und Kalksteine kennenzulernen. Die Route führte von Meiringen über den berühmten Kirchet, durch das Gadmental hinauf und gipfelte in der Besteigung des Sustenhorns. Der Abstieg erfolgte von der Göschenenalp zum Kehlegletscher, dann über die Alpligenlücke zur Furka über den Rhonegletscher zum Nägelisgrütli und zur Grimsel. Zum Schluss brachte eine fröhliche Fahrt die Reisenden von der Handeck zur Aareschlucht und zum letzten Zug, der sie nach Bern zurückführte. Am 1. und 2. Oktober 1904 wanderte Walser durch das Val de Ruz nach La Chaux-de-Fonds.[19] Am 21. August 1904 machte er mit Fanny die Route Toffen - Riggisberg - Rütti - Gurnigelwald - Wattenwyl - Geistsee - Gurzelen - Uttigen. Am 18. September 1904 reiste er um den Bielersee. (22. Reisenotizenbuch, StABE N Walser 2.22)

Am Ostermontag 24. September 1904 weilte Walser mit Fanny in Basel. «Die Rheinquais entwickeln sich. Es fehlt bald nur noch das Stück auf der Altbaslerseite von der Wettsteinbrücke abwärts. Von der neuen Überführung des Birsigtales beim Bahnhof hat man einen wundervollen Blick zur Stadt und über sie hinweg. Die erkundete Elisabethenkirche erinnert trotz der geringen Länge ihres Schiffes sehr ans Berner Münster.»
Vom 1. bis 2. Oktober 1904 war er im Val de Ruz und in La Chaux-de-Fonds. Die Doubsschlucht, die er in vier verschiedenen Schluchttypen zeichnete, fand Walser «ein höchst interessanter Ort. Sie macht plötzlich eine Wendung und man geht durch eine steil aufgerichtete Kulisse. Der Saut geht über eine steile Schicht die den Fluss in ein tiefes Loch von 50 oder 70 Metern einegt. Es folgt eine glazial geschliffene Talerweiterung. Das Bachbett ist trocken, dann kommt auf einmal das Wasser. Am Col des Roches befindet sich ein künstlicher Wasserstau mit Ablauf für das Elektrizitätswerk. Unten am Doubs gibt es Uhrengewerbe. In La Chaux-de-Fonds gibt es feine Horlogerie und Bijouterie. Hier lebt man gut und kleidet sich à la Mode. Im Winter gastieren Pariser Schauspieler. Die Rue Leopold Robert ist wahrhaft gross.» (22. Reisenotizenbuch, StABE N Walser 2.22) Am 31. Dezember 1904 wurde Oberleutnant Walser in die Landwehr versetzt, wo er die 2. Kompanie des 10. Schweizerischen Schützen-Bataillon befehligte. (StABE: N Walser 3.1.-3.4)
Eigenes Zimmer für den Geografieunterricht
1905 richtete Walser im dritten Stock des Westflügels des Gymnasiums ein Geografiezimmer ein.[55] Dabei leistete ihm ein Projektor wertvolle Dienste. Der
Apparat konnte allerdings nur selten benutzt werden, da die Diapositivsammlung ziemlich bescheiden war. So schenkte Walser der Schule zwölf Diapositive zur physikalischen Geografie, sowie
folgende Publikationen: Sievers Europa, Sievers Australien und Krummel & Eckerts Geographisches Praktikum. Einige Schüler schenkten ebenfalls eine Reihe
geografischer Lichtbilder. [51]
Walsers Geografieunterricht am Städtischen Gymnasium Bern, Schuljahr 1904/05:
Progymnasium: Beschreibung Asiens, Afrika und Amerika, nach vorhergegangener Einführung in die Geografie. / Die Schweiz.
Handelsschule: Einleitung in die mathematische und physikalische Geografie (Australien, Amerika, Afrika). / Übersicht über Europa. Spezielle Handelsgeografie der Schweiz, Deutschland,
Frankreich und Italien. / Italien, Grossbritannien und Irland, Spanien und Portugal, die Balkanhalbinsel, Österreich-Ungarn, Skandinavien, Russland und die Niederlande in handelsgeografischer
Beziehung. (Geografie und Statistik:) China, Japan, die Union und übrigen Staaten Amerikas. Vergleichende Handelsgeografie: Bevölkerung, Produktion, Verkehr, Handel.
Repetitionen.
Realschule: Einleitendes über Landkarten, mathematische und physikalische Geografie. Länderkunde der aussereuropäischen Erdteile ohne
Asien. / Länderkunde von Asien, Süd- und Westeuropa. / Mittel- und Osteuropa. / Physikalische Geografie.
Literarschule: Elemente der mathematischen Geografie. Länderkunde der aussereuropäischen Erdteile (Australien, Ozeanien, Amerika, Afrika). / Länderkunde von Asien Süd-, West- und
Nordeuropa. / Mittel-, Ost- und Nordeuropa. Mathematische und physikalische Geografie mit Repetitionen. [24]
Präsident der Geographischen Gesellschaft Bern von 1905 bis 1906
Ende 1904 zog der langjährige Präsident der GgGB, Dr. Eduard Brückner, nach Halle an der Saale. Zu seinem Nachfolger wurde Hermann Walser gewählt, der die Gesellschaft ab 1905 leitete. Im
Jahresbericht erwähnt er: «Mit besonderer Aufmerksamkeit widmeten wir uns der Aufgabe, eine langjährige Ehrenschuld des Verbandes abzutragen, die darin bestand, der Sache des
Geografischen Handbuchs der Schweiz endlich zum Sieg zu verhelfen. Wir berieten in einer Reihe von Komiteesitzungen die inhaltliche, technische und finanzielle Seite des von Professor Dr. Früh zu
schaffenden Werkes. Um eine eidgenössische Subvention zu erhalten, setzten wir uns mit der hohen Bundesbehörde in Verbindung. Leider fiel die Antwort abschlägig aus. Doch die Begründung, die das
Departement des Innern der Ablehnung beigefügt hat, lässt uns hoffen, dass wir in kurzer Zeit eine Lösung finden werden.»[10] 1906 trat er als Präsident der
GgGB zurück, da er eine längere Reise ins Ausland plante.
Walser war ständiger Referent für die Schweiz im Literaturbericht von Petermanns Mitteilungen und am Geographischen
Jahrbuch.[1]
1905 schrieb er für den 31. Schweizer Reiseführer von Baedecker einen zehnseitigen Überblick zur Geografie der Schweiz. im Juli 1905 hielt er sich in Hamburg, Nivea,
Kiel und Kopenhagen auf. Am 21. Juni 1905 folgte mit Zeller und Steiger eine Exkursion zur Seewenalp. Am 19. September 1905 unternahm er eine
Reise um den Genfersee. (22. Reisenotizenbuch, StABE N Walser 2.22)
«Fünf Stunden auf der Landstrasse, davon zwei Stunden im kühlen Regen.»
Hermann Walser, Wanderung Posieux-Bulle, 11. 4. 1905, 22. RB, StABE N Walser 2.22

Am 11. September 1905 löste Hermann Walser sein Versprechen ein «Fanny einmal einen Gletscher zu zeigen. Am Samstagsabend ging es nach Grindelwald.
Durchs Lütschental hinauf erstrahlte magischer Mondglanz an den Wänden der Faulhornkette. In einem Hotel finden wir für zwei Zimmer à 1,25 Franken einen
angenehmen Aufenthalt. Das *alte Grindelwald mit den braunen Fassaden und hellen Dächern gibt es nicht mehr. Es hat sich in die höheren Lagen zurückgezogen, wo das Feuer nicht hinkommt und nur
wenige Hotels gebaut werden können. Der Gletscher ist enorm weit zurückgegangen. Man muss jetzt bei der Bäregg (1649 m) 80 Meter in die Tiefe steigen. Es ist jetzt
schneebedeckt. Zwei Lawinenkegel an der Eigerseite erzeugen ein eigenes System von Spalten. Es wirkt wie aufblätternde Schalen. Schliesslich erklimmen wir das Zäsenberghorn
(2343 m).» (22. Reisenotizenbuch, StABE N Walser 2.22)
*1892 fielen in Grindelwald zahlreiche Häuser einer Brandkatastrophe zum Opfer.
«Ich ass und schlief an der Sonne auf einem winzigen Inselchen mit Ruhebänken und ein paar
Bäumen.»
Hermann Walser, 19.2.1906. 22. Reisenotizenbuch, StABE N Walser 2.22

Am 19. Februar 1906 besuchte Walser die verschneite Zugspritze, den höchsten Berg Deutschlands. Er liegt an der Grenze zu Österreich. «Der Badersee (mit Blick auf die Zugspitze) ist das herzlichste Idyll des Bayerischen Hochgebirges und hat smaragdgrünes Wasser.» Im März weilte er in Augsburg und am Starnberger See. «Nachdem die letzten Wurstreste das Mittagsmahl ersetzt hatten, startete ich bei frischem Westwind. Dabei wurde mein schöner weicher brauner Hut erfasst und verschwand ostwärts. Ich suchte vergeblich. Man lieh mir dann ein viel zu kleines grünes Hütchen.» Die nächsten Ausflüge unternahm er dann wieder in seiner näheren Umgebung. Walser: «Wer in die Ferne wandert, muss mit der Liebsten gehen. Wer keine hat, wandert in der Nähe.» So befand er sich am 13. Mai 1906 auf dem Ulmizberg. Am 4. Juni 1906 unternahm er die Tour Olten - Hauenstein - Wisenberg und am 1. Juli Münsingen (Keltengräber), Kiesen und Uttigen. (22. Reisenotizenbuch, StABE N Walser 2.22)

Schulreise vom Städtischen Gymnasium Bern
Von 5. bis 6. Juli 1906 unternahmen Hermann Walser und Lehrer Robert Lanz mit der III. Handelsklasse die kleine Schulreise Pilatus-Brünig. «Wir
stiegen in Littau aus, wanderten über den Sonnenberg und kamen nach Kriens. Wir besuchten die dortige *Bell Maschinen- und Brückenbaufabrik, bei
der 500 Arbeiter bei nicht hohen Löhnen beschäftigt. Die schmiedeisernen Bleche für den Brückenbau wurden hier abgerundet, mit Nieten versehen und genietet. Es gab Kräne mit einer Tragkraft von
bis zu 10 Tonnen. Staffelweise ging es empor zur Krienseregg. Ein imposantes Wetter zog übers Land, vom Entlebuch über Ruswil, und verhüllte den Sempachersee. Es schickte uns
Wind und Regen. Weiter zur Fräckmüntalp, wo der Weg von Molchen wimmelte. Aufstieg zum Hotel Klimsenhorn am Pilatus. Starker Regen bis nächsten
Morgen. Am schönsten war die Strecke von Siswil zum Brünig nach Meiringen und Brienz. Besuch der
Schnitzlerschule.» (22. Reisenotizenbuch, StABE N Walser 2.22) [52]
*Produktion von Stahlteilen, Papiermaschinen, Wasserräder, Turbinen und Seilbahnen
1907 widmete er in der Zeitschrift Die Schweiz einen Begleittext für den verstorbenen Afrikareisenden Dr. Walter Molz. Im Mai 1908 unternahm er zusammen mit Fanny und Frau Schwanden die Tour Freiburg und Arcenciel. Am 6. bis 8. Juni 1908 besuchte er den Passwang, Delsberg und Le Pichaux, im August Strassburg und die Vogesen, am 1. und 2. Oktober 1908 das Taubenloch und den Chasseral. In den folgenden Jahren häuften sich bei ihm die Überlegungen zu chronologischen Abläufen während der Eiszeiten und den landschaftsprägenden Ereignissen. Einerseits diskutierte er die Arbeiten anderer Forscher und verglich sie mit eigenen Beobachtungen, anderseits stellte er selbst solche Entwicklungstheorien auf.[19]

Landeskunde der Schweiz
1908 landete Hermann Walser mit der Landeskunde der Schweiz einen weiteren Erfolg. Neben einer übersichtlich klaren der einzelnen Landesteile, die über das
Wissenswerteste informiert, wird ein Kapitel über «Volk, Staat und Wissenschaft» geboten, das die folgenden Themen behandelt: Zu- und Abnahme der Bevölkerung, Siedlung (Dorfsystem und
Einzelhofsystem), Sprache, Konfession, Politik, Militärorganisation, Wirtschaft und Verkehr. Die Einteilung der Landeskunde erfolgte nicht politisch nach Kantonen, sondern nach natürlichen
Landesteilen: das Mittelland (Ost-, Zentral- und Westschweiz), die Alpen (Nordalpen, Wallis, Tessin, Graubünden) und der Jura mit seinen Landschaften. Im Jahrbuch des Schweizer
Alpenclubs 1908/09 lobte die Redaktion: «In der Beschränkung zeigt sich der Meister. Wer wie Walser imstande ist, in ein Taschenbuch von 146 Seiten den Inhalt eines kleineren Folianten zu
pressen, und dabei durchsichtig und übersichtlich zu bleiben, ist wirklich ein ‹ausserordentlicher Professor›. Möge er noch viele weitere Beweise seiner völligen Beherrschung des ungeheuren
Stoffs und seiner virtuosen Darstellungskunst bieten. Gerade auf dem Gebiet der Alpen ist Walser ein Meister seltener Art. Er besitzt nicht nur Verständnis für das geologische Substrat, sondern
findet auch für die auf diesem wurzelnde Besiedlung durch Menschen, Tier und Pflanzen und die daraus erwachsene historisch-geographische Entwicklung, die richtige Betrachtung. Immer geht Walser
eigene Wege.»
Hermann Walser über den Jura: «Das Landschaftsbild des inneren Gebirges ist von stilvoller Einfachheit. Wer auf seinen Höhen wandert, durchschreitet stundenlang lichte, vom
Weidevieh angefressene Wälder von Weiss- und Rottannen, knorrigen Buchen, bemoosten Ahornbäumen und Erlen mit silbern blinkendem Laub. Dann erreicht er blumige, oft durch Steinmauern abgeteilte
Weiden auf rissigem, rötlichem Erdboden. Er blickt in ein dicht bevölkertes Längstal hinunter, das mit grünen Wiesen in verschwimmende Fernen zieht. Wenn er es aufsucht steigt er durch einen
steilen und wilden Bergwald hinab. Das Unterholz mit seiner reichhaltigen floristischen Zusammensetzung und die wahren Trümmermeere von rutschenden Steinen machen ihn schwer passierbar.
Vielleicht überrascht ihn auch der plötzliche Blick auf den gewölbten Felsenbau einer Kluse. Deren beide Wände liegen in der Mitte zurück, treffen aber an beiden Enden scharf aufeinander und
halten wie eine Fuchsfalle das enge Tal gefangen. Durch dieses Tal sucht sich - ein seltener Anblick - der Fluss in grünen Stauungen und weiss schäumenden kleinen Fällen seinen Weg.»
Das Städtische Gymnasium Bern zieht um
Da das Schulhaus kaum noch brauchbar war, zog das Gymnasium 1908 als Provisorium in ein leerstehendes Haus an der Amthausgasse 22. Auch dort war die Situation alles andere als ideal: Kein
Pausenplatz, alle Räume ohne Zentralheizung, frostige Gänge und Lärm von der ständig befahrenen Gasse. Eltern, Ärzte, Lehrer und die Schulkommission erklärten das Haus für absolut
ungeeignet.[17] Walser hatte zunehmend Mühe, schwierige Schüler zu disziplinieren. Sein zart organisiertes Wesen war auf nachgiebige Rücksichtnahme
eingestellt und überhaupt nicht auf derbes Eingreifen.[15] Walser litt unter Stress-Symptomen, die möglicherweise durch diese Disziplinprobleme
ausgelöst wurden: Nach einer Schulwanderung «erwachte ich nachts im Schweiss und Fiebertraum. Halb wach träumte ich weiter: Ich stieg steil einen Berg hinauf. Zur Rechten, tief unten auf den
Weiden, standen unzählige schwarze Gestalten. Männer und Frauen, bald einzeln, bald zu seltsamen Gruppen geordnet, bald Kopf an Kopf in dichter Menge. Sie alle schauten mich an, ohne sich zu
rühren, mit einem leicht höhnischen Blick. Ich stieg und stieg, aber ich kam dem Ziel nicht näher. Das unheimliche Publikum war stets zur Seite.» (StABE N Walser
2.11)

Ferienreise des Städtischen Gymnasiums Bern
Im Juli 1908 unternahm Hermann Walser mit elf Schülern der I. Handelsklasse folgende Route:
1. Tag: Luzern-Göschenen-St. Gotthardpass-Airolo
2. Tag: Altanca-Faido-Lugano-Val Solda-Boriezza-Menaggio
3. Tag: Comersee-Colico-Sondrio-Montagna-Chiesa
4. Tag: Murettopass-Maloja
5. Tag: Alpen Motta und Surley-St.Moritz-Pontresina
6. Tag: Piz Languard-Bevers
7. Tag: Monte-Albulapass-Filisur-Tiefenkasten
8. Tag: Schynschlucht-Tschufis-Chur-Bern [31]
Walsers Geografieunterricht am Städtischen Gymnasium Bern, Schuljahr 1908/09:
Handelsschule: Die aussereuropäischen Erdteile. / Übersicht über Europa. Spezielle Handelsgeografie der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Italien und Osterreich-Ungarn. / Grossbritannien und Irland, Spanien und Portugal, die Balkanhalbinsel, Österreich-Ungarn. Skandinavien, Russland und Vorderasien in handelsgeografischer Beziehung. (Geografie und Statistik): Afrika und Amerika. Vergleichende Handelsgeografie: Bevölkerung, Produktion, Verkehr, Handel. Repetitionen.
Realschule: Länderkunde der aussereuropäischen Erdteile. / Länderkunde von Europa ohne die Schweiz. / Mitteleuropa. Mathematische
Geografie. / Physikalische Geografie. Repetitionen.
Literarschule: Die aussereuropäischen Erdteile. / Länderkunde von Europa ohne die Schweiz. / Deutschland. Mathematische und physikalische Geografie. Völkerkunde. / Deutschland.
Mathematische und physikalische Geografie Völkerkunde, dazu Lektüre aus Günther: Zeitalter der Entdeckungen. [54]

Ehemalige Schüler
Hermann Walser unterrichtete am Städtischen Gymnasium Bern Persönlichkeiten wie
- Dr. Max Tièche (1878-1938), Gründer und Direktor der Poliklinik Zürich, Namensgeber der Tièchestrasse
- Paul Klee (1879-1940), Künstler, Namensgeber des 2005 in Bern eröffneten Zentrums Paul Klee
- Hermann Haller (1880-1950), Bildhauer und Ehrendoktor der Universität Zürich
- Paul Renggli (1885-1978), Rechtsanwalt und Direktor des Bundesamtes für Industrie, Gewerbe und Arbeit
- Hermann Raaflaub (1886-1966), Chirurg
- Roland Sessler (1887-1968), Rechtsanwalt und Amtsvormund
- Dr. Heinrich Ferdinand Huttenlocher (1890-1954), Direktor des Mineralogisch-Petrographischen Instituts der Universität Bern, geboren in Biel (StABE P.A. 329)
Im Frühling 1909 wurde Hermann Walser an die Universität Bern berufen. Lernen sie im 2. Teil der Biografie seine akademische Karriere kennen.
Zitiervorschlag: pk: «Hermann Walser - Geograf und Lehrer», in: Pioniere und Prominente vom Dufourschulhaus Biel. Version 2026. Online: Altstadtleist.biel-bienne.ch.
Quellen: 1) H. Freudiger, Professor Dr. Hermann Walser in Berner Woche, Bern 17. 5. 1919, S. 239f; - 2) «Ernennung zum Leutnant der Infanterie» in Berner Zeitung, Bern, 5. 12. 1890, S. 3; - 3) Dr. Hermann J. Klein, Besprechung «Veränderung der Erdoberfläche im Umkreis des Kantons Zürich seit Mitte des 17. Jahrhunderts» in Jahrbuch der Astronomie und Geophysik, 1896, Leipzig 1897, S. 101f- 4) «Sektion Bern SAC» in Der Bund, Bern, 10. 12. 1913, S. 2; - 5) «Pro Causa Judaica» in Oberländer Tagblatt, 25. 5. 1916, S. 3; - 6) Gelgia Caviezel, Hans-Rudolf Egli, Lukas Gloor, Reto Sorg, Jeannine Wintzer: Hermann Walser, Geograf, Robert Walser Zentrum, Bern 2022, S. 15ff; 7) E. B., «Stand und Aufgaben der Siedlungsgeographie der Schweiz» in Schweizerische Lehrerzeitung, 25. 10. 1913, S. 404); - 8) A. Spreng, «Die Geographische Gesellschaft von Bern 1873-1923» in Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern 1919-23, S. 10f; - 9) Hermann Walser, «Reise durch das innere Norwegen von Christina nach Aalesund» in 17. Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern 1898-99, Bern 1900, S. 16; - 10) Hermann Walser, «Präsidialbericht über das Vereinsjahr 1905» in 20. Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern 1905-1906, Bern, 1907, S. 5ff; - 11) Hermann Walser, 24. Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern 1913-1918, Bern 1919, S. 8ff; - 12) Georges Grosjean «100 Jahre Geographisches Institut der Universität Bern» in Jahrbuch der Geographischen Gesellschaft Bern, Band 56, 1986-90, Bern, 1991, S. 11ff; - 13) Hermann Walser, Veränderungen der Erdoberfläche im Umkreis des Kantons Zürich seit der Mitte des 17. Jahrhunderts, Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern 1896, Bern 1897, S. 4ff; - 14) Hermann Walser, Der eiszeitliche Riesentopf bei Althaus im Könzitale bei Bern, Bern, 1913, S. 1ff; - 15) «Nekrolog Hermann Walser» in Korrespondenzblatt der Studenten-Verbindung Halleriana bernensis und Manessia turicensis, Bern, 6.11.1919, S. 32; - 16) Bern Städtisches Gymnasium 1880 bis 1913/14 Monographie, S. 60; - 17) Denkschrift anlässlich der Vollendung und Einweihung des Neuen Städtischen Gymnasiums auf dem Kirchfeld, Bern, 1926, S. 9f; 18) «Lehrer in Herzogenbuchsee» in Bernischer Staatskalender 1893-1894, S. 81; - 19) André Zinggeler, Prof. Hermann Walser. Leben und Werk - Eine Analyse seiner Notizbücher, 1987, S. 2-47, Sammlung Geographisches Institut der Uni Bern, Sign. ARCH-1062; - 20) Hermann Walser, 17. Tagebuch, StaBe N Walser 2. 2.17; -21) Fridolin, «Bieler Brief» in Bieler Tagblatt, Biel, 14. 8. 1944, S. 7; - 22) Egmond Goegg, «Hermann Walser» in La Globe – Revue genevoise de géographie, Band 58, Genf, 1919, S. 52f; - 23) Städtisches Gymnasium Bern - Verzeichnis der Lehrer und Schüler 1881-1899. StABE P.A 329; - 24) Städtisches Gymnasium Bern - Verzeichnis der Lehrer und Schüler 1902-1920. StABE P.A 329; - 25) Dr. Paul Meyer, Das Städtische Gymnasium in Bern 1880-1930, Festschrift, Bern 1930, S. 159; - 26) Jahresbericht des Städtischen Gymnasiums Bern, Bern 1899, S. 37; - 27) Hans Bänziger, «Pfarrer J. U. Walser aus Grub 1798-1866» in Neue Zürcher Zeitung, 8.8.1956, S. 1f: - 28) «Pfarrer J. Ulrich Walser» in Appenzellische Jahrbücher, Nr. 6, Trogen, 1868, S. 158f; - 29) Gy, «Un Géographe» in La Patrie Suisse, 28.5.1919, S. 130-131; - 30) P. Borel, «Décès de Mlle Lisa Walser, institutrice» in Journal du Jura, 24.1.1944, S. 4; 31) «Die Ferienreisen des städtischen Gymnasiums» in Der Bund, Bern, 8. 7.1908, S. 3; - 32) H. B., «Fanny Hegi-Walser» in Der Bund, Bern, 3.3.1972, S. 18; - 33) «Verzeichnis aller gegenwärtiger Geschlechter ausserrohdischer Landsleute und Landsassen» in Appenzellisches Monatsblatt, Nr. 10, Weinmonat 1840, S. 167f; 34) Jahresbericht über das Städtische Gymnasium in Bern 1897, Bern 1897, S. 16ff; - 35) Universität Bern, Vorlesungen - Wintersemester 1909/10 bis Sommersemester 1919, Sammlung Schweizerische National Bibliothek, V 2717; - 36) Semesterbericht der Universität Bern, Wintersemester 1910/11, Bern 18.5.1911, S.2, StABE BB III b 916; - 37) Albert Huber, Jahrbuch des Unterrichtswesens in der Schweiz, Zürich, 1908, S. 46f; - 38) «Protokoll der 23. Plenarsitzung der Zentralkommission für schweizerische Landeskunde» in Bericht der Zentralkommission über den Stand der Arbeit an der Bibliographie der schweizerischen Landeskunde, Bern, 1912, S. 2; - 39) Joan Berenice Reynolds, The Teaching of Geography in Switzerland and North Italy, Cambridge, 1899, S. 20ff; - 40) Dr. Eduard Müller, Die Hochschule Bern in den Jahren 1834-1884, Bern, 1884, S. 159ff; - 41) Dr. Rudolf Hotz, Der Geographieunterricht am Schweizer Gymnasium, Basel /Aarau 1895, S. 4; - 42) J. Sterchi, Historischer Verein Bern, Denkschrift zu dessen 50jähriger Stiftungsfeier im Juni 1896, Bern 1896, S. 203; - 43) Georges Grosjean, «Aus der Geschichte des Geographischen Instituts» in Berner Geographische Mitteilungen 1979, Bern, 1980, S. 10; - 44) Dr. Paul Meyer, «Stiftungen und Schulreisen am städtischen Gymnasium in Bern» in Blätter für bernische Geschichte, Kunst und Altertumskunde, Heft 1-4, Bern, 1920, S. 126; - 45) «Das neue Universitätsgebäude in Bern» in Schweizerische Bauzeitung, Zürich, 10.6.1905, S. 281; - 46) «Ein Lehrstuhl für Geografie an der Universität Bern» in Verhandlung der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, Nr. 6, Berlin,1882, S. 323f; - 47) «Hundert Jahre Berner Universität II. Teil» in Die Berner Woche in Wort und Bild, Bern, 9.6.1934, S. 360f; - 48) E. S., Éducateur et bulletin corporatif : organe hebdomadaire de la Société Pédagogique de la Suisse Romande, Lausanne, 5. 6. 1909, S. 361 ; - 49) Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern 1911 und 1912, Bern 1913, S. 14; - 50) Die Handelsschulen und der kaufmännische Fortbildungsunterricht in der Schweiz, Bern, 1896, S. 104; - 51) «Geschenke» in Jahresbericht über das Städtische Gymnasium in Bern 1909-1910, Bern, 1910, S. 77; - 52) «Zweitägige Reise» in Jahresbericht über das Städtische Gymnasium in Bern 1906-1907, Bern, 1907, S. 61; - 53) «Maturitätsprüfung des städtischen Gymnasiums zu Bern im September 1889» in Höhere Mittelschule Lokales, Gymnasium Bern 1879/89, StABE BB III b 1553; - 54) Städtisches Gymnasium in Bern, Jahresberichte 1901-1909, StABE P. C 124; - 55) «Das Geografiezimmer» in Jahresbericht über das Städtische Gymnasium in Bern 1905, Bern, 1905, S. 47, StABE P. A 388; - 56) «Die ersten 25 Jahre des Gymnasiums der Stadt Bern 1880-1905» in Jahresbericht des Städtischen Gymnasiums in Bern 1905, Bern, 1905, S. 96f, StABE P. C 124
