Das Dufour-Schulhaus III / L' école Dufour III

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Graf Joseph–Arthur de Gobineau (1816–1882)
Schüler des Bieler Gymnasiums von 1830-1833


Das Geschlecht der Gobineau stammte aus Bordeaux, und Arthur ist im Jahre 1816 zu Ville d'Avray bei Paris geboren als Sohn des Louis de Gobineau, eines streng royalistischen Offiziers, und der Anne Louise Madeleine de Gercy; sie war die Tochter eines der natürlichen Söhne Ludwig XV., Arthur de Gobineau also dessen Urenkel.  Die Mutter hatte im Jahre 1830 mit ihren Kindern und deren Erzieher, zugleich ihrem Liebhaber, Frankreich verlassen und hatte zuerst, während fünf Monaten, Aufenthalt im badischen Inzlingen, nahe bei Basel, genommen. Dort wohnten sie im Weiherschloss, das einst den Freiherren von Reichenstein gehört hatte. Dann war die Familie eine Zeitlang in Biel, später in Pruntrut und auch in Bern ansässig. *11 Vor allem wegen des Deutschunterrichts tritt Arthur de Gobineau ins Bieler Gymnasium ein. Er wird Schüler von Wilhelm Christian Binder, einem Württemberger, der die Fächer Deutsch, Geschichte und Geographie unterrichtet. Binder denkt konservativ, von liberalen oder gar radikalen Reformen hält er gar nichts. Vermutlich hat Binder, der wie Gobineau im Haus Rosiusgasse 11 wohnt, ein gewisser Einfluss auf das Denken des jungen Gobineau.  Möglicherweise inspiriert auch eine Publikation von Rektor Johann Conrad Appenzeller Gobineaus Interesse für die Kulturen des Orients: 1820 erscheint sein Werk «Johann Heinrich Mayrs Reise nach Konstantinopel, Ägypten, Jerusalem und auf den Libanon».  Gobineau nimmt auch an den Übungen des Bieler Kadettenkorps teil, das von Fischer geleitet wird.  Fischer notiert am 26. März 1832: «De Gobineau, Arthur: Alter 15 ¾ Jahre, im Gymnasium: 5 Monate. Fleiss: fleissig. Fortschritte: artige. Aufführung: Sehr brav.»  Möglicherweise haben die Kadetten innerhalb des Korps die damalige politische Auseinandersetzung im Spiel gespiegelt: Gobineau erinnert sich 1880 an einen «Sonderbundskrieg», der innerhalb des Korps gespielt worden sei.  Madame de Gobineau nimmt sich der Sache der polnischen Flüchtlinge an, die ab dem 2. April 1832 in Biel anlangen. Vor allem nachdem die Flüchtlinge vom Kanton keine Unterstützung erhalten, verteilt sie ihnen Gelder, die ihr eine geheimnisumwitterte Duchesse zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt hat. Madame de Gobineau persönliche Situation aber bleibt prekär: Als sie Biel mit ihren Kindern Mitte 1833 verlässt, hinterlässt sie ein wenig Schulden. Währen Arthur und seine Schwester zu ihrem Vater nach Lorient reisen, ist Madame de Gobineau vermutlich nach Paris zurückgekehrt. *9

Ursprünglich Orientalist, trat Gobineau 1849 in den diplomatischen Dienst, wurde Gesandter in Persien und 1864 in Athen.  Nach Rio de Janeiro und Stockholm lebte er in Paris und starb 1882 in Turin. Ausser Reise-Novellen, Romanen und Dramen verfasste er sein Hauptwerk «Die Renaissance; Savonarola, Cesarc Borgia» . Mit seinem «Essai sur linegalite des races humaines» wurde er zum Wegbereiter der antisemitischen Rassentheorie. Er entdeckte die im Nordwesten Europas lebenden Iangköpfigen germanischen «Arier» als die Elite-Rasse, der die Beherrschung aller andern zukomme. Übersetzt von Schemann, dem Begründer der deutschen «Gobineau-Vereinigung» , fand das Buch in Deutschland starken Widerhall und wirkte sowohl auf Nietzsche, Richard Wagner wie Houston Stewart Chamberlain, der in seinen «Grundlagen des 19 . Jahrhunderts» den nordisch-arischen Geist als eigentlichen Kulturträger darstellte. In welch tragischer Konsequenz diese verhängnisvolle Lehre endete, zeigte der deutsche Nationalsozialismus. *10


L’ancien couvent de l’ordre de Saint-Jean de Jerusalem, vue du sud. Dessin à la plume de Johann Augustin Verresius, 1627

Ein Haus, drei Schulen

Das Gebäude wurde 1840 in drei Teile gegliedert. Der Mittelteil stand dem Progymnasium und dem Pensionat zur Verfügung, im östlichen Flügel war die Knabenschule untergebracht, im westlichen Flügel die Mädchenschule. Jede Schule vefügte über einen eigenen Eingang. 1862 beschloss man, westlich an das Klostergebäude ein neues Mädchenschulhaus anzubauen. Dabei wurde der Rest der noch vorhandenen Stadtmauer mit dem Klosterturm abgebrochen. 1866 konnte die neue Turnhalle auf der Südseite eingeweiht werden. *4

 


Un batiment, trois écoles

Le batiment fut divisé en trois corps en 1840. La partie centrale accueillait le progymnase et le pensionnat. L’école des garçons était installée dans l’aile est et celle des filles dans l’aile ouest. Chaque école avait ss propre entrée. En 1852, on décida de construire une nouvelle école de filles qui fut rattachée à l’ancien bâtiment du couvent. Lors de cette construction, ce qui restait des fortifications de la ville ainsi que la tour de la commanderie furent démolis. Une nouvelle halle de gymnastique fut inaugurée en 1866 au sud du bâtiment. *4

 


Das Schulhaus wächst und erhält seinen heutigen Namen

Die Bevölