HERMANN WALSER - Geograf und Professor 
Schüler am Progymnasium Biel

Teil II: Professor für Geografie an der Universität Bern (GIUB) von 1909 bis 1919

Jugendzeit und Tätigkeit als Berner Gymnasiallehrer siehe Teil I

Die Geografische Ausbildung an der Universität Bern 1883 bis 1909

Das alte Schulhaus im ehemaligen Kloster an der Herrengasse, 1905 abgerissen. Foto: Berner Woche Nr. 23, 1934, S. 360.
Das alte Schulhaus im ehemaligen Kloster an der Herrengasse, 1905 abgerissen. Foto: Berner Woche Nr. 23, 1934, S. 360.

Der Vorläufer der Universität Bern war das «Kollegium zu Barfüssen» (Alte Akademie), das ausschliesslich theologisch ausgerichtet war. 1535 zog es ins Franziskanerkloster. Albrecht von Haller bemängelte die einseitige Ausbildung und schlug der Regierung eine Umgestaltung der Hochschule vor. In Etappen wurde diese in der Regenerationszeit ausgebaut und reorganisiert.[47] Am 10. November 1834 konnte die neue Universität Bern an Stelle der alten Akademie im «Kloster» eröffnet werden. Die Studierenden genossen die uneingeschränkte Lern- und Lehrfreiheit, erhielten jedoch wenig Geografieunterricht. Der Geologe Bernhard Studer (1794-1887) gab wöchentlich ein paar Stunden physikalische Geografie, ohne das dafür ein besonderer Lehrstuhl bestand. 

Die Idee einer *Lehramtsschule der Universität Bern wurde 1862 vom kantonalen Sekundarlehrerverein ins Leben gerufen. Dieser richtete eine Petition an die Erziehungsdirektion, um an der Hochschule einen Ausbildungsplatz für Sekundarlehrer einzurichten. Die Folge war, dass die Philosophische Fakultät durch die Erziehungsdirektion dazu veranlasst wurde, jedes Semester im Lektionsverzeichnis diejenigen Vorlesungen durch ein * (Stern) hervorzuheben, die sich besonders für Lehramtskandidatinnen und -kandidaten eignen würden. Eine Verpflichtung dazu bestand jedoch nicht. An der Philosophischen Fakultät hielt Professor Gerster im Wintersemester 1868/69 Vorlesungen über Vergleichende Erdkunde und Statistik von Amerika, Europa, und Handelsgeografie und Methodik der Geografie in der Durchführung der Ritter’schen Grundsetze. Ab dem 11. Februar 1874 wurden auch Frauen der Zutritt zur Universität gewährt. 
Unter der Mitwirkung der Philosophischen Fakultät und gestützt auf neue gesetzliche Bestimmungen entstanden im Wintersemester 1877/78 ein Studienplan für Studierende des Lehramts an der Universität Bern sowie ein neues Reglement für die Patentprüfung von Sekundarlehrern.  Im Sommersemester 1878 konnte daraufhin die Lehramtsschule der Universität Bern eröffnet werden. Allerdings fehlte noch immer das Fach Geografie. 1881 wurde Geografie weder in Russland noch in Schweden, Spanien oder Portugal an einer Hochschule gelehrt. In Deutschland gab es zu diesem Zeitpunkt bereits zwölf Lehrstühle für Geografie. In der Sitzung der Geographischen Gesellschaft Bern (GgGB) am 20. Mai 1882 schlug der Vorsitzende, Professor Theophil Studer, vor, eine Professur für wissenschaftliche Geografie an der Universität Bern einzurichten. Es lag nahe, dass die ersten Hauptlehrer für Geografie an der Universität Bern internationale Fachmänner sein würden.[46]

1883 erliess der Regierungsrat ein Reglement für die Patentprüfungen von Kandidaten des höheren Lehramts. Die Kandidaten mussten drei Jahre lang akademische Studien absolviert haben. Wer diese Prüfung erfolgreich bestand, erhielt ein Diplom, in dem seine Befähigung zum Lehramt an den oberen Klassen der Gymnasien der Literar- oder Realabteilung sowie an der Kantonsschule in Pruntrut unter Angabe der Prüfungsfächer beurkundet wurde. Die Prüfung erstreckte sich auf folgende Fächer, von denen die Kandidaten drei auswählen konnten: Deutsch, Latein, Griechisch, Französisch, Englisch, Italienisch, Hebräisch, Geschichte, Mathematik, Physik, Chemie, Mineralogie, Geologie, Botanik, Zoologie, Geografie und Pädagogik.[40]
*Aus der Lehramtsschule ging die Pädagogische Hochschule Bern hervor.

  

Geografieprofessor Eduard Petri, von 1883 bis 1887 am GIUB
Geografieprofessor Eduard Petri, von 1883 bis 1887 am GIUB

Die Geburtsstunde des Geographischen Instituts der Universität Bern (GIUB)

Sie schlug 1886, als der Regierungsrat den Baltendeutschen Eduard Petri (1854–1899) zum *ausserordentlichen Professor für Geografie ernannte. Petri hatte bereits 1883 die venia docendi für Geografie erhalten. Dies geschah unter der Auflage, speziell für die Lehramtsschule Vorlesungen über Geografie zu halten. Die Lehramtsschule wurde 1887 durch ein Dekret gegründet, das die Studiendauer auf vier Semester festlegte und eine dreiköpfige Kommission an ihre Spitze setzte. In diesem Jahr wurde Petri nach Petersburg berufen. [12]   

*Der ordentliche Professor (Ordinarius) führt an der Universität einen Lehrstuhl für ein bestimmtes Fachgebiet. Der ausserordentliche Professor hat keinen eigenen Lehrstuhl.

 

Von 1888 bis 1904 war der aus Hamburg stammende Eduard Brückner (1862-1927) sein Nachfolger. Brückner, der als Extraordinarius begann, widmete sich mit Begeisterung seiner Arbeit und scheute weder Mühen noch Zeit, um das Niveau der Geografie zu heben und eine umfassendere Anerkennung ihres Wertes zu erreichen. Für Hermann Walser, der von 1886 bis 1896 an der Universität studierte, war Brückner sein Mentor. Während seines Lehramtsstudiums besuchte Walser alle seine Lehrveranstaltungen. Brückner unterrichtete sozusagen im Einmannbetrieb. Er gab Kurse über Kartografie und hielt Vorlesungen zum Thema Schnee und Eis. Alle zwei Jahre im Sommer hielt er einen Vorlesungskurs über Ethnographie und Anthropographie. Seine regulären Vorlesungen an der Universität wurden von dreissig bis vierzig Männern und Frauen besucht, die entweder Geografie als Fach für das Doktorat der Philosophie belegten oder eine Ausbildung zum Lehrer an Sekundar- oder Hochschulen absolvierten.[39] In Bern war ein dreijähriges Universitätsstudium erforderlich, um den Doktorgrad zu erlangen. Der Kandidat wurde in drei Fächern geprüft, von denen er eines als Hauptfach wählte.[39] Im Wintersemester 1889/90 besuchte Hermann Walser Vorlesungen wie Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts, Psychologische Pädagogik, Schweizergeschichte von 1830 bis 1847, Einleitung in die Geographie von Asien (Dr. Brückner), Sintassi italiana, sowie Lesungen zur Vertiefung der deutschen und französischen Sprache. Im Sommersemester 1890 war es u.a. Anatomie der Physiologie, Neuhochdeutsche Grammatik, Französische Literaturgeschichte, Physische Geographie (Dr. Brückner), Mathematische Geographie (Dr. Brückner), Geographie von Südeuropa (Dr. Brückner) und Erblichkeit moralischer Eigenschaften. (StABE, Sig.: N Walser 3 4.3)

1891 wurde Brückner zum ordentlichen Professor befördert. Damit wurde Bern zur ersten Schweizer Stadt, die eine ordentliche Professur für Geografie errichtete. Im gleichen Jahr bekamen die Geografen einen ersten eigenen Raum und richteten darin das GIUB ein.[58] 1892 wurde das Fach Geografie in das Verzeichnis der Institute der Universität aufgenommen. Walser bezog es im Wintersemester 1892/93 in seine Studien mit ein. Er besuchte im Sommer 1892 Dr. Brückners Vorträge Völkerkunde, Handelsgeographie, Geographische Übungen und Amerika sowie im Wintersemester 1892/93 Geographie der Schweiz. 

  

Geografieprofessor Eduard Brückner, von 1888 bis 1904 am GIUB
Geografieprofessor Eduard Brückner, von 1888 bis 1904 am GIUB

Der (Un)Sinn der Geografie

1893 konterte der Berner Gymnasialdirektor Finsler in seiner Schrift Die Lehrpläne und Maturitätsprüfungen der Gymnasien der Schweiz: «Die Geografie bis in die oberen Klassen als gesondertes Fach fortzusetzen, erscheint mir unrichtig und zwecklos. Der grösste Teil der Jugendlichen ist nicht fähig, sich ein fremdes Land vorzustellen, das sie selbst nie gesehen haben. Erst durch Reisen empfinden sie die richtige Vorstellung, und ohne diese ist für sie ein wirklicher Nutzen des geografischen Studiums nicht vorhanden. Nichts geht so spurlos verloren wie geografische Kenntnisse, diese Unsumme von Namen. Zu wissen, welcher Lauf der Maas ist, ob Athen am Meer liegt oder nicht, ist für die Ausbildung des Geistes vollkommen wertlos.» Professor Brückner ergänzt: «Geografieunterricht hat einen grossen Bildungswert, sofern er den modernen Grundsätzen entspricht und nicht nach der veralteten Methode erteilt wird, bei der Geografie lediglich als Verzeichnis von Namen betrachtet wird. Für den Unterricht braucht es Lehrer, die der Geografie nicht vollkommen fernstehen, sondern sich systematisch dafür ausbilden lassen.»[41] Die Universität schloss sich dieser Meinung an.

Die Philosophische Fakultät war in zwei Abteilungen unterteilt:
1) Abteilung für Philosophie, Philologie und Geschichte
2) Abteilung für Mathematik und Naturwissenschaften
Jede Abteilung war in elf oder zwölf Fächer unterteilt.  Geografie war in beiden Abteilungen vertreten, obwohl es in der Regel in Verbindung mit der naturwissenschaftlichen Gruppe belegt wurde. Der Kandidat für diese Prüfung, der Geografie als Hauptfach belegte, verfasste eine Dissertation, für die er ein Jahr oder länger Zeit hatte und die in irgendeiner Richtung den Stempel origineller Forschung tragen musste. Hermann Walser beispielsweise begann 1895 bei Brückner seine 121-seitige Dissertation Veränderung der Erdoberfläche im Umkreis des Kantons Zürich, die er 1896 einreichte. Wurde die Abhandlung angenommen (Walser doktorierte bei Brückner), absolvierte der Kandidat eine schriftliche Prüfung, die aus drei jeweils dreistündigen Klausuren sowie einer abschliessenden zweistündigen mündlichen Prüfung bestand. Die Studierenden, die diesen Abschluss anstrebten, waren die fortgeschrittensten Teilnehmer der Vorlesungen von Dr. Brückner. Er widmete ihnen wöchentlich Zeit, um sie bei ihrer Arbeit zu beraten. Wählten die zukünftigen Lehrer Geografie, mussten sie eine sechswöchige Hausarbeit zu einem von Dr. Brückner vorgeschlagenen Thema aus den Bereichen Morphologie oder Kartografie verfassen. Ausserdem fand eine dreistündige schriftliche Prüfung statt. Zudem gab es eine schriftliche Prüfung über die physische und politische Geografie von Ländern oder Kontinenten sowie eine kurze mündliche Prüfung über topografische Kartenprojektionen, mathematische und physische Geografie. Obwohl die Ausbildung für beide Geschlechter offen war, sollte es noch längere Zeit dauern, bis eine Frau diese Prüfung ablegte.[39] Eduard Brückner hielt am 18. November 1899 bei der 65. Stiftungsfeier der Universität Bern den Vortrag Die schweizerische Landschaft einst und jetzt. Darin bezog er sich mehrmals auf Hermann Walsers Dissertation. Das von Brückner geleitete Geographische Institut befand sich zuerst am Standort «Hochschule Nr. 26».  

Der 1903 eröffnete Universitätsneubau auf der grossen Schanze mit Haller-Denkmal.
Der 1903 eröffnete Universitätsneubau auf der grossen Schanze mit Haller-Denkmal.

1900 war die Hochschule  die am stärksten besuchte Universität der Schweiz und hatte 962 immatrikulierte Studenten. Sie brauchte dringend mehr Platz. Die Räume im alten Franziskanerkloster an der Herrengasse waren zu klein geworden. Am 4. Juni 1903 wurde der von Alfred Hodler und Eduard Joos entworfenen Universitätsneubau auf der Grossen Schanze, Hochschulstrasse 4, bezogen. Die Philosophische Fakultät nutzte in den verschiedenen Stockwerken 22 Hörsäle, Seminare und sonstige Räume. Dem Geographischen Institut kam der *Hörsaal Nr. 57 im zweiten Geschoss nebst einem Professoren- und Sammelzimmer zu. [43]

Drei Säle waren für die Lehramtsschule reserviert. Das GIUB und das Lehrerseminar benötigten für ihre Räume eigene, teilweise sehr komplizierte Möblierungen, unter anderem für die Projektionseinrichtungen. Die Fenster wurden mit hellen Storen versehen, die das Licht reflektierten, ebenso wie die hellen Decken und Wände.[45]
*Von 1945 bis 1972 war das GIUB im sogenannten Hilty-Haus am Falkenplatz 18 sowie teilweise auch im Hauptgebäude der Universität untergebracht. 
1972 zog es an die Gesellschaftsstrasse 29 und im Wintersemester 1974/75 an seinen heutigen Standort, einen Neubau an der Hallerstrasse 12. Der Hörsaal 57 blieb von 1903 bis 1975 in umgebauter und vergrösserter Form der eigentliche Geografiehörsaal [58]  

   


Hauptgebäude der Universität Bern an der Grossen Schanze: Haupttreppenhaus und Fresko des Berner Künstlers Otto-Haberer Sinner (1866-1941). Zustand 2026, Fotos: C. V.

   

Geografieprofessor Alfred Philippson, von 1904 bis 1906 am GIUB
Geografieprofessor Alfred Philippson, von 1904 bis 1906 am GIUB

Nachdem Eduard Brückner 1904 nach Halle zog, bewarb sich Hermann Walser um seine Nachfolge. Die Wahl fiel jedoch auf den aus Bonn stammenden jüdischen Geografen Alfred Philippson (1864-1953), ein Experte für die Geomorphologie der Mittelmeerländer. Am 2. Oktober 1906 starb seine Frau Linda, von der er vier Kinder hatte. Bis Ende Oktober 1906 blieb er am GIUB und wurde dann Brückners Nachfolger in Halle. Philippson schrieb zwischen 1942 und 1945 in Theresienstadt das Buch Wie ich zum Geographen wurde. Trotz das Philippson nur vier Semester in Bern wirkte, hatte er auf die Studierenden mächtig Eindruck hinterlassen. Nun sollte Dr. Joseph Grund, Privatdozent für Geografie an der Universität Wien, in dessen Fussstapfen treten, doch Grund lehnte ab. Am Januar 1907 wurde der aus Hamburg stammende Max Friederichsen (1874–1941) neuer Ordinarius für Geografie, Er hatte kurz zuvor das Amt als ausserordentlicher Professor der Erdkunde in Rostock angetreten. Seine Forschungsreisen im Ural, Kaukasus, Armenien und Zentral-Asien waren allgemein bekannt. Ende 1908 kam die unerwartete Meldung von Max Friederichsens Rücktritt zum Ende Wintersemesters 1908/09. Ab 28. Dezember 1908 wurde die Stellenanzeige für die Professur für Geografie an der Hochschule Bern aufgeschaltet. Sie erschien in den Hochschul-Nachrichten, im Bund, in der Neuen Zürcher Zeitung, in der Frankfurter Zeitung, in den Hochschulnachrichten München und in der Wiener Tageszeitung Neue Freie Presse. Anmeldungen wurden bis zum 15. Februar 1909 berücksichtigt.[57]

Geografieprofessor Max Friederichsen, von 1907 bis 1909 am GIUB
Geografieprofessor Max Friederichsen, von 1907 bis 1909 am GIUB

Privatdozent der Universität Bern

Hermann Walser entschied sich für eine akademische Laufbahn und wurde 1909 Privatdozent der Universität Bern. Am 24. Januar 1909 stellte er sein Gesuch um Habilitation bei der Direktion des Unterrichtswesens. Am  6. Februar 1909 bewarb er sich um den Lehrstuhl: «An die hohe Direktion des Unterrichtswesens des Kantons Bern. Hiermit bewerbe ich mich um die ausgeschriebene Professur für Geografie an der hiesigen Hochschule. Meine langjährige Tätigkeit als Fachlehrer für Geografie am oberen Gymnasium, meine fortgesetzten Studien auf allen Gebieten dieser Disziplin, das Vertrauen, das mir meine ehemaligen akademischen Lehrer entgegenbrachten, sowie die erfolgreiche Durchführung einiger grösseren literarischen Arbeiten zur Zufriedenheit der Fachkritik, berechtigen mich zur Annahme, den Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle gewachsen zu sein.»[57] Aufgrund des empfehlenden Gutachtens von Professor Friederichsen beschloss die Fakultät am 15. Februar 1909, Hermann Walser zu den Probevorlesung für die Professur zuzulassen. Friederichsen schlug vor, die Venia docendi für das gesamte Gebiet der Geografie, speziell Anthropogeografie, zu erteilen.[63] Kurz darauf habilitierte sich Walser unter Friederichsen im Fach Geografie/Anthropogeografie und erhielt am 25. Februar 1909 von der Direktion des Unterrichtswesens des Kantons Bern die entsprechende Venia docendi. (StABE N Walser 3 4.7) 

  

Stellenanzeige im Bund, 6. Januar 1909.
Stellenanzeige im Bund, 6. Januar 1909.

Um diese Zeit waren Rudolf Zeller seit 1907 für Geografie, speziell Völkerkunde, und Fritz Nussbaum seit 1909 für Geografie, speziell physische Geografie, als Privatdozenten habilitiert. Das GIUB hatte somit bereits ein ansehnliches Lehrangebot und mögliche Kandidaten für die Nachfolge von Friederichsen, der wie alle seine Vorgänger ins Ausland zog..[43] 

 

In der Zwischenzeit befasste sich die Direktion des Unterrichtswesens im Kanton Bern mit 9 Kandidaten aus Deutschland, Österreich, Chile und der Schweiz. Dabei ging es darum, einen vollwertigen Nachfolger für die Koryphäen Brückner, Philippson und Friederichsen zu finden und niemand nur aus lokaler Rücksichtnahme zu bevorzugen: Ein Schreiben der Direktion des Unterrichtswesens vom 4. März 1909 berichtete über die Bewerber:

Die 9 Kandidaten der Professur für Geografie, 1909, StABE BB IIIb 623
Die 9 Kandidaten der Professur für Geografie, 1909, StABE BB IIIb 623

1. Dr. Leo Wehrli-Frey (1870-1954), Zürich. Bisher nicht habilitiert. 1889 Studium an der Universität Berlin. 1895 promoviert «mit Anerkennung vorzüglicher Leistungen» an der Philosophischen Fakultät Zürich. Argentinischer Landesgeologe.  Seit Ende 1898 Lehrer für Chemie, Geologie und Warenkunde an der Höheren Töchterschule Zürich. Er verfasste 40 Publikationen, unternahm Reisen in Süd-Amerika und wirkte am Geographischen Lexikon der Schweiz mit. 

 
2. Dr. Rudolf Zeller (1869-1940), Privatdozent in Bern. Gymnasiallehrer für Naturgeschichte und Geografie am Gymnasium Bern. Seit Frühling 1907 habilitiert an der Hochschule Bern für Geografie, speziell Völkerkunde. Gilt als Ethnograf. Gut geeignet zur Führung heimatkundlicher Exkursionen.

3. Dr. Gustav Braun (1881-1940), Privatdozent in Greifswald. Studierte ausschliesslich Geografie. Seit 1. April 1906 am Geographischen Institut der Universität Greifswald. Im Sommer 1907 dort habilitiert für Geografie. Seit 1. Januar 1908 am ordentlichen Lehrstuhl für Geografie beauftragt. Verfasste zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten. Gründliche Erfahrung in der Ausbildung von Lehrern der Geografie. Von Brückner empfohlen. 

4. Dr. Otto Schlüter (1872-1958), Privatdozent in Berlin. Studierte ausschliesslich Geografie. 1896 promovierte er mit einer Dissertation zur Siedlungsgeografie. Habilitierte 1906 an der Friedrich-Wilhelms Universität Berlin für Geografie, seit Herbst 1906 mit Lehrauftrag für Geografie an der Berliner Handelshochschule betraut. Schlüters wissenschaftliche Bedeutung, speziell auf dem Gebiet der Anthropogeographie, stand ausser Zweifel und würde es rechtfertigen, ihn in dieser Beziehung allen anderen Kandidaten vorzuziehen.

5. Dr. Norbert Krebs, (1876-1947), Privatdozent in Wien. Seit Herbst 1906 als Professor der Geografie und Geschichte an der Staatsrealschule im 13. Wiener Bezirk tätig. Im Sommer 1908 an der Wiener Universität für Geografie habilitiert. Sein Studiengang, speziell die geografische und geologische Schulung bei Albrecht Penk, Eduard Brückner und Eduard Suess in Wien verbürgt eine gründliche Fachausbildung in Geografie. Treffliche länderkundliche Monografien schrieb er mit Die Alpen zwischen Enns, Traisen und Mürz (Dissertation 1900) und Die Halbinsel Istrien (Habilitationsschrift 1907). 

6. Dr. Hermann Walser (1870-1919), Privatdozent in Bern. Lehrer für Geografie am Städtischen Gymnasium Bern. Seit Ende Februar 1909 an der Hochschule Bern habilitiert für Geografie, speziell Anthropogeografie. Bisher ohne akademische Lehrererfahrung. Aufgrund seines Studiengangs, seiner langjährigen Tätigkeit als Fachlehrer für Geografie in den oberen Gymnasialklassen, sowie seiner bisherigen wissenschaftlichen geografischen Publikationen muss der Bewerber unter den jüngeren Schweizer Geografen im Augenblick als der einzige infrage kommende Kandidat für die Berner Professur gelten. Walsers Veröffentlichungen und Besprechungen zur schweizerischen Landeskunde sind in der Fachwelt bekannt und geschätzt. Er verfügt über gute Schweizer Landeskenntnisse. Bedenklich erschien der Fakultät dagegen die im Wesen und Charakter des Bewerbers liegende grosse Schüchternheit im persönlichen Auftreten. Sein *Probevortrag gelang trotz inhaltlicher Qualität in dieser Hinsicht schlecht. Die Fakultät gibt zu bedenken, ob nicht gerade dieser Mangel bei der Abnahme von Prüfungen, bei Studentenexkursionen und bei der Leitungen von Arbeiten im Institut, Nachteile mit sich bringen dürfte. 
*Laut dem Reglement über die Habilitation an der Philosophischen Fakultät der Universität Bern mussten Kandidaten obligatorisch vor der versammelten Fakultät eine Probevorlesung halten. War diese Vorlesung nicht überzeugend, wurde der Kandidat in der Regel abgewiesen.

7. Dr. Fritz Machaček (1876-1957), Privatdozent in Wien. Seit 1904/05 Professor am Maximiliansgymnasium in Wien für Geografie und Geschichte. Seit Sommersemester 1906 an der Universität Wien für Geografie habilitiert. Streng geografische Studien. Für die Berner Professur erscheint der Bewerber begünstigt, da er den Schweizer Jura persönlich gut kennt und sich mit alpiner Geografie beschäftigt hat. 

8. Professor Dr. Hans Steffen (1865-1936). Ab 1883 Studium an der Universität Berlin. Promovierte 1886 mit einer geografischen Studie über Unterfranken. Als Geograf war er Schüler von Alfred Kirchhoff in Halle. Ab 1889 Professor am Pädagogischen Institut von Chile in Santiago. Ein Bewerbungsschreiben lag nicht vor, lediglich ein Empfehlungsschreiben. Wissenschaftliche Arbeiten sandte er keine ein. 

9. Dr. Alfred de Quervain (1879-1927), Privatdozent in Zürich. Im Frühjahr 1905 in Strassburg für Metrologie habilitiert.  Seit Frühjahr 1906 Direktorial-Adjunkt der Schweizerischen Meteorologischen Zentralanstalt in Zürich. Frühjahr 1906 umhabilitiert nach Zürich für Geophysik und Meteorologie. Ein hervorragend begabter und wissenschaftlich tüchtiger Gelehrter. Kommt jedoch für die den ausgeschrieben Lehrstuhl weniger in Frage, da er sich fast ausschliesslich mit Fachmeteorologie befasste und eine Grönlandexpedition plant.[57a]

  

 


Geografieprofessor Hermann Walser, von 1909 bis 1919 am GIUB. Foto: StABE N Walser N3 6.2
Geografieprofessor Hermann Walser, von 1909 bis 1919 am GIUB. Foto: StABE N Walser N3 6.2

Die Philosophische Fakultät schlug der Direktion des Unterrichtswesens Bern am 2. März 1909 zunächst Dr. Gustav Braun und an zweiter Stelle Hermann Walser vor. Dabei räumte sie ein: «Rudolf Zeller wäre der bessere Ordinarius für Geografie, Walser hat noch nie einen akademischen Vortrag gehalten.» Man war bei Gustav Braun kritisch, da die aus Deutschland berufenen Professoren nach kurzer Zeit in ihre Heimat zurückkehrten. Der stetige Wechsel in der Professur schade dem Unterricht. Ausserdem verfügten die ausländischen Professoren über zu wenige geografische Kenntnisse von der Schweiz. Schliesslich einigte sich die Philosophische Fakultät darauf, die Stelle mit einem Schweizer zu besetzen. Die Aufsichtskommission der Lehramtsschule schrieb am 6. März 1909 an die Direktion des Unterrichtswesens des Kantons Bern: «90 bis 95 % aller Zuhörer der Geografie sind Lehramtskandidaten. An der Lehramtsschule ist die Geografie für die Kandidaten der sprachlich-historischen Abteilung obligatorisch. Sie sollte daher auch der Geschichte als Hilfswissenschaft dienen. Wir empfehlen Dr. Walser an erster Stelle. Wir wissen, dass er im Gymnasium mit der Disziplin Schwierigkeiten hatte und dass er seiner Natur nach wenig geeignet ist, böse Buben im Zaum zu halten. Das spielt für die Tätigkeit als Hochschullehrer jedoch keine Rollen. Da Dr. Zeller mehr Geologe als Geograf ist, halten wir Dr. Walser für geeigneter.»[57b]
Nun vollzog sich bei den Berner Behörden ein Umschwung hinsichtlich des Fachs Geografie an der Universität. Möglicherweise stand diese Neuorientierung auch im Zusammenhang mit dem Wechsel von Regierungsrat Gobat von der Direktion des Unterrichtswesens zur Direktion des Inneren im Jahr 1906. Zur Stärkung der eigenen Identität beschlossen die Lehramtsschule und der Regierungsrat, ihre Hochschulgeografen in Zukunft aus einheimischen Gymnasiallehrern zu rekrutieren.[12]  

  

«Mit dem Amtsantritt von Professor Walser am Geographischen Institut der
Universität Bern, erhielt zum ersten Mal ein Schweizer den Lehrstuhl für Geografie.»

cand.phil.nat. André Zinggeler, Hermann Walser: Leben und Werk, 1987, S. 3
     

Vom Privatdozent zum ausserordentlichen Professor

Am 17. März 1909 wurde Walser vom Regierungsrat für eine Amtsdauer von sechs Jahren nicht zum ordentlichen, sondern zum ausserordentlichen Professor (Extraordinarius) für Geografie gewählt. Dies, da sich der «schüchternen» Walser noch nicht über eine akademische Lehrbefähigung ausgewiesen hatte. Er sollte Friederichsens Amt mit der gleichen Sorgfalt und Verantwortung  weiterführen, allerdings zu weit günstigeren Konditionen. Mit diesem «provisorischen Zustand» musste er sich zunächst abfinden.[57g]  Die Zeitung Der Bund gratulierte (20.3.1909): «Der rechte Mann am rechten Ort!» Walser erhielt ein Jahresgehalt von 2.300 Franken. Er war verpflichtet, den Geografieunterricht auch an der Lehramtsschule Bern zu erteilen. (StABE N Walser 3 4.8) Im Schuljahr 1909/10  amtete er als auch Schriftführer im Akademischen Senat der Universität. Dieser umfasste den jeweiligen Rektor (Vorsitzender), sämtliche Professoren und besoldete Dozenten. Rudolf Zeller: «Seine Wahl an die Hochschule war für Walser eine wahre Befreiung, gleichermassen von der Last der vielen täglichen Schulstunden wie von dem Gefühl, den Tücken der Schüler wehrlos gegenüberzustehen. Ganz abgesehen davon war die Hochschule erst der richtige Ort für ihn, um seine grossen wissenschaftlichen und methodischen Fähigkeiten auszuschöpfen. Als Kollege war er schon am Gymnasium und später an der Hochschule aufgrund seiner Schlichtheit und Vornehmheit überaus geschätzt.» [12]

Unter Walser vollzog sich eine deutliche Verlagerung der Lehre der Physischen Geografie hin zur Länder- und Völkerkunde sowie zu Ansätzen einer Allgemeinen Kulturgeographie. Er lehrte nur im Wintersemester unter variierenden Titeln Anthropogeografie. Walsers eigentliches Forschungsgebiet war die Kulturgeografie mit Schwerpunkt auf der Siedlungsgeografie.  Er sorgte dafür, dass sein Kollege Fritz Nussbaum einen bezahlten Lehrauftrag erhielt, um die physische Geografie besser abzudecken. Das Institut war kein Einmannbetrieb mehr. Als Privatdozenten lasen Fritz Nussbaum (ein- bis zwei Stunden) einzelne Kapitel der physischen Geografie und Rudolf Zeller (1869-1940) Völkerkunde.[12] An der Universität konnte Walser seine grosse wissenschaftliche und methodische Begabung nun voll auswerten.  

  

Tschingelgletscher, Gemeinde Lauterbrunnen. Foto: Bildarchiv der ETH Bibliothek Zürich, Ans 11887, Public Domain
Tschingelgletscher, Gemeinde Lauterbrunnen. Foto: Bildarchiv der ETH Bibliothek Zürich, Ans 11887, Public Domain

Schulexkursion ins Berner Oberland

Im Juli 1909 unternahm Hermann Walser mit *Fritz Nussbaum sowie sieben Studentinnen und 21 Studenten der Universität Bern eine zweitägige geografische Exkursion ins Berner Oberland. Der Bund (27.7.1909): «Nach einem Ausflug auf den Harder fuhren sie nach Lauterbrunnen. Nach der Besichtigung der Trümmelbachfälle ging es weiter nach Stechelberg. Nach der Wanderung bezogen sie auf dem oberen Steinberg das Nachtlager. Am nächsten Tag trat die Reisegesellschaft den Aufstieg zum Oberhornsee an. Nun betraten sie den Tschingelgletscher und steuerten über harten Neuschnee die Mutthorn-Hütte an, wo der Hüttenwart sie mit einem willkommenen warmen Trunk erwartete. Nach einer kurzen Rast genossen sie im Petersgrad die wundervolle Aussicht auf die Walliser Gebirgswelt, in deren Vordergrund das Bietschhorn, das Resthorn und das Aletschhorn dominieren. Dann ging es weiter über den zunehmend weicher werdenden Schnee des Kanderfirns zum Alpetligletscher und über die etwas beschwerliche Moräne ins Gasterental. In Heimritz und in Felden wurde das Nachtlager bezogen. Am Samstagmorgen ging es an den beiden Bohrtürmen vorbei, die letzten Herbst zur Sondierung des Lötschbergtracees errichtet wurden. Durch die Kluft wurde Kandersteg erreicht, wo die italienische Kolonie gerade den Jahrestag der Lötschbergtunnel-Katastrophe des Vorjahres feierte. Ein Abstecher zum Oschinensee und ein Besuch des Blausees schlossen die Exkursion ab. Alle Teilnehmer waren hocherfreut über die Belehrungen, die sie von Professor Walser erhalten hatten.» Knapp 30 weitere Exkursionen sollten folgen. Walser führte stets mehrere Karten, einen Fotoapparat, ein Stativ, einen Kompass, sowie ein Tage- und Skizzenbuch mit sich.
*Schulexkursionen der Universität Bern führte Hermann Walser stets gemeinsam mit Fritz Nussbaum (1879-1966) durch. Meistens fanden die Ausflüge Samstags und Sonntags statt.[12]   

  

«Als Lehrer stellte Hermann Walser sich die Aufgabe, Schüler und

Fachgenossen neue Ziele aufzuzeigen und Wege zu weisen

Korrespondenzblatt der Studenten-Verbindung Halleriana bernensis, 6.1.1919, S. 34
     

Jahresbericht der Geogr. Gesellschaft Bern. V: A. Francke
Jahresbericht der Geogr. Gesellschaft Bern. V: A. Francke

Ab 1909 redigierte Walser die Jahresberichte der GgGB (Band 22: 1908-1910 bis Band 24: 1913-1918), die im Verlag A. Francke erschienen.[1] Am 16. August 1909 wurde er von der Direktion des Unterrichtswesens des Kantons Bern zum Mitglied der Maturitätsprüfungskommission für die Fächer Geografie und Statistik gewählt. (StABE N Walser 3 4.11) In diesem Amt galt er als «gefürchtet!». Im August 1909 reiste er nach Livorno und anschliessend in die Toskana.[19] Am 2. Oktober 1909 bat Hermann Walser die Direktion des Unterrichtswesens des Kantons Bern für die Instanthaltung der Unterrichtsbetriebsmittel am GIUB um den einmaligen Betrag von 250 Franken. «Zur Stunde fehlt so gut wie alles. Für die Vorlesungen braucht es Diapositivbilder zur Kulturgeografie von Europa und der Schweiz. Mit der Hilfe eines fotografischen Fachmanns könnten etwa 100 Bilder in kürzester Zeit beschafft werden. Auch die bisherige Lichtquelle der fotografischen Dunkelkammer müsste farblich verbessert werden.»[57c] Dem Gesuch wurde stattgegeben. Das GIUB erhielt 200 Franken.[57d]

Am 18. Dezember 1909 hielt er im Grossratssaal in Bern für den Kaufmännischen Verein den Vortrag Von ozeanischen Häfen und Städten.  Der Bund (19.12.1909): «Walser sprach über die Bedeutung des Meeres, der Flussmündungen und Häfen für Handel und Verkehr. Er erläuterte auch die geografischen und geologischen Unterschiede der Küsten. Walser zeigte eine Reihe von Projektionsbildern von Seehäfen und Städten. Zu sehen waren unter anderem ein Elbehafen mit seinen riesigen Lastkähnen, der Binnenhafen in Rotterdam, die Hafenstädte Ålesund und Bergen, die schottische Küste sowie die modernen Hafenanlagen von New York und Singapur. Zum Abschluss wurden die alten Handelsstädte Nizza und Genua gezeigt.» 

 

Walser-Vorlesungen an der Universität Bern im Wintersemester 1909/10:

Philosophische Fakultät
1. Allgemeine Geografie II. Teil: Anthropogeografie
2. Geografie der Schweiz
3. Länderkunde von Europa
4. Repetitorium
5. Kolloquium
6. Anleitung zum selbständigen Arbeiten

   

Lehramtsschule
7. Allgemeine Erdkunde II. Teil: Anthropogeografie
8. Geografie der Schweiz
9. Länderkunde von Europa
10. Repetitorium der Geografie [35]

 

  


Zur Geographie der politischen Grenzen. V: Honegger’sche Buchdruckerei, St. Gallen, 1910. Sammlung Nationalbibliothek Bern.
Zur Geographie der politischen Grenzen. V: Honegger’sche Buchdruckerei, St. Gallen, 1910. Sammlung Nationalbibliothek Bern.

Geographisch-politische Schrift zu natürlichen und künstlichen Grenzen 

1910 erschien Walsers Arbeit Zur Geographie der politischen Grenzen. Im Vorwort erwähnt er Friedrich Ratzels politische Geografie, «in der erstmals eine auf biologischem und geografischem Fundament aufgebaute Lehre der Staatsgrenzen entwickelt wurde. Das Wesen einer politischen Grenze besteht aus drei Beziehungen: 
1) ihr Sinn und Zweck als Anfang respektive Ende der Staatsmacht
2) ihre äussere Form 
3) ihr Verlauf über Land und Wasser der Erdoberfläche. 
Eine für den Geografen natürliche Grenze wandelt sich im Laufe der allgemeinen Kulturentwicklung in Form und Gestaltung. Für die Ausbreitung eines Staates gibt es keine natürlichen Grenzen. Wie sollen wir nun den relativen Begriff der natürlichen Grenze genau erfassen?» Keine leichte Frage, die Walser sich für seine Aufgabe stellte und in seinem Werk zu beantworten versuchte. Auf gerade einmal 18 Seiten bietet er den Lesern einen aufschlussreichen und verständlichen Einblick in die weltweite Entstehungen von Grenzen: «Auf dem Genfersee ist seit 1564 eine künstliche Mittellinie vertraglich vereinbart. Im Frieden von Lunéville im Jahr 1801 glaubte die Diplomatie, im sogenannten Talweg eine hinreichend gute Flusslinie als Grenze bestimmen zu können: Le Talweg du Rhin formera la limite entre la France et les Etats de l’Allemagne heisst es mit fast wörtlicher Übereinstimmung in den Vertragsinstrumenten von Lunéville, Paris und Wien. Seither ist der Talweg ein Terminus des Völkerrechts. Eine Grenze wurde nach langem Streit die ehedem russische, jetzt vereinsstaatliche Grenze Alaskas gegen British Columbia zwischen dem Elias-Gebirge und dem Portland-Kanal. Im russisch-britischen Vertrag von 1825 wurde die Grenze ohne jede genaue topographische Kenntnisse durch die Formel festgelegt, dass sie entlang der die Küsten begleitenden Gebirgskämme verlaufen sollte, jedoch nicht weiter als 30 nautische Meilen (10 alte Marine leagues) von der Einbuchtung des Meeres entfernt. Aus der Unklarheit und dem sprachlichen Unterschied der beiden Vertragstexte schöpften beide Parteien später gegenläufige Ansprüche auf grosse Gebiete, in denen weder die Lage der gemeinten Bergkämme und noch weniger die der Enden oder Anfänge von Meeresbuchten mit hinreichender Klarheit bestimmt werden konnten. Die Rechtsnachfolger der Russen, die Amerikaner, nahmen die tief ins Festland einschneidenden Enden der Fjorde, die Engländer aber die äussere Küstenlinie als Basis des 30 Meilenstreifens an. Letztere Auffassung musste schliesslich hauptsächlich deswegen zurückstehen, weil dann von einer eigentlichen Gebirgsgrenze, wie sie doch vorgesehen war, nicht mehr hätte gesprochen werden können.» 

   

«Für meine Arbeit Umrisse einer Wirtschafts- und Siedlungsgeographie des Berner Jura nahm sich

Hermann Walser meiner damals noch ungeordneten Arbeit an. Durch alle Schwierigkeiten und

Verzögerungen ist er mir mit viel Geduld helfend und beratend zur Seite gestanden.»

Helene Bretschneider-Grütter, Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft Bern, Bd. 23
     

Kommissionsmitglied und Mitarbeiter für den Schweizerischen Mittelschulatlas
1898 ergriff Dr. August Aeppli (1859-1938), Geografielehrer an der Kantonsschule Zürich, die Initiative für dieses Projekt. Da Hermann Walser der Redaktionskommission angehörte, war die Erstellung des Atlas aus methodisch-geographischer Sicht in ausgezeichneten Händen. Walser erhielt zudem den Auftrag, Karten zur Volksdichte zu erstellen. Als Quelle benutze er für die Schweiz das Geographische Lexikon, für Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Grossbritannien, die Niederlande und Dänemark Lehmann & Petzold, Schulatlas, Sievers (Philippson) Europa. Für Russland, Europa, Asien, Afrika, Nord- und Südamerika, Australien und die ganze Erde Supans Bevölkerung der Erde und Sievers Allgemeine Länderkunde. Neben der Darstellung der Volksdichte durch Farbtöne enthalten diese Karten noch eine Vielzahl von Ortszeichen, die nach der Grösse der Orte abgestuft sind. Dies beruhte auf Supans Bevölkerung der Erde.[37] Erst 1910 konnte der Atlas fertiggestellt werden.

  

Walser-Vorlesungen an der Universität Bern im Sommersemester 1910:

Philosophische Fakultät
11. Allgemeine Geografie I (Physikalische Geografie)
12. Länderkunde von Amerika
13. Geografisches Kolloquium
14. Geografische Exkursionen 

  

Lehramtsschule
15. Länderkunde von Nord-Amerika
16. Allgemeine Geografie I (Physikalische Geografie) [35]

  

   


Antrag zum ordentlichen Professor
Im März 1910 stellte Walser bei der Direktion des Unterrichtswesens des Kantons Bern den Antrag ordentlicher Professor zu werden. «Im Geiste meines hervorragenden Vorgängers führte ich sein Amt fort. Ich halte die Vorlesungen mit derselben Gründlichkeit und denselben Bemühungen ab und bringe die Schüler in speziellen Übungen und Vorlesungen auf dasselbe ansehnliche Niveau. Ich schliesse daraus, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde, um der hohen mir gestellten Aufgabe gerecht zu werden. Daher gebe ich mich der Hoffnung hin, dass meine Stelle nun in eine ordentlichen Professor umgewandelt werden könne. Das erste Amtsjahr zeigte, wie mannigfaltige Anforderungen von finanzieller Tragweite gerade mit meiner Professur verknüpft sind. Meine persönlichen Verhältnisse in Betracht ziehend, sehe ich in jenen Anforderungen eine Belastung und Sorge, die nur durch die mit der ordentlichen Professur verbundene Besserstellung behoben werden können. Es wäre für mich eine niederdrückende Vorstellung, wenn die Leistungsfähigkeit eines Lehramtes, auf welches meine Vorgänger so viel Ansehen häuften, unter der Knappheit der äusseren Mittel leiden müsste.»[57e]
Am 26. Juni 1910 unternahm er eine Exkursion zum Doubs. Am 28. August 1910 führte ihn seine Tour nach Düdingen und Murten. Am 8. Dezember 1910 hielt Walser den akademischen Vortrag Geografische Grundlage schweizerischer politischer Entwicklung in der Aula der Universität Bern.[36]  

   

Walser-Vorlesungen an der Universität Bern, Wintersemester 1910/11:

Philosophische Fakultät
17. Allgemeine Geografie II, mit besonderer Berücksichtigung der Kulturgeografie
18. Geografie der Schweiz
19. Geografie von Europa
20. Geografisches Repetitorium
21. Geografisches Kolloquium
22. Übungen in Geografie und Kartenkunde

  

Lehramtsschule
23. Allgemeine Erdkunde II, mit besonderer Berücksichtigung der Kulturgeografie
24. Geografie der Schweiz
25. Länderkunde von Europa
26. Repetitorium der Geografie  [35]

  

   

   


Wahl zum ordentlichen Professor, 14.5.1910. StABE, N Walser 3 4.9
Wahl zum ordentlichen Professor, 14.5.1910. StABE, N Walser 3 4.9

Ordinarius für Anthropogeographie
Nachdem Hermann Walser am 14. Mai 1910 zum Ordinarius (ordentlicher Professor) für Anthropogeographie ernannt wurde, trat er die Stelle am 1. Januar 1911 an. Somit erhielt er das höhere Jahresgehalt von 5.000 Franken (StABE N Walser 3 4.9).

Als Vorsteher und Professor des GIUB, hütete er diese Einrichtung mit grosser Sorgfalt. Am 31. Januar 1911 schrieb er an die Unterrichtsdirektion des Kantons Bern: «Obwohl eines der kleinsten, erfordert das Geographische Institut aufgrund der unentbehrlichen Literatur-, Anschauungs- und Übungsmittel doch einen nicht geringen Aufwand. Erfreulicherweise vermehrt sich unsere Sammlung durch eine Reihe von Geschenken. Dennoch sind noch einige dringende Wünsche offen. Umso mehr freut es mich, von Ihrer lieben Behörde für das Jahr 1911 einen etwas höheren Kredit zur Verfügung gestellt zu bekommen. Dies ermöglicht etwa die Beschaffung bzw. Ersetzung einiger Apparate für die Übungen in mathematischer Geografie sowie für die Exkursionen. Dürfte ich hoffen, dass sich später noch ein etwas höherer Betrag budgetieren liesse, um eine Hilfskraft einzustellen?»[57f] Die Unterrichtsdirektion winkte ab.[57h] 1911 besuchte er am 14. Mai Schwarzenburg, am 18. Juni Hohliebe, am 9. Juli den Jura, am 25. Juli Sörenberg und das Schneehorn und am 14. August das Aostatal.

  

Der Riesentopf bei Althaus. Foto: Dr. Emil Hugi, Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Bern 1913, Bern 1914, S. 255
Der Riesentopf bei Althaus. Foto: Dr. Emil Hugi, Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Bern 1913, Bern 1914, S. 255

Ein seltener Zeuge der Vergangenheit

Am August 1911 wanderte Hermann Walser hinauf zum Löhlisberg und fand einen Forstweg, der auf der Karte nicht verzeichnet war. Nach wenigen Schritten stiess er dort auf einen bis dahin kaum beachteten Riesentopf. Walser: «Diese Spezialform von Sprudellöchern gehört zu den schönsten und in ihren charakteristischen Merkmalen auch dem Laien leicht verständlichen Gebilden der Erosion der Landoberfläche.  Der Bannwart der Staatsdomäne im Köniztal, zu welcher der Löhlisberg gehört, verwendete den Schotter der Hohlform für eine Kiesgrube und für den Wegbau. Durch die Forstorgane entdeckte ich noch eine zweite «Kiesgrube», eine Moräne, die bisher nicht kartiert war. Anlässlich der mündlichen Mitteilung meiner Beobachtungen in der Sitzung der Naturforschenden Gesellschaft im Januar 1913 wurde die Frage der Schonung und Konservierung des Riesentopfes gegenüber schädlichen Wirkungen der Verwitterung und des Verkehrs auf dem Forstweg besprochen. Der Vorstand des bernischen Naturschutzvereins tat sich mit dem der Naturforschenden Gesellschaft zusammen bezüglich eines Gesuchs an die Verwaltung des Forstkreises Mittelland. Die Gefahr der Zertrümmerung der von der Frostspalten sowie angegriffenen Schraubengänge durch Holzfuhren konnte mit der Setzung eines starken Prellsteins abgewendet werden.» Walser besprach den Fund 1913 in einem Artikel für die Naturforschende Gesellschaft mit dem Titel Der eiszeitliche Riesentopf bei Althaus im Köniztale bei Bern. Die Bilder dazu fotografierte sein Freund, Professor Emil Hugi. [14] Am 20. Mai. 1918 notierte Walser in sein 32. Reisetagebuch: «Ich sehe meinen Riesentopf von Althaus wieder. Er ist in einem erbarmungswürdigen Zustand. So schnell fällt in der Luft zusammen, was im Dunkel der Kiesfüllung die Jahrtausende überdauerte.» (StABE N Walser 2.32) 

 

Am 8. Dezember 1910 hielt Walser den akademischen Vortrag Geografische Grundlage schweizerischer politischer Entwicklung in der Aula der Universität Bern.[36] Dies Grundlagen die er analysierte, beruhten massgeblich auf der zentralen Alpenlage, der Rolle der Alpenpässe als Nord-Süd-Verbindungen und der damit verbundenen politisch-kulturellen Schnittstellenfunktion. Diese topographischen Faktoren beeinflussten Siedlungsmuster, Handelswege und die Entstehung der Eidgenossenschaft massgeblich. Damals verbreitete sich die Meinung, die Schweiz sei als Passstaat am Gotthard entstanden. Walser lehnte diese Auffassung jedoch mit guten Gründen ab. Der Bund (13.12.1910) lobte: «Der Vortrag hielt an Reichhaltigkeit und Fülle Erstaunenswertes bereit. Der Bund von 1291 war mitbedingt durch eine Reihe von Faktoren des Bodenbaus und der Bodenausgestaltung. Walser wies auf die ausgedehnten Waldgebiete hin, in die unternehmende Elemente der Vorlandbevölkerung schrittweise vordrangen und sich zu einer Landsgemeinde im demokratischen Sinn vereinigten.» Die Zeitung äusserte jedoch Bedauern darüber, dass «durch Walsers leise Stimme manche Information verloren ging». Im Februar 1911 erschien nun in der Zeitschrift Wissen und Leben sein Vortrag in gedruckter Form.  Der Bund (8.2.1911) verstand diesmal alles: «Eine ausserordentlich interessante Studie. Vielen Lesern wird es gewiss neu sein, die geschichtliche Entwicklung der Schweiz so originell und doch auch so einleuchtend aus den Bodenverhältnissen des Landes erklärt zu finden.» 

1911 beauftragte die Amerikanische Geographische Gesellschaft die GgGB, Schweizer Delegierte für eine transamerikanische Exkursion zu benennen. Am 3. Oktober wurde Walser zum Delegierten Berns ernannt. 1912 trat er von diesem Amt zurück.[49]

  

Walser-Vorlesungen an der Universität Bern, Sommersemester 1911:

Philosophische Fakultät
27. Allgemeine Geografie I: Physische Geografie
28. Länderkunde von Asien
29. Geografische Exkursionen
30. Geografisches Kolloquium

   

Lehramtsschule
31. Länderkunde von Asien
32. Allgemeine Geografie I: Physische Geografie [35]

  

   

   


Aufenthalt in Rom und Neapel (1911)

 Im Oktober 1911 war Walser in Rom. Er sollte dort für die GgGB den Internationalen Geographen-Kongress vertreten, der aber abgesagt wurde. Walser nutzte die Gelegenheit, Italien kennenzulernen und reiste nach Neapel. Auf dem Rückweg besuchte er seinen Bruder Oscar im Tessin.[6]

 

Walser-Vorlesungen an der Universität Bern, Wintersemester 1911/12:

Philosophische Fakultät
33. Allgemeine Geografie II: Geografie des Menschen 
34.Geografie der Schweiz
35. Geografie von Europa 
36. Kartenkundliche Übungen
37. Geografisches Kolloquium
38. Repetitorium der allgemeinen und speziellen Geografie

   

Lehramtsschule
39. Geografie von Europa
40. Repetitorium der Geografie
41. Allgemeine Erdkunde II: Geografie des Menschen
42. Geografie der Schweiz [35]

  

   

  


Am 7. März 1912 hielt er für die GgGB den Vortrag Eine geographische Streiferei durch Mittelitalien. Der Bund (8.3.1912) berichtet: «Ausgehend von einer Parallele zwischen dem unteren Rhonetal und dem Tal der Dora Baltea, führte Walser seine Zuhörer mithilfe seiner Projektionen durch die Poebene ins Apennin-Gebiet. Er schilderte die typischen Erscheinungen der mittelitalienischen Gebirgslandschaft. Vor allem die Frane,  diese tiefgehenden Erdrutsche, welche in ihrer Häufigkeit eine Landplage bilden, streckenweise die Bewohner zur Auswanderung treiben, alte Städte mit langsamem Untergang bedrohen. Er sprach von den mit einförmiger Macchia bedeckten Hügeln der Toskana,  von ihren Borsäuredampfquellen, ihren Kupferbergwerken, ihrem Sumpfgebiet, in dem Moskitos als Träger der Malaria heimisch sind. Dann kamen Rom und seine Umgebung an die Reihe. Man wanderte den Tiber entlang, dessen wechselnder Wasserstand die Schifffahrt erschwert, durchstreifte die Albanerberge und die Campagna mit ihren weidenden Herden und den zur Fuchsjagd reitenden Aristokraten.» Am 21. Juli 1912 unternahm er die Exkursion Taubenlochschlucht - Pierre Pertuis, am 13. Juli eine Exkursion ins Gotthardgebiet. Im August folgte die Tour Combe Lajoux, am 30. August Saanemöser-Sanetssch-Visp. Am 10. Oktober 1912 war er in Paris.[19]

  

Walser-Vorlesungen an der Universität Bern, Sommersemester 1912:

Philosophische Fakultät
43. Allgemeine Geografie I: Physikalische Geografie
44. Geografie von Afrika
45. Geografisches Kolloquium (für Vorgerückte)
46. Geografische Exkursionen

   

Lehramtsschule

47. Länderkunde von Afrika
48: Allgemeine Geografie I: Physikalische Geografie [35]

  

   

  


Vorträge zur Wirtschaftsgeografie an der Universität Bern
Georges Grosjean: «Die Wirtschaftsgeografie war lange Zeit ein dünn vertretenes Thema. Walser griff es nach langem Unterbruch im Wintersemester 1912/13 in Vorlesungen wieder auf. In den folgenden fünf Semestern wurden Allgemeine Wirtschaftsgeografie und Wirtschaftsgeografie der Alpenländer im Wechsel angeboten, später gab es alle zwei Semester eine wirtschaftsgeografische Lehrveranstaltung. Walser behandelte die Wirtschaftsgebiete der Erde unter dem Aspekt der Naturraumabhängigkeit.» [12]

  

Walser-Vorlesungen an der Universität Bern, Wintersemester 1912/13:

Philosophische Fakultät
49. Allgemeine Geografie II: Die Erde und der Mensch
50. Kulturgeografie der Schweiz
51. Geografie der europäischen Länder
52. Allgemeine Wirtschaftsgeografie
53. Repetitorium der Geografie
54. Kartografische und Geografische Übungen. In Verbindung mit Pd. Fritz Nussbaum (kostenlos)
55. Geografisches Kolloquium (für Vorgerückte, kostenlos)

   

Lehramtsschule

56. Allgemeine Erdkunde II: Geografie des Menschen
57. Geografie der Schweiz
58. Geografie von Europa
59. Repetitorium der Geografie

Juristische Fakultät
60. Allgemeine Wirtschaftsgeografie [35]

 

  


Bibliographie der schweizerischen Landeskunde  
An der Sitzung vom 30. März 1912  berichtete die «Zentralkommission für schweizerische Landeskunde» über den Stand der Arbeit zur Bibliographie der schweizerischen Landeskunde.  Da der Naturforscher Forel wegen Krankheit verhindert war, konnte er sein Werk Die Seen der Schweiz nicht vollenden. Daraufhin übernahm Walser die Korrekturen und die letzte Durchsicht. Forel verstarb im Sommer 1912 und Walser schloss seine Arbeit 1913 ab.[38]

Förderer von Dr. Eugen Bader
Hermann Walser wurde vom Regierungsrat beauftragt, eine Dissertation über das Thema Eine Orometrie des Kantons Bern anzufertigen. Die Arbeit zur «gründlichen Abklärung der morphologischen und geologischen Verhältnisse des Lebensraums der Bergbewohner» übertrug er dem Mittelschullehrer Eugen Bader (1892-1980). Zu diesem Zweck besuchte Bader 1913 die Technische Hochschule Berlin. Nach Abschluss dieser Arbeit stand ihm eine wichtige staatliche Stelle in Aussicht. Ab 1915 unterrichtete Bader 40 Jahre am Progymnasium in Thun.[29]  

  

Vizepräsident der Geographischen Gesellschaft Bern
Von 1913 bis 1915 war Hermann Walser Vizepräsident der GgGB. Am 17. Februar 1913 beschloss die Gesellschaft von Bern die Herausgabe eines Zentralorgans. Zu diesem Zweck wurde eine Spezialkommission ernannt, die aus Hermann Walser, Direktor Held und Ingenieur Schüle bestand. Das Thema war ein ständiges Traktandum, besonders im Zentralkomitee und an den Verbandstagen. Die Bemühungen waren jedoch umsonst und schliesslich sah man 1922 davon ab, ein Zentralorgan auf Rechnung des Verbandes herauszugeben.[8]   
1913 hielt sich Hermann oft in Bellelay auf und besuchte Lisa. Vom 27. März bis zum 3. April 1913 vertrat er die GgGB in Rom. Im Sommer 1913 hielt er eine Vorlesung über die Wirtschaftsgeografie der Alpenländer, die folgende Schwerpunkte erfasste:
- Aufzählung der Gebiete
- Wechselbeziehung zwischen Natur und Urproduktion
- Klima
- Anbau
- Verkehr.[19]
Am 4. April 1913 besuchte er Österreich. Danach wanderte er in der Haute-Provence und unternahm am 24. Juli 1913 eine Exkursion ins Lötschental. Am 6. Oktober 1913 hielt er an der 52. Jahresversammlung des Vereins Schweizerischer Geografielehrer  in Baden einen Vortrag über Stand und Aufgabe der Siedlungsgeographie der Schweiz. Zu dieser Zeit herrschte noch immer eine recht unklare Vorstellung vom anthropologischen Oberbau der Länderkunde. Walser, der seinen Vortrag durch Lichtbilder illustrierte: «Die Siedlungsgeografie bezweckt, eine einzelne Siedlung mit ihrer Stelle, mehr noch ein Komplex von Siedlungen mit ihrem Land, in Beziehung zu setzen und daraus allgemeine Wechselbeziehungen abzuleiten, die den Gesetzmässigkeiten unseres Planeten anzugliedern wären.»[7] Walser entwarf dazu ein Programm, das für die schweizerische geografische Arbeit langfristig wegweisend war. Die darin aufgestellten Forderungen erfüllte er sich mit der von ihm entworfenen Karte der Höhenregionen der Siedlungen, die bei Kümmerly und Frey erschien. An der Dezembersitzung 1913 der Sektion Bern des SAC machte er die zahlreichen Klubisten mit den geografischen Eigentümlichkeiten der französischen Alpen (Savoyen, Dauphiné und Provence) vertraut.[4]  

  

Walser-Vorlesungen an der Universität Bern, Sommersemester 1913:

Philosophische Fakultät
61. Allgemeine Geografie I: Physikalische Geografie
62. Geografie von Amerika und Australien
63. Wirtschaftsgeografie der Alpenländer
64. Geografisches Kolloquium (unentgeltlich)
65. Geografische Exkursionen in Verbindung mit Pd. Fritz Nussbaum (unentgeltlich)

 

Lehramtsschule

66. Allgemeine Geografie I: Physikalische Geografie
67. Geografie von Amerika und Australien 

Juristische Fakultät
68. Wirtschaftsgeografie der Alpenländer [35]

  

   


Im Jahresbericht der GgGB 1913-1918 veröffentlichte A. Spreng, Lehrer für Wirtschaftsgeografie an der Städtischen Töchterhandelsschule in Bern, den Artikel Von der Schweiz zum Meer, Verbindungswege und Hafenplätze. In der Einleitung bedankte er sich bei Hermann Walser: «Im geografischen Kolloquium der Hochschule Bern, wo ich mich unter der bewährten Leitung von Prof. Walser mit Vorliebe Werken und Arbeiten über Meereshäfen und Weltverkehr zuwandte, nahm ich mit Freude die Anregung des verehrten Lehrers und Freundes entgegen, mich mit der Beziehung der wichtigsten Hafenplätze des westlichen Europa zur Schweiz zu befassen. Von massgebenden Männern der Praxis wurde ich teilweise davon abgeraten, mich an eine so schwierige Arbeit zu machen, da ja in der schweizerischen Statistik nähere Angaben über den Verkehr mit den einzelnen Hafenplätzen fehlen.»

 

Walser-Vorlesungen der Universität Bern, Wintersemester 1913/14:

Philosophische Fakultät
69. Allgemeine Geografie II: Geografie des Menschen
70. Kulturgeografie der Schweiz
71. Geografie von Europa
72. Allgemeine Wirtschaftsgeografie
73. Seminar: Abwechselnd Kartografische und Referierübungen (Kolloquium)
74. Repetitorium der Geografie

  

Lehramtsschule

75. Geografie von Europa
76. Repetitorium der Geografie
77. Allgemeine Erdkunde II: Geografie des Menschen
78. Geografie der Schweiz [35]

  

   

   

  


Skifahren mit Fanny und Dr. Jung
Ab dem 30. Dezember 1913 befand sich Hermann Walser zum Skifahren in Grindelwald und verbrachte den Silvesterabend bei einer kinderreichen Familie. «Es hat leichten Schneefall und ist bitterkalt. Nachmittags minus 10 Grad, nachts fast minus 30 Grad. Skiübungen mit Fanny beim untersten Hüttchen vor Schwendi. Ich übe, wie man aus den Kurven aussteigt, und probiere einen kleinen Sprunghügel aus. Am Nachmittag gehe ich mit Fanny den oberen Gletscher hinauf, bis die Rundsicht übers Tal tadellos ist. Weiter bis zur Gletscherzunge. Der Block, den ich 1903 gesehen habe, ist im Spaltengewirr verschwunden. Am nächsten Tag fahre ich mit Dr. Jung vom Männlichenweg ab.» (27. Reisetagebuch, 1913 StABE N Walser 2.27)

 

1914 erschien eine verbesserten Auflage sein Buches Landeskunde der Schweiz (Sammlung Göschen). Dabei wurde das statistische Material aktualisiert und die Darstellung modernisiert. Am 10. April 1914 weilte er in Oberitalien. Am 23. Juli machte er die Exkursion Martigny-Col de Balme. Im August 1914 hielt er im Ferienkurs für Lehrer an Handelsunterrichtsanstalten, für Kaufleute und Beamte den Vortrag Geografische Bedingtheit schweizerischer Städte. Für die Behandlung seines Themas, ging er von der Stadt Bern aus. Am 1. September 1914 war er mit Fanny in Freiburg, Jaun und Saanenmöser. Am 20. Dezember war er in Toffen und Uttigen. [19]  

  
Inspektion in Lauterbrunnen
Nachdem Lauterbrunnen von einem Bergsturz heimgesucht worden war, inspizierte Walser am 30. September 1914 mit einigen Experten den Ort des Geschehens. Er kam zu dem Schluss, dass Lauterbrunnen zwar durch weitere Erd- und Felsstürze bedroht war, die Gegend jedoch durch technische Eingriffe geschützt werden könne. Seine Erfahrungen veröffentlichte er in verschiedenen Zeitschriften unter dem Titel Über die Lauterbrunner Bergsturzgefahr

  

Walser-Vorlesungen Universität Bern, Sommersemester 1914: 

Philosophische Fakultät
79. Länderkunde von Asien
80. Geografisches Seminar: abwechselnd Kartenkundliche Übungen (für Anfänger) und Kolloquium (für Vorgerückte)
81. Geografische Exkursionen (in Verbindung mit Pd. Fritz Nussbaum)
82. Wirtschaftsgeografie der Alpenländer
83. Allgemeine Geografie I: Physikalische Geografie

  

Lehramtsschule

84. Allgemeine Geografie I: Physikalische Geografie
85. Geografie von Asien  [35]

  

   

   

   

  

    


«Den Satz, der Hermann Walser in einem seiner Werke schrieb: ‹Die Schweiz ist

arm an Nährboden› hat zur Kriegszeit eine traurige Bedeutung erhalten. Arm

sein an Nährboden bedeutet arm sein an eigenen Lebensmitteln.»

Zentralblatt des Schweizerischen gemeinnützigen Frauenvereins, 20.7.1917, S. 1
     

Grenzbesetzung 1914. Foto: Bildarchiv der ETH-Bibliothek Zürich, Fel 017058-RE, Public Domain
Grenzbesetzung 1914. Foto: Bildarchiv der ETH-Bibliothek Zürich, Fel 017058-RE, Public Domain

Hermann Walser: «Geografisch, ethnografisch und politisch zugleich betrachtet, kann die Schweiz in den Kriegsjahren gar nichts anders sein als eine internationale Grenzmarke zwischen Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien. Die Schweiz ist ein deutsch-französischer Verbindungsstaat oder sie ist es nicht. Die Alpenschweiz ist deutsch-romanisch-italienisches Verbindungsland, oder sie ist es nicht. Vielleicht gerade aus der Erkenntnis, dass alle Völker denselben harten und grausamen Naturgesetzen unterworfen sind, schöpft die Menschheit eines Tages neu den Glauben, dass sie zur Menschlichkeit bestimmt ist. Eine friedensuchende, für die Kultur des Erdteils heilsame Neutralität aufrechtzuerhalten, ist für unseren Kleinstaat der einzige Ruhm, den er in dieser schweren, grossen Zeit erstreben kann.» Walsers Worte wurden im Zweiten Weltkrieg im Bieler Tagblatt (14.8.1944) erneut aufgegriffen.[21]  

 

Protokollführer und Sekretär der Philosophischen Fakultät

1914/15 amtierte Hermann Walser als Protokollführer und Sekretär beider Abteilungen der Philosophischen Fakultät. In dieser Funktion hatte er die traurige Aufgabe, über die im Krieg gefallenen Doktoranden zu schreiben. An den Sitzungen beteiligten sich Dekan Arthur Weese, OP für Kunstgeschichte (1868-1934), Harry William Carl Maync, OP für deutsche Sprache und Literatur (1874-1947), Anna Tumarkin, AOP für Philosophie (1875-1951), Karl Jaberg, OP für romanische Philologie, Italienisch und Literatur (1877-1958), Alexander Tschirch, OP für Pharmakognosie und gerichtliche Chemie (1856-1939), Fritz Ephraim, AOP für analytische Chemie (1876-1935), Naum Reichesberg, OP für Statistik und Nationalökonomie (1867-1928), Otto Schulthess, PD für klassische Philologie (1862-1939), Wolfang Friedrich von Mülinen, AOP für Schweizergeschichte und Heraldik (1863-1917), Paul Häberlin, OP für Philosophie (1878-1960), Emil Hugi, OP für Petrographie und Mineralogie (1873-1937) und Emil August Göldi, AOP für Zoologie und Biologie (1859-1917).[62]

  
Walser-Vorlesungen an der Universität Bern, Wintersemester 1914/15:

Philosophische Fakultät
86. Allgemeine Geografie II: Geografie des Menschen
87. Geografie der Schweiz
88. Länderkunde Europas
89. Allgemeine Verkehrs- und Handelsgeografie
90. Geografische Übungen mit gelegentlichen Exkursionen und Kolloquium
91. Repetitorium der Geografie

  

Lehramtsschule

92. Allgemeine Erdkunde II: Geografie des Menschen
93. Geografie der Schweiz
94. Geografie von Europa
95. Repetitorium der Geografie [35]

  

   

  

  


Walser amtierte von 1915 bis 1919 wieder als Präsident der GgGB. «In den Kriegsjahren musste unsere Gesellschaft froh sein, sich angesichts des auf allen lastenden Drucks aufrechterhalten zu können. Die Herabsetzung des Jahresbeitrags und der Ausfall des Beitrags der kantonalen Unterrichtsdirektion führten zu sehr geringen Einnahmen. Es gilt, bis zu besseren Zeiten auszuharren.»[11] Am 1. Februar 1915 hielt er für die Gesellschaft den Vortrag Neues aus der Antarktika

  

Henri Moser, Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät Bern. Foto: Wikipedia, Gemeinfrei
Henri Moser, Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät Bern. Foto: Wikipedia, Gemeinfrei

Antrag für die Ehrenpromotion von Henri Moser
1915 stellte Hermann Walser bei der I. Abteilung der Philosophischen Fakultät den Antrag, Henri Moser (1844-1923) zum Ehrendoktor zu ernennen. Walser erzählte, wie diese Anregung zuerst vom Vertreter der Kunstgeschichte aufgenommen wurde. Das Reglement der I. Abteilung erforderte jedoch eine dreimonatige Frist zwischen Nomination und Verleihung. Mit Rücksicht auf das hohe Alter des zu Ehrenden Vertreters der Ethnografie und Geografie, wurde der Antrag an die II. Abteilung weitergereicht. Mosers geografische Erforschung Zentralasiens hervorliegend, verlas Walser ein Gutachten von Dr. Zeller über Mosers wissenschaftliche Bedeutung der orientalischen Sammlung, die er dem historischen Museum 1914 geschenkt hatte. Er beantragt, dass die Fakultät folgenden Beschluss fasste: «Die Fakultät verleiht Henri Moser, wohnhaft auf Schloss Charlottenfels in Schaffhausen den Ehrendoktor-Titel für seine ausgezeichneten Verdienstes um die geografische, ethnografische und kunstgeschichtliche Erforschung des asiatischen Orients. Zudem dankt sie ihm für seine hochherzig geschenkte Sammlung an das Historischen Museum, die die Forschungen am Platz Bern bedeutsam bereichern wird.» Walsers Antrag wurde einstimmig angenommen und Henri Moser am 20. November 1915 zum Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät ernannt.[62]  

  

Ausflüge 1915: Schwarzenburg (18. März, mit Arbenz), Brienz (23. Mai), Biel und Frinvillier (4. Juli), Freiburg und Belpberg, Kiental, Petersgrat (29. Juli), Leissigen (6. August), Stalden und Zermatt (10. September), Grindelwald, Lauterbrunnen (23. Oktober) und das Seeland (12. Dezember) [19]   

  

 Walser-Vorlesungen an der Universität Bern, Sommersemester 1915: 

Philosophische Fakultät
96. Allgemeine Geografie I (Physikalische Geografie)
97. Länderkunde des asiatischen Orients und Afrikas
98. Geografisches Seminar: Abwechselnd Praktikum und Kolloquium
99. Geografische Exkursionen (in Verbindung mit Pd. Fritz Nussbaum)

  

Lehramtsschule

100. Allgemeine Geografie I (Physikalische Geografie)
101. Länderkunde des asiatischen Orients und Afrikas [35]

  

   

  

 

  


Exkursion von Hermann Walser, 1915. Foto: StABE N Laederach 15
Exkursion von Hermann Walser, 1915. Foto: StABE N Laederach 15
Exkursion von Hermann Walser, 1915. F: StABE N Laederach 15
Exkursion von Hermann Walser, 1915. F: StABE N Laederach 15

 Walser-Vorlesungen an der Universität Bern, Wintersemester 1915/16: 

Philosophische Fakultät
102. Allgemeine Geografie II: Anthropogeografie
103. Geografie der Schweiz
104. Länderkunde von Europa
105. Repetitorium der Geografie
106. Geografisches Seminar: Praktikum und Kolloquium 

  

Lehramtsschule

107. Allgemeine Erdkunde II: Geografie des Menschen
108. Geografie der Schweiz 
109. Geografie von Europa
110. Repetitorium der Geografie [35]

  

  


An der Sitzung der Gesamtfakultät vom 21. Februar 1916 verlor Hermann Walser die Wahl zum Dekan 1916/17 mit 4:10 Stimmen gegen Professor Moser.[62]

 

Touren

Am 20. März 1916 war er in Les Rangiers, am 9. April in Aigle und Villeneuve. Am 8. und 9. Juli erfolgte die Exkursion Solothurn-Oberdorf-Gänsbrunnen.[19]
  
Pro Causa Judaica
Hermann Walser und der Bieler Stadtpräsident Leuenberger unterstützten das im Mai 1916 gegründete Komitee Pro Causa Judaica. Dieses stellte sich zur Aufgabe, die Aufmerksamkeit auf die Judenfrage zu lenken. Sie umfasste zwei grosse jüdische Probleme: die Forderung nach Gleichberechtigung, durch deren Erfüllung Millionen entrechteter Juden in den Besitz der Menschenrechte gelangen sollten, sowie die Frage der kolonisatorischen Emigration jenes Teil des jüdischen Volkes, der nach eigener kultureller und wirtschaftlicher Existenz strebte. Das Komitee erwähnte: «In Rumänien werden 250.000 Juden trotz des Berliner Vertrags und der formellen Versprechungen der rumänischen Regierung, als Fremde betrachtet und einer Verfolgungs- und Unterdrückungsgesetzgebung ausgesetzt, die zur völligen Verarmung und Ausrottung führt.»[5]

  

Walser-Vorlesungen an der Universität Bern, Sommersemester 1916: 

Philosophische Fakultät
111. Allgemeine Geografie I (Physikalische Geografie)
112. Länderkunde von Südamerika, Ozeanien und Australien
113. Geografisches Seminar: Praktikum und Kolloquium (unentgeltlich) 
114. Geografische Exkursionen mit Vorbesprechungen (in Verbindung mit Pd. Nussbaum). Nach Übereinkunft (unentgeltlich)

  

Lehramtsschule

115. Allgemeine Geografie I (Physikalische Geografie)
116. Länderkunde von Südamerika, Ozeanien und Australien  [35]

  

   

  

  

  


Am 8. Dezember 1916 sprach er in der Aula der Universität Bern über Geografische Grundlagen schweizerischer politischer Entwicklung. Am 31. Dezember 1916 wurde er von der Philosophischen Fakultät der Universität Bern als Ordinarius und als Mitglied der Maturitätsprüfungskommission wiedergewählt. (StaBe, Sig: N Walser 3 4.10) Dabei war es für ihn obligatorisch, in die *Akademische Witwen- und Waisenkasse einzuzahlen, auch wenn er nicht verheiratet war.[57i] 
*Doktoranden bezahlten damals die Diplomkosten, sowie Beiträge für die Akademische Witwen- und Waisenkasse, die Fakultät, die Stadt- und Hochschulbibliothek sowie für den Pedell der Universität.[62]  

   

Walser-Vorlesungen an der Universität Bern, Wintersemester 1916/17: 

Philosophische Fakultät
117. Allgemeine Geografie II: Anthropogeografie
118. Geografie der Schweiz
119. Länderkunde von Europa
120. Geografische Übungen mit gelegentlichen Exkursionen: a) Praktikum, b) Kolloquium. Abwechselnd
121. Einführung in die Wirtschaftsgeografie I
122. Repetitorium der Geografie

  

Lehramtsschule

123. Allgemeine Erdkunde II: Geografie des Menschen
124. Geografie der Schweiz
125. Geografie von Europa
126. Repetitorium der Geografie [35]

  

   

  

   


Ausflüge 1917: Freiburg, Eggiwil, Sigriswil (20.3.), Bellelay (28.5. mit Fanny) und Bielersee (28. 7., mit Lisa und Fanny). Hermann Walser verbrachte seinen Urlaub im Graubünden, speziell auf dem Berninapass, «der schönste aller mir bekannt gewordenen Alpenpässe.» Piz Campasc, Lago Nero, Lago Bianco (24.8.), Alp Ota, Roseg (25.8), Scuol (29.8), Val Sinestra, Val de Runias (1.9.), Touristenheim Scarl (2.9.), Scarl, Valbella (3.9.), Zernez (5.9). In Robenhausen besichtigte er die Pfahlbauten. Weitere Orte: Genf (19.10),  Oberbalm (18.11). (32. Reisetagebuch, 1917, StABE N Walser 2.32)

 

 

Geografie-Berater der 1. Abteilung der Philosophischen Fakultät
Am 15. Januar 1917 beschloss die I. Abteilung der Philosophischen Fakultät, Hermann Walser bei allen der Geografie betreffenden Angelegenheiten als Berater zu ihren Sitzungen hinzuzuziehen.[62] 

  

Walser-Vorlesungen an der Universität Bern, Sommersemester 1917:

Philosophische Fakultät
127. Allgemeine Geografie I: Physische Geografie
128. Länderkunde: Nordamerika und Polargebiete
129. Geografisches Seminar: a) Praktikum, b) Kolloquium. Abwechselnd
130. Geografische Exkursionen (in Verbindung mit Pd. Fritz Nussbaum)
  

Lehramtsschule

131. Allgemeine Geografie I (Physikalische Geografie)
132. Länderkunde: Nordamerika und Polargebiete  [35]

  

   

  

   

  


Hermann Walser (rechts) bei einer Studentenexkursion zum Rawilpass, 1917. Foto: StABE N Laederach 60.21

  

Hermann Walsers Siedlungsregionenkarte
Am 30. Juni 1917 trafen sich in Zürich die fünf Schweizerischen Geographischen Gesellschaften aus Bern, Genf, Neuenburg, St. Gallen und Zürich. Walser brachte seinen Beitrag zur alpinen Siedlungsgrenze in der Schweiz: die Areale der Regionen der Ganzjahrs- und Sommersiedlung und der Anökumene. Er demonstrierte eine von ihm geschaffene Karte der ständig und zeitweilig bewohnten Areale der Schweiz. Auf Grundlage der Terrainbildes der Schulwandkarte (stumme Karte der Schweiz von Kümmerly und Frey), der Ortschaftenverzeichnisse des Eidgenössischen Statistischen Büros und des Geographischen Lexikons der Schweiz wurde in fleissigster Sammelarbeit die Abgrenzung der ständigen Siedlungen, der Sommersiedlungen und der unbewohnten Flächen festgestellt. Die Neue Zürcher Zeitung (10.7.1917): «Ausgehend von Ratzel zeigte Walser, dass wir die Siedlungsgrenze als einen Saum mit zwei gleichermassen nach oben gerichteten Fronten, einer oberen Grenze der Ganzjahres- und einer höheren solchen der Sommersiedlungen, auffassen müssen. Deshalb bedarf es vor allem einer kartographischen Fixierung der Erscheinungen. Walser hat eine solche Karte entworfen und darauf die Regionalareale nach erfolgter geografischer Gebietseinteilung planimetrisch gemessen. So bleibt im Gebiet des Tessins die Ganzjahrsiedlung der übersteilen Talwände wegen tiefer als anderswo zurück. Im extremen Fall gibt es dort Monti (Maiensässe) in weniger als 400 Meter Meereshöhe. Das Engadin weist trotz der enormen Hochlage seiner Ganzjahressiedlung den grössten Prozentsatz unbewohnten Gebietes auf.  Die Region der sommerlichen Siedlungen nimmt mit 24 Prozent den bedeutendsten Raum der Schweiz in Anspruch, das unbesiedelte Areal 22 Prozent und das ständig besiedelte 54 Prozent.» Über mehrere Jahre arbeitete Hermann Walsers an seiner überdimensionalen Karte Höhenregionen der Siedlungen der Schweiz. Sie erschien 1918 im Massstab 1:200 000 bei Kümmerly & Frey und setzte sich aus vier Teilen zusammen. Die Nationalbibliothek Bern verfügt über ein Exemplar. Angegeben werden die Regionen der Ganzjahressiedlungen, der Sommersiedlungen, der unbesiedelten Regionen, grösserem Maiensässe und Sommerdörfer sowie die Weinbergdörfer als Filialen höherer Orte. Die Linien zeigen die Kantonsgrenze (rot) sowie Grenzen nach geografischen Gesichtspunkten (schwarz). 



Karte Höhenregionen der Siedlungen der Schweiz. Kümmerly und Frey, 1918. Schweizerische Nationalbibliothek. 3 Wp SN 1918 

  

Walser-Vorlesungen an der Universität Bern, Wintersemester 1917/18:

Philosophische Fakultät
133. Geografie der Schweiz
134. Länderkunde von Europa: der Osten
135. Einführung in die Wirtschaftsgeografie
136. Geografisches Seminar: a) Praktikum b) Kolloquium
137. Repetitorium der Geografie

  

Lehramtsschule

138. *Geografie der Schweiz
139. Geografie von Europa
140. Repetitorium der Geografie [35]

  

*Siehe Notizen von Student Dr. Leo Altermatt

  


Leo Altermatt, Geografie der Schweiz nach Professor Walser, Winter Semester 1917/18, ZBS NL ALT L 10/20

 

Notizen vom Geografieunterricht
Einer von Hermann Walsers Studenten war Dr. phil. Leo Altermatt (1896-1962), der spätere Direktor der Zentralbibliothek Solothurn. Im Herbst 1917 immatrikulierte er sich an der Universität für die Fächer Geschichte, germanische Philologie und Geografie. 1919 erhielt er das bernische Sekundarlehrerpatent.[61] Im Wintersemester 1917/18 notierte er sich einen Vortrag von Hermann Walser mit dem Titel Geografie der Schweiz. Walser stellte hohe Ansprüche an seine Schüler. Besprochen wurden die folgenden Themen:

- Relief der Alpenländer (Talbildung, Bergsturz und Bergrutsch, Wirkung von fliessendem Wasser, Erosionen, Schutthalden und Schuttkegel, chemische und mechanische Verwitterung, Gesteinsarten)
- Klima (Wetterstationen, Temperaturen, Niederschläge, alpines Klima, Föhn, Schneefleckenlandschaft und Schneegrenze, Eiszeit, Gletscherkunde, Moränen)
- organische Welt (Pflanzen und Tiere)
- Bevölkerung (Alpenbewohner, Römisches Kaiserreich, Alemannen, Völkerwanderung, christliche Vereinigung, Landfürstentümer, Verkehrsaufkommen)
- Kultur (Landwirtschaft, Seidenkultur, Siedlungen)
- Länderkunde (Höhenlage der Orte, Strassen und Pässe, Bahnverkehr, Industrie).
Besonders detailliert wurden der Jura und das Tessin beschrieben, Regionen die Walser mehrmals besucht hatte. Die Eindrücke seiner zahlreichen Exkursionen lies Walser direkt in den Unterricht einfliessen, wodurch dieser sehr bildhaft gestaltet war.[60]

 

Am Januar 1918 sprach Walser für den bernischen Hochschulverein über Siedlungsweise und Lebensform bei unseren Alpenbewohnern. Sein Vortrag Die obere Grenze die Regionen der Besiedlung in den Schweizeralpen,  war der einzige, den er 1918 für die GgGB hielt. Der Bund (27.3.1918): «Walser schildert den Verlauf der Siedlungsgrenzen, die je nach Temperaturverhältnissen, der Himmelsrichtung, der Talform und dem Waldbestand der betreffenden Gegenden grossen Schwankungen unterliegen. Prachtvolle Lichtbilder machten die Anwesenden mit der unberührten Schönheit und der Eigenart einer Reihe der höchstgelegener Wohnstätten bekannt.»

Am 27. März 1918 verbrachte er seine Ferien mit Fanny in Lugano. (32. Reisetagebuch, StABE N Walser 2.32) Am 2. Juni 1918 besuchte die GgGB unter der Führung von Hermann Walser das unter Wasser gesetzte Aaretal, die Gegend von Frieswil und den Bau des Kraftwerks Mühleberg. Dort hörte Walser den Vortrag des späteren polnischen Ministerpräsidenten, Professors Gabriel Narutowiez (1865-1922).[8] Am 30. Juli war er mit Dr. phil. Werner Sutermeister, Lehrer für Deutsch und Geschichte an der Universität Bern, im Seeland unterwegs. Walser: «Nach *13 Jahren bin ich zum ersten Mal wieder für ein paar Tage am heimatlichen See. Mehr zum Entspannen, da in Bern die spanische Grippe regiert. Gebadet wird am Strand von Vingelz. Ich nehme die Route La Neuveville-Gals-St. Blaise-Pont de Thièle-Cornaux-Cressier.» Weitere Stationen waren Le Landeron und Erlach. (32. Reisetagebuch, 1917, StABE N Walser 2.32) Am 26. August 1918 machte er mit Hans Freudiger die Jura-Tour: Biel - Chasseral - La Chaux-de-Fonds - Saut du Doubs - Orvin - Bière - Morges. (33. Reisetagebuch, StABE N. Walser 2.33)  

*Ausflug Sankt Petersinsel

 

«Abends spiegelten die kleinen Seen von Le Pont die grüne und
rosenfarbige Dämmerung über dem weiten und offenen Tal.»

Hermann Walser, 33. Reisetagebuch, StABE N. Walser 2.33

 

Am 6. Oktober 1918, am Tag der Bekanntmachung des Friedensangebots der Mittelmächte, besichtigten Hermann und Fanny Laupen und Freiburg, um «den Fortschritt und das Blühen der Landschaft zu konstatieren.» Unterwegs erfreute sich Hermann an den prachtvollen, renovierten Bauernhäusern. (33. Reisetagebuch, StABE N. Walser 2.33)  

  

Walser-Vorlesungen an der Universität Bern Sommersemester 1918:

Philosophische Fakultät
141. Allgemeine Geografie II: Die Formen des Landes
142. Länderkunde von Asien (ausgenommen Vorderasien)
143. Geografisches Seminar: Praktikum und Kolloquium
144. Geografische Exkursionen (in Verbindung mit Pd. Fritz Nussbaum). Nach Vereinbarung

   

Lehramtsschule

145. Allgemeine Geografie I: Die Formen des Landes
146. Länderkunde: Asien  [35]

  

   

 

   


Wanderung mit Karl Walser
Am Samstag, dem 3.  August 1918, besuchte er seinen Bruder Karl in Twann. Gemeinsam fuhren sie nach St. Blaise und bummelten über Hauterive und La Coudre nach Neuchâtel. Von dort aus ging es weiter nach Cortaillod und Boudry. (32. Reisetagebuch, StABE N Walser 2.32)

  

Hermann Walsers 32. Reisetagebuch von 1917. StABE N Walser 2.32
Hermann Walsers 32. Reisetagebuch von 1917. StABE N Walser 2.32

Aufenthalt beim Künstler Albert Nyfeler
Vom 14. bis 17. August 1918 wanderte Walser durch das Lötschental mit dem Ziel, die Hockenalp zu erreichen. Unterwegs hielt er sich bei Albert Nyfeler (1883-1969) auf, der als Maler und Fotograf des Lötschentals bekannt war. Walser: «Nyfeler lebt seit zwölf Jahren hier und kennt alle Leute. In seiner Wohnung sind im Winter bis zu zwölf Personen, die jeweils auf vier Betten verteilt sind. Er ist ein grosser Zeichner, der Momente zusammenfasst und ihnen durch seine Bewegungen wirklich ein Leben geben kann. Besonders seine Pinselzeichnungen sind ausgezeichnet. Im Aquarell versucht er, zugleich pleinairistisch und impressionistisch zugleich zu sein. Er vermittelt die freie Kultur, ohne sie zu stark zu betonen.» (32. Reisetagebuch, StABE N Walser 2.32)

Am 26. August 1918 machte er mit Dr. Hans Freudiger die Jura-Tour: Biel - Chasseral - Val de Ruz- La Chaux-de-Fonds - Saut du Doubs - Orvin - Bière - Morges. Es folgte Fleurier (27.8.1918) und eine «Lange und schöne Wanderung durch das Vallée de la Brévine», bei der sich Walser die Einzelhöfe mit ihren kleinen Variationen des Hausbaus ansah. Weitere Touren führten nach Le Pont, Val de Joux (30.8.1918). (32. Reisetagebuch, StABE N Walser 2.32) Im Oktober 1918 wanderte Hermann Walser zusammen mit Dr. Freudiger von Busswil über Büren, Grenchen, Altreu, Selzach nach Solothurn. (33. Reisetagebuch, StABE N. Walser 2.33)

Nachdem Hermann Walser mehrere landeskundliche Arbeiten veröffentlicht hatte, begann er mit den Vorbereitungen für ein Geografiebuch über die Schweiz. Doch seine labile Gesundheit sollte diese Pläne durchkreuzen. Im Wintersemester 1918/19 verzeichnete Bern eine stark zunehmende Grippe-Epidemie. Bei der GgGB fielen mehrere Vorträge aus und die Universität musste am 16. Oktober geschlossen werden. Egmond Goegg, Generalsekretär der Geographischen Gesellschaft von Genf: «Das letzte Mal sah ich Walser bei der Sitzung des Zentralkomitees am Samstag, dem 26. Oktober 1918, im Clubhaus des Alpenvereins in Bern. Als wir uns verabschiedeten, drückte er mir lange die Hand und sagte: ‹Grüssen Sie bei Ihrer Rückkehr meine Kollegen in der schönen Stadt Genf.› Ich ahnte damals nicht, dass ich die so herzliche und sympathische Stimme des jungen Berner Geografen nie wieder hören würde.» [22] 

Walser-Vorlesungen an der Universität Bern, Wintersemester 1918/19:

Philosophische Fakultät
147. Allgemeine Siedlungs- und Verkehrsgeografie
148. Grundzüge der Geografie der Schweiz
149. Europäische Länderkunde: Der Süden
150. Repetitorium der Geografie
151. Geografisches Seminar: Praktikum und Kolloquium. Abwechselnd, oder zu einer anderen zu bestimmenden Stunde

   

Lehramtsschule

152. Geografie der Schweiz
153. Allgemeine Siedlungs- und Verkehrsgeografie
154. Geografie von Europa: Der Süden
155. Repetitorium der Geografie [35]

  

   

  


1918 hatte Walser erneut die redaktionelle Leitung des Jahresberichts der GgGB übernommen. Dank seiner Bemühung konnte dieser Bricht, der die Jahre 1913 bis 1918 umspannte, nach fünfjähriger Pause 1919 herausgegeben werden. Walser schloss seine Arbeit aber nicht ab und demissionierte als Präsident der GgGB. Er litt immer häufiger unter Schwäche- und Krankheitszuständen. . Am Dezember 1918 machte er eine Erholungskur, die er auf anraten seines Arztes Verlängerte.[57j]  


Walsers Vorlesungsverzeichnis der Universität Bern, Sommersemester 1919:

Philosophische Fakultät
156. Allgemeine Physikalische Geografie
157. Länderkunde von Afrika
158. Geografisches Seminar: a) Praktikum (Kartenübungen) b) Kolloquium
159. Geografische Exkursionen mit Bewohnung der Siedlungs- und Wirtschaftsgeografie. Nach Verabredung 

  

Lehramtsschule

160. Allgemeine Physikalische Geografie
161. Übungen in Gelände- und Kartenkunde
162. Länderkunde von Afrika [35]

  

Angaben ohne Gewähr: Walser setzte mehrere Vorlesungen in diesem Semester aus.[65]

   


Ab Januar 1919 ging es mit Hermann Walsers Gesundheit immer mehr bergab. Am 5. Januar diagnostizierte sein Hausarzt Emil Bürgi «Zirkulationsstörungen».[57r] Walser arbeitete zwar am GIUB weiter, musste aber, um sich zu schonen, einige seiner Vorlesungen ausfallen lassen. Er hoffte, dass sich sein Gesundheitszustand wieder so weit bessern würde, dass er seine volle Tätigkeit wieder aufnehmen könne.[57k] Vergeblich versuchte er gegen sein seelisches und körperliches Leiden anzukämpfen. Vom 7. bis 21. April 1919 befand er sich im Kurhotel Seehof in Gersau «um die Gesundheit zu verbessern und die Krankheit zu vergessen. Was aber kaum gelang.» Der letzte Eintrag, den Walser in sein 33. Notizbuch verfasste, war streng wissenschaftlich: «Gersau liegt am Fuss eines steilen in den Rigi gerissenen Taltrichters, auf einem Schuttkegel, den zwei Bäche leicht zerschneiden. Diese nähern sich oberhalb des Ortes einander an, um dann wieder auseinanderzustreben und getrennt in den See zu fallen - als innerer und äusserer Dorfbach. Der Taltrichter ist ganz Ruzartig. Er ist breit entwickelt im weichen Nagelfluhkern des Berges und eng umrandet wo er die harte Schale, die von Süden her aufgeschobenen Kreidekalkschichten durchbricht.» (33. Reisetagebuch, StABE N. Walser 2.33)  