57) Personaldossier von Hermann Walser, PDF-Version, StABE BB IIIb 623; 57a: «Prüfung der Neubesetzung des ordentlichen Lehrstuhls für Geografie», Bericht der
Direktion des Unterrichtswesens im Kanton Bern, 9.3.1909, S. 1-12; 57b: «Dr. Walser an erster Stelle!», Brief der Lehramtsschule an die Unterrichtsdirektion des Kantons Bern, 6.3.1909; 57c:
«Bitte um finanzielle Unterstützung fürs GIUB», Brief von Hermann Walser an die Direktion des Unterrichtswesens im Kanton Bern, 2.10.1909; 57d: «Bewilligung für 200 Franken fürs GIUB», Brief der
Direktion des Unterrichtswesens des Kantons Bern an Professor Walser, 11.10.1909; 57e: «Antrag zum ordentlichen Professor», Hermann Walser an die Direktion des Unterrichtswesens des Kantons Bern,
März 1910; 57f: «Krediterhöhung und Hilfskraft fürs GIUB», Brief von Hermann Walser an die Unterrichtsdirektion des Kantons Bern, 31.1.1911; 57g: «Walser, Beförderung zum ordentlichen Professor»,
Brief der Direktion des Unterrichtswesens an den Regierungsrat, 2.5.1910; 57h: «Keine Krediterhöhung und Hilfskraft fürs GIUB», Brief der Direktion des Unterrichtswesens des Kantons Bern an
Hermann Walser, 3.8.1911; 57i: «Wiederwahl als Ordinarius für Geografie», Beschluss der Regierungsratssitzung vom 9.1.1917; 57j: «Bitte um Fortsetzung der Kur», Brief von Hermann Walser an die
Unterrichtsdirektion des Kantons Bern, 27.12.1918; 57k: «Besserung des Gesundheitszustands», Brief von Hermann Walser an die Unterrichtsdirektion des Kantons Bern, 25.1.1919; 57l: «Dr. phil.
Hermann Walser, am 1. Mai mit 49 Jahren verstorben», Todesanzeige der Universität Bern, 2.5.1919; 57m: «Anschaffung des fachwissenschaftlichen Teils der Privatbibliothek von Professor Walser fürs
GIUB», Brief von Rudolf Zeller an Direktion des Unterrichtswesens an den Regierungsrat, 25.7.1919; 57n: «Kreditbewilligung fürs GIUB zur Übernahme zum geografisch-wissenschaftlichen Teil von
Walsers Privatbibliothek und für ein Büchergestell», Regierungsratsbeschluss vom 29.7.1919; 57o: Brief von Lisa und Oscar Walser an die Erziehungsdirektion des Kantons Bern, 1.11.1919; 57p:
«Empfehlung um finanzielle Unterstützung von Fanny Walser», Brief von Rudolf Zeller an die Direktion des Unterrichtswesens des Kantons Bern, 12.11.1919; 57q: «Besoldungsnachzahlung»,
Regierungsratsbeschluss vom 2.12.1919; 57r: «Arztzeugnis für Hermann Walser» von Dr. Emil Bürgi, Bern, 5.1.1919
58) Hochschulgeschichte Berns 1528-1984, hrsg. im Auftrag des Regierungsrates des Kantons Bern von der Kommission für bernische Hochschulgeschichte, Bern 1984, S. 758; - 59) «Die Täler der
Schweizeralpen» in Bieler Tagblatt, 18.5.1910, S. 1; - 60) Leo Altermatt, Geografie der Schweiz nach Professor Walser, WS 1917/18, ZBS NL ALT L 10/20; - 61) «Dr. Phil. Leo Altermatt - Direktor
der Zentralbibliothek Solothurn 1936 bis 1962» in 33. Bericht der Zentralbibliothek Solothurn über das Jahr 1962, S. 3; - 62) Protokoll der Philosophischen Fakultät, Bd. 11, StABE, BB05.10.1709;
- 63) Protokoll der Philosophischen Fakultät, Bd. 9, StABE, BB05.10.1707; - 64) Reglement und Lehrplan für das Progymnasium in Biel, Biel, 1843, Seite 23f, StABE. Bibliothek N. 20; - 65) «Hermann
Walser» in Thurgauer Zeitung, Frauenfeld, 3. 5. 1919, S. 2; - 66) «Jahresversammlung des Vereins schweizerischer Geografielehrer» in Neue Zürcher Zeitung, Zürich, 15.10.1913, S. 1
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