  


Hotel Seehof am Vierwaldstättersee. F: Swissair Photo AG, Bildarchiv der ETH-Bibliothek Zürich, PK 023248, CC B-SA 4.0

  

Gersau. Foto: Francis Frith, Bildarchiv der ETH-Bibliothek Zürich, Ans 05093-033-FL, Public Domain

  


Tod von Hermann Walser

Am 1. Mai 1919 nahm sich Hermann Walser mit 48 Jahren das Leben. Sein Wunsch «dass der Mensch in Harmonie mit der Natur sein Land zur schönstmöglichen Wohnlichkeit erhebt» blieb unerfüllt. Der Tod Walsers war ein Schock für die Universität Bern. Sämtliche Schweizer Hochschulen, sowie die Eidgenössische Technische Hochschule kondolierten. Am 3. Mai fand die Totenfeier in der Kapelle des Burgerspitals statt.[57l] Anschliessend wurde er auf dem Schlosshaldenfriedhof beerdigt.[6] In der Sitzung der Philosophischen Fakultät vom 5. Mai gedachte Dekan Otto Schulthess (1897-1927) vor allem dem verstorbenen Hermann Walser. Die Anwesenden ehrten ihn, indem sie aufstanden.[62]  

Todesanzeige von Hermann Walser, Der Bund, 3.5.1919
Todesanzeige von Hermann Walser, Der Bund, 3.5.1919

Protokoll der Philosophischen Fakultät, Bd. 11, StABE, BB05 10. Nr. 1709

 

Walsers ehemaliger Schüler Hans Freudiger verfasste in der Berner Woche (17.5.1919) einen Nekrolog. Weitere Nachrufe erschienen von Professor Rudolf Zeller in Petermanns Mitteilungen (März/April 1919) sowie im Bund (6.5.1919). La Patrie Suisse (28.5.1919) berichtete: «Les excursions géographiques qu’il a dirigées et au cours desquelles il savait agréablement mêler à la science, la poésie et la littérature, resteront dans le souvenir de ceux qui ont eu le privilège d’y participer.»[29] Professor Fritz Nussbaum schrieb über ihn im Berner Schulblatt (31.5.1919) und in der Geographischen Zeitschrift (Bd. 26, 1920). Auch das Korrespondenzblatt der Studentenverbindung Halleriana bernensis und Manessia turicensis (6.11.1919) erwies ihm die letzte Ehre. In den Mitteilungen der Naturforschende Gesellschaft 1920 wurde Hermann Walser als «ein genial veranlagter, feinfühliger Mensch, bescheiden und vornehm in seinem Auftreten» charakterisiert.

   

«Hermann Walser stellte den geografisch-wissenschaftlichen Teil

seiner Privatbibliothek dem GIUB stets zur Verfügung.»

Professor Rudolf Zeller, 28.7.1919, StABE BB IIIb 623

  

H. Bothmer, Kreta in Vergangenheit und Gegenwart, V: Leo Woerl, Leipzig 1899. UB Geographie Archiv (GIUB AB 155). Foto: D. Burkhard
H. Bothmer, Kreta in Vergangenheit und Gegenwart, V: Leo Woerl, Leipzig 1899. UB Geographie Archiv (GIUB AB 155). Foto: D. Burkhard

GIUB erhält Bestände vom Walsers Privatbibliothek
In seinen letztwilligen Verfügungen hatte Hermann Walser den Wunsch geäussert, der geografisch-wissenschaftliche Teil seiner Privatbibliothek solle vom GIUB übernommen werden. Walser hatte seine Privatbibliothek stets im Sinne einer Ergänzung derjenigen des GIUB ausgebaut. Sie umfasste:
- 288 Bände, darunter Reisewerke und Werke zur allgemeine Geografie, Anthropogeografie etc.
- 570 Separata: Selbstständig erschienene Abhandlungen, Broschüren und Separatabdrucke aus Zeitschriften
- 200 Karten aus der Schweiz und aus dem Ausland
- die Originalaufnahmen zu seiner Dissertation und seiner Arbeit über Dörfer und Einzelhöfe im Kanton Bern
Für Professor *Zeller stellte Walsers Bibliothek einen beträchtlichen Wert für das GIUB dar, das nur wenige Reisewerke besass. Auch die Stadtbibliothek verfügte infolge Mangel an Betriebsmitteln nur über sehr wenig neuere Literatur. Mit den Erben, insbesondere mit Lisa Walser, konnte ein Gelegenheitspreis von 500 Franken vereinbart werden.[57m] Am 29. Juli 1919 erteilte der Regierungsrat der Unterrichtsdirektion die Genehmigung, um den Bestand zum vereinbarten Preis für 500 Franken zu erwerben.[57n] Viele der Bücher und Sonderdrucke sind heute Teil der Universitätsbibliothek. Sie tragen den Stempel «DR. H. WALSER» (siehe Bild). 

*Rudolf Zeller war ab 1919 Walsers Nachfolger als Ordinarius für Geografie. Er war bestrebt, die wissenschaftlichen Sammlungen des GIUB zu fördern und zu vermehren.

 

Finanzielle Unterstützung für Fanny Walser
Lisa und Oscar Walser schrieben am 1. November 1919 an die Erziehungsdirektion des Kantons Bern: «Unser Bruder Hermann kümmerte sich seit Jahren finanziell um seine jüngere Schwester *Fanny. Letztere war infolge längerer Krankheit häufig an der Ausübung ihres Berufes verhindert und ihr Gesundheitszustand ist  heute noch so, dass sie ihre Arbeit zeitweise unterbrechen muss. Wir ersuchen Sie nun einen Ihnen gutschreibenden Betrag auszusetzen, da unser unverheirateter Bruder lange Jahre Beiträge in den Witwenfonds der Universität Bern einbezahlt hat.»[57o] Professor Zeller bestätigte: «Ich kenne die Privatverhältnisse der Familie seit meiner Schulzeit. Die jüngere Schwester ist seit längerem das gesundheitliche Sorgenkind der Familie. Da die Brüder keine Möglichkeit sahen finanziell einzuspringen, war es der verstorbene Professor Walser, der für die Schwester sorgte - manchmal sogar für andere auch. Seine Unterstützung ermöglichten es ihr, eine längere Kur gegen ihren Gelenkrheumatismus zu machen. Sie kann auch jetzt noch nicht als geheilt betrachtet werden, zumal ihr der Tod ihres Bruders seelisch sehr nahegegangen ist. Die Schwester Lisa in Bellelay verfügt nur über einen bescheidenen Lehrerinnenlohn. Der Bruder Oscar hat eine bescheidene Anstellung in einer Exportfirma. Die beiden anderen Brüder, der Schriftsteller Robert und der Maler Karl, sind unbeschäftigt und versuchen sich mehr schlecht als recht durchzuschlagen. Von ihnen ist keine Hilfe zu erwarten. Daher empfehle ich das Gesuch der Geschwister Walser.» [57p] Am 2. Dezember 1919 beschloss der Regierungsrat «Fanny Walser, die wegen Krankheit teilweise auf die Versorgung durch ihren Bruder angewiesen war, wird die Besoldung des letzteren noch für drei Monate nachgezahlt.»[57q]  
*Fanny Walser starb 1972.
  

Hermann Walser, Geografia de Suiza, V: Ed. Labor, 1929. Sammlung Schweizerische Nationalbibliothek
Hermann Walser, Geografia de Suiza, V: Ed. Labor, 1929. Sammlung Schweizerische Nationalbibliothek

Hermann Walser inspiriert

Die Adventszeit 1926 bescherte die dritte Auflage von Walsers Landeskunde der Schweiz (Verlag Walter de Gruyter, Berlin), 1928 erschien für die Collection Labor, Seccion Geografia, Walsers Geografia de Suiza (Verlag Labor S.A., Barcelona / Buenos Aires).

Hermann Walsers ehemaliger *Schüler Fritz Wyss (1881-1942), Gymnasiallehrer in Herzogenbuchsee, hatte eine Studie über die Klusen des Berner Juras verfasst. Nach dem plötzlichen Tod seines Lieblingslehrers Walser reichte er seine beinahe fertiggestellte Doktorarbeit nicht ein. Er setzte seine durch Walser inspirierte Siedlungsgeografie in anderer Form fort und veröffentlichte 1932  im  Schweizerischen Geograph die Schrift Schweizer Städtegeographie.  
*Fritz Wyss promovierte 1911 zum Gymnasiallehrer für die Fächer Geografie, Geologie-Mineralogie, Physik.

  

H. Walser wies Fritz Wyss den Weg für seine siedlungs-geografischen Studien. F: Berner Woche, 27.3.1943
H. Walser wies Fritz Wyss den Weg für seine siedlungs-geografischen Studien. F: Berner Woche, 27.3.1943

Auch der Hochschulgeograf Dr. Hans J. Wehrli (1871-1945) liess sich durch Walsers Arbeiten anregen. Die Schweizerische Lehrerzeitung (3.9.1948) veröffentlichte einen kurzen Ausschnitt von Dörfer und Einzelhöfe unter dem Titel In den Gräben, auf den Eggen. Als der Schulinspektor Fritz Friedli am 12. September 1950 an der Veranstaltung der Schweizerischen Gesellschaft in Biel den Vortrag Vom Sinn der Dorfwoche hielt, zitierte er in der Einleitung Hermann Walser. 1974 brachte das Jahrbuch des Oberaargaus, Bd. 17, eine Zusammenfassung von Dörfer und Einzelhöfe.

1986 wurde das 100-jährige Jubiläum des Geographischen Instituts der Universität Bern gefeiert. Dadurch rückte auch der mittlerweile nahezu vergessene Hermann Walser wieder ins Rampenlicht. Der in Biel aufgewachsene Georges Grosjean (1921-2002), ordentlicher Professor für Kultur- und Wirtschafsgeografie an der Universität Bern, verfasste dazu mehrere hervorragende Artikel, die u.a. im Jahrbuch der Geographischen Gesellschaft Bern und in den Berner Geographischen Mitteilungen erschienen. Klaus Aerni schrieb im Bieler Tagblatt (17.1.1986) über Grosjean, er habe «der bernischen Geografie die Dimension der Vergangenheit zurückgebracht, die seit dem frühen Tod von Hermann Walser verloren gegangen war.» Am 23. Januar 1986 hielt Hans-Ruedi Egli am GIUB den Vortrag Hermann Walser - Lebenslauf und Mensch. André Zinggeler schrieb 1987 für das GIUB den aufschlussreichen Bericht Prof. Hermann Walser. Leben und Werk - Eine Analyse seiner Notizbücher. Darin setzte er sich mit Walsers Charakter und seinen geografischen Studien auseinander. Statistiken zeigten die Anzahl der Exkursionen und anhand von Karten in welchem Gebiet sie stattfanden. 

   

Erstes Buch zum Leben von Hermann Walser
Auf Initiative des Robert Walser Zentrums und seines Leiters Dr. Reto Sorg erschien 2022 das Buch Hermann Walser, Geograf in Zusammenarbeit mit der Geographischen Gesellschaft Bern. Von der Gesellschaft beteiligten sich Jeannine Wintzer als Mitherausgeberin und Autorin, der Bieler Hans-Rudolf Egli (von 1967 bis 1970 Primarlehrer in Madretsch) als Autor, sowie Elisabeth Bäschlin. Die Vernissage fand am 6. Oktober 2022 im Kornhausforum statt. Dieses aufschlussreiche Buch beschreibt Hermann Walsers Charakter und seine Leidenschaft für die Geografie mit den richtigen Worten. Auszüge aus seinen Publikationen und Tagebüchern geben tiefe Einblicke in seine wissenschaftlichen Forschungen, die von den Autoren aus moderner Perspektive diskutiert werden. Ein abgeschlossenes Geografiestudium ist jedoch nicht nötig, um dem Buch folgen zu können. Genauestens recherchiert und mit viel Liebe zum Detail werden alle wichtigen Stationen von Walsers Leben beleuchtet. Die Leserinnen und Leser erhalten überraschende Einblicke in das Verhältnis zu seinen Brüdern Karl und Robert. Besonders begeistert hat das reichhaltige Bildmaterial, das den heimatbewussten Geografen wieder zum Leben erweckt. Eine Bibliografie rundet das Werk ab.

  

«Walsers Schriften sind nach Inhalt und Form von einer geradezu klassischen Vollkommenheit.»

Fritz Nussbaum, Berner Schulblatt, 1919, S. 184

 

Die folgende Auswahl an Schriften erwähnt nicht die zahlreichen Literaturberichte Walsers, die er in den Geographischen Jahrbüchern, in Petermanns Mitteilungen, im Feuilleton des Bund und in der Deutschen Erde - Zeitschrift für Deutschkunde, verfasste.

1896
Veränderungen der Erdoberfläche im Umkreis des Kantons Zürich seit der Mitte des 17. Jahrhunderts. Untersuchungen, angestellt auf Grund der topographischen Karte von J. C. Gyger aus dem Jahre 1667
Inaugural-Dissertation der phil. Fakultät der Uni Bern, Bern, 124 S. 

1897
Veränderungen der Erdoberfläche im Umkreis des Kantons Zürich seit der Mitte des 17. Jahrhunderts 
Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft 1896, Bern, S. 3-124

1898  
Die Funde vom Schweizerbild
Der Bund, Bern, 30. 1. (S. 35-37) , 6. 2. (S. 43-45)
Eine Wanderung und Fahrt durch die Tarnschlucht
Der Bund, 12. 6. (S. 188-190), 19. 6. (S. 195-198)

1899
Von Meer und Fjord in Norwegen
Der Bund 17. (S. 300-303), 24. 9. 1899 (S. 308-311)

Bericht über die Lehrmittelausstellung am Lehrertag 1899, Abteilung Geographie
Schweizerische Lehrerzeitung, 9. 12. 1899, S. 388-389

1901
Dörfer und Einzelhöfe zwischen Jura und Alpen im Kanton Bern Neujahrsblatt der Literarischen Gesellschaft Bern, Bern, 46 S.

1902
Die Schweiz. Ein Begleitwort zur Schulwandkarte der Schweiz
Bern, 118 S.
Geographisches Lexikon der Schweiz Band 1 
Neuenburg, S. 194-230 (Bern), S. 251 (Biel) S. 255-258 (Der Bielersee)

1905
Zur Geographie der Schweiz
Baedeker

1907
Dr. Walter Volz‘ unglückliche Reise nach Liberia
Die Schweiz Nr. 11, S. 309-310

1908
Der Staat  Liberia und sein schweizerischer Erforscher Dr. Johann Büttikofer
Die Schweiz, Nr. 12, S. 153-160
Landeskunde der Schweiz
Leipzig, 146 S.

1909
Schulwandkarte des Kantons Waadt
Der Bund, 12. 3. S. 2

  

1909

Fortschritte der Länderkunde von Europa : Die Schweiz - Boden - Klima, Gewässer, Eis und Schnee - Pflanzen- und Tierwelt - Bevölkerung, Siedlungs- und Namenskunde - Staat und Wirtschaft - Einzelgebiete
Geographisches Jahrbuch 1909, Band 32, 1 Hälfte, S. 192-204

1910
Unser Klima
Der Bund, 5. (S. 1), 7.8.1910 (S. 1)
Zur Geographie der politischen Grenzen
Mitteilungen der ostschweizerischen geographisch-kommerziellen Gesellschaft in St. Gallen , S. 1-18

1911
Geographische Grundlagen Schweizerischer geschichtlicher Entwicklung
Wissen und Leben, Bd. 4, S. 588-606

1912
Fortschritte der Länderkunde von Europa: Die Schweiz - Allgemeines - Pflanzenkleid - Zur Anthropogeographie - Einzelne Landschaften 
Geographisches Jahrbuch 1912, Band 35, 1 Hälfte, S. 410-422
Eine geographische Reise nach Mittelitalien
Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 15.3.1912, S. 5-6

1913
Der eiszeitliche Riesentopf bei Althaus im Köniztale bei Bern 
Mit 4 Photographien von Professor Dr. Emil Hugi
Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Bern , S. 252-258

1914
Stand und Aufgabe der Siedelungsgeographie der Schweiz
Jahrbuch des Vereins schweizerischer Gymnasiallehrer Aarau, S. 155-174
Dr. George Montandons abessinische Forschungsreise
Der Bund 25. 2., S. 1
Die Lauterbrunnen Bergsturzgefahr
Illustrierte schweizerische Handwerkerzeitung, Zürich, 15. 10., S. 460

1917
Zur gegenwärtigen politisch geographischen Lage der Schweiz Sonderabdruck aus der Geogr. Zeitschrift, Bd. 23, S. 281-293 

1918
Karte der Höhenregionen der Siedelungen der Schweiz 
Bern, Kümmerly & Frey

Fortschritte der Länderkunde von Europa: Schweiz
Geographisches Jahrbuch 1909, Band 38, Erste Hälfte, S. 76-88

1919
Vermag die Schweiz den Nahrungsbedarf ihrer Bevölkerung auf eigenem Gebiet zu decken?
Kalender O mein Heimatland, S. 260-264
  

Aus Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft, Bern 1920, S. 172



Zitiervorschlag
pk: «Hermann Walser- Geograf und Lehrer», in: Pioniere und Prominente vom Dufourschulhaus Biel. Version 2026. Online: Altstadtleist.biel-bienne.ch.

  

Quellen: 1) H. Freudiger, Professor Dr. Hermann Walser in Berner Woche, Bern 17. 5. 1919, S. 239f; - 2) «Ernennung zum Leutnant der Infanterie» in Berner Zeitung, Bern, 5. 12. 1890, S. 3; - 3) Dr. Hermann J. Klein, Besprechung «Veränderung der Erdoberfläche im Umkreis des Kantons Zürich seit Mitte des 17. Jahrhunderts» in  Jahrbuch der Astronomie und Geophysik, 1896, Leipzig 1897, S. 101f- 4) «Sektion Bern SAC» in Der Bund, Bern, 10. 12. 1913, S. 2; - 5) «Pro Causa Judaica» in Oberländer Tagblatt, 25. 5. 1916, S. 3; - 6) Gelgia Caviezel, Hans-Rudolf Egli, Lukas Gloor, Reto Sorg, Jeannine Wintzer: Hermann Walser, Geograf, Robert Walser Zentrum, Bern 2022, S. 15ff; 7) E. B., «Stand und Aufgaben der Siedlungsgeographie der Schweiz» in Schweizerische Lehrerzeitung, 25. 10. 1913, S. 404); - 8) A. Spreng, «Die Geographische Gesellschaft von Bern 1873-1923» in Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern 1919-23, S. 10f; - 9) Hermann Walser, «Reise durch das innere Norwegen von Christina nach Aalesund» in 17. Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern 1898-99, Bern 1900, S. 16; - 10) Hermann Walser, «Präsidialbericht über das Vereinsjahr 1905» in 20. Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern 1905-1906, Bern, 1907, S. 5ff; - 11) Hermann Walser, 24. Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern 1913-1918, Bern 1919, S. 8ff; - 12) Georges Grosjean «100 Jahre Geographisches Institut der Universität Bern» in Jahrbuch der Geographischen Gesellschaft Bern, Band 56, 1986-90, Bern, 1991, S. 11ff; - 13) Hermann Walser, Veränderungen der Erdoberfläche im Umkreis des Kantons Zürich seit der Mitte des 17. Jahrhunderts, Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern 1896, Bern 1897, S. 4ff; - 14) Hermann Walser, Der eiszeitliche Riesentopf bei Althaus im Könzitale bei Bern, Bern, 1913, S. 1ff; - 15) «Nekrolog Hermann Walser» in Korrespondenzblatt der Studenten-Verbindung Halleriana bernensis und Manessia turicensis, Bern, 6.11.1919, S. 32; - 16) Bern Städtisches Gymnasium 1880 bis 1913/14 Monographie, S. 60; - 17) Denkschrift anlässlich der Vollendung und Einweihung des Neuen Städtischen Gymnasiums auf dem Kirchfeld, Bern, 1926, S. 9f; 18) «Lehrer in Herzogenbuchsee» in Bernischer Staatskalender 1893-1894, S. 81; - 19) André Zinggeler, Prof. Hermann Walser. Leben und Werk - Eine Analyse seiner Notizbücher, 1987, S. 2-47, Sammlung Geographisches Institut der Uni Bern, Sign. ARCH-1062; - 20) Hermann Walser, 17. Tagebuch, StaBe N Walser 2. 2.17; -21) Fridolin, «Bieler Brief» in Bieler Tagblatt, Biel, 14. 8. 1944, S. 7; - 22) Egmond Goegg, «Hermann Walser» in La Globe – Revue genevoise de géographie, Band 58, Genf, 1919, S. 52f; - 23) Städtisches Gymnasium Bern - Verzeichnis der Lehrer und Schüler 1881-1899. StABE P.A 329; - 24) Städtisches Gymnasium Bern - Verzeichnis der Lehrer und Schüler 1902-1920. StABE P.A 329; - 25) Dr. Paul Meyer, Das Städtische Gymnasium in Bern 1880-1930, Festschrift, Bern 1930, S. 159; - 26) Jahresbericht des Städtischen Gymnasiums Bern, Bern 1899, S. 37; - 27) Hans Bänziger, «Pfarrer J. U. Walser aus Grub 1798-1866» in Neue Zürcher Zeitung, 8.8.1956, S. 1f: - 28) «Pfarrer J. Ulrich Walser» in Appenzellische Jahrbücher, Nr. 6, Trogen, 1868, S. 158f; - 29) Gy, «Un Géographe» in La Patrie Suisse, 28.5.1919, S. 130-131; - 30) P. Borel, «Décès de Mlle Lisa Walser, institutrice» in Journal du Jura, 24.1.1944, S. 4; 31) «Die Ferienreisen des städtischen Gymnasiums» in Der Bund, Bern, 8. 7.1908, S. 3; - 32) H. B., «Fanny Hegi-Walser» in Der Bund, Bern, 3.3.1972, S. 18; - 33) «Verzeichnis aller gegenwärtiger Geschlechter ausserrohdischer Landsleute und Landsassen» in Appenzellisches Monatsblatt, Nr. 10, Weinmonat 1840, S. 167f; 34) Jahresbericht über das Städtische Gymnasium in Bern 1897, Bern 1897, S. 16ff; - 35) Universität Bern, Vorlesungen - Wintersemester 1909/10 bis Sommersemester 1919, Sammlung Schweizerische National Bibliothek, V 2717; - 36) Semesterbericht der Universität Bern, Wintersemester 1910/11, Bern 18.5.1911, S.2, StABE BB III b 916; - 37) Albert Huber, Jahrbuch des Unterrichtswesens in der Schweiz, Zürich, 1908, S. 46f; - 38) «Protokoll der 23. Plenarsitzung der Zentralkommission für schweizerische Landeskunde» in Bericht der Zentralkommisson über den Stand der Arbeit an der Bibliographie der schweizerischen Landeskunde, Bern, 1912, S. 2; - 39) Joan Berenice Reynolds, The Teaching of Geography in Switzerland and North Italy, Cambridge, 1899, S. 20ff; - 40) Dr. Eduard Müller, Die Hochschule Bern in den Jahren 1834-1884, Bern, 1884, S. 159ff; - 41) Dr. Rudolf Hotz, Der Geographieunterricht am Schweizer Gymnasium, Basel /Aarau 1895, S. 4; - 42) J. Sterchi, Historischer Verein Bern, Denkschrift zu dessen 50jähriger Stiftungsfeier im Juni 1896, Bern 1896, S. 203; - 43) Georges Grosjean, «Aus der Geschichte des Geographischen Instituts» in Berner Geographische Mitteilungen 1979, Bern, 1980, S. 10; - 44) Dr. Paul Meyer, «Stiftungen und Schulreisen am städtischen Gymnasium in Bern» in Blätter für bernische Geschichte, Kunst und Altertumskunde, Heft 1-4, Bern, 1920, S. 126; - 45) «Das neue Universitätsgebäude in Bern» in Schweizerische Bauzeitung, Zürich, 10.6.1905, S. 281; - 46) «Ein Lehrstuhl für Geografie an der Universität Bern» in Verhandlung der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, Nr. 6, Berlin,1882, S. 323f; - 47) «Hundert Jahre Berner Universität II. Teil» in Die Berner Woche in Wort und Bild, Bern, 9.6.1934, S. 360f; - 48) E. S., Éducateur et bulletin corporatif : organe hebdomadaire de la Société Pédagogique de la Suisse Romande, Lausanne, 5. 6. 1909, S. 361 ; - 49) Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern 1911 und 1912, Bern 1913, S. 14; - 50) Die Handelsschulen und der kaufmännische Fortbildungsunterricht in der Schweiz, Bern, 1896, S. 104; - 51) «Geschenke» in Jahresbericht über das Städtische Gymnasium in Bern 1909-1910, Bern, 1910, S. 77; - 52) «Zweitägige Reise» in Jahresbericht über das Städtische Gymnasium in Bern 1906-1907, Bern, 1907, S. 61; - 53) «Maturitätsprüfung des städtischen Gymnasiums zu Bern im September 1889» in Höhere Mittelschule Lokales, Gymnasium Bern 1879/89, StABE BB III b 1553; - 54) Städtisches Gymnasium in Bern, Jahresberichte 1901-1909, StABE P. C 124; - 55) «Das Geografiezimmer» in Jahresbericht über das Städtische Gymnasium in Bern 1905, Bern, 1905, S. 47, StABE P. A 388; - 56) «Die ersten 25 Jahre des Gymnasiums der Stadt Bern 1880-1905» in Jahresbericht des Städtischen Gymnasiums in Bern 1905, Bern, 1905, S. 96f, StABE P. C 124

 

57) Personaldossier von Hermann Walser, PDF-Version, StABE BB IIIb 623; 57a: «Prüfung der Neubesetzung des ordentlichen Lehrstuhls für Geografie», Bericht der Direktion des Unterrichtswesens im Kanton Bern, 9.3.1909, S. 1-12; 57b: «Dr. Walser an erster Stelle!», Brief der Lehramtsschule an die Unterrichtsdirektion des Kantons Bern, 6.3.1909; 57c: «Bitte um finanzielle Unterstützung fürs GIUB», Brief von Hermann Walser an die Direktion des Unterrichtswesens im Kanton Bern, 2.10.1909; 57d: «Bewilligung für 200 Franken fürs GIUB», Brief der Direktion des Unterrichtswesens des Kantons Bern an Professor Walser, 11.10.1909; 57e: «Antrag zum ordentlichen Professor», Hermann Walser an die Direktion des Unterrichtswesens des Kantons Bern, März 1910; 57f: «Krediterhöhung und Hilfskraft fürs GIUB», Brief von Hermann Walser an die Unterrichtsdirektion des Kantons Bern, 31.1.1911; 57g: «Walser, Beförderung zum ordentlichen Professor», Brief der Direktion des Unterrichtswesens an den Regierungsrat, 2.5.1910; 57h: «Keine Krediterhöhung und Hilfskraft fürs GIUB», Brief der Direktion des Unterrichtswesens des Kantons Bern an Hermann Walser, 3.8.1911; 57i: «Wiederwahl als Ordinarius für Geografie», Beschluss der Regierungsratssitzung vom 9.1.1917; 57j: «Bitte um Fortsetzung der Kur», Brief von Hermann Walser an die Unterrichtsdirektion des Kantons Bern, 27.12.1918; 57k: «Besserung des Gesundheitszustands», Brief von Hermann Walser an die Unterrichtsdirektion des Kantons Bern, 25.1.1919; 57l: «Dr. phil. Hermann Walser, am 1. Mai mit 49 Jahren verstorben», Todesanzeige der Universität Bern, 2.5.1919; 57m: «Anschaffung des fachwissenschaftlichen Teils der Privatbibliothek von Professor Walser fürs GIUB», Brief von Rudolf Zeller an Direktion des Unterrichtswesens an den Regierungsrat, 25.7.1919; 57n: «Kreditbewilligung fürs GIUB zur Übernahme zum geografisch-wissenschaftlichen Teil von Walsers Privatbibliothek und für ein Büchergestell», Regierungsratsbeschluss vom 29.7.1919; 57o: Brief von Lisa und Oscar Walser an die Erziehungsdirektion des Kantons Bern, 1.11.1919; 57p: «Empfehlung um finanzielle Unterstützung von Fanny Walser», Brief von Rudolf Zeller an die Direktion des Unterrichtswesens des Kantons Bern, 12.11.1919; 57q: «Besoldungsnachzahlung», Regierungsratsbeschluss vom 2.12.1919; 57r: «Arztzeugnis für Hermann Walser» von Dr. Emil Bürgi, Bern, 5.1.1919

58) Hochschulgeschichte Berns 1528-1984, hrsg. im Auftrag des Regierungsrates des Kantons Bern von der Kommission für bernische Hochschulgeschichte, Bern 1984, S. 758 ; - 59) «Die Täler der Schweizeralpen» in Bieler Tagblatt, 18.5.1910, S. 1; - 60) Leo Altermatt, Geografie der Schweiz nach Professor Walser, WS 1917/18, ZBS NL ALT L 10/20; - 61) «Dr. Phil. Leo Altermatt - Direktor der Zentralbibliothek Solothurn 1936 bis 1962» in 33. Bericht der Zentralbibliothek Solothurn über das Jahr 1962, S. 3; - 62) Protokoll der Philosophischen Fakultät, Bd. 11, StABE, BB05.10.1709; - 63) Protokoll der Philosophischen Fakultät, Bd. 9, StABE, BB05.10.1707; - 64) Reglement und Lehrplan für das Progymnasium in Biel, Biel, 1843, Seite 23f, StABE. Bibliothek N. 20; - 65) «Hermann Walser» in Thurgauer Zeitung, Frauenfeld, 3. 5. 1919, S. 2; - 66) «Jahresversammlung des Vereins schweizerischer Geografielehrer» in Neue Zürcher Zeitung, Zürich, 15.10.1913, S. 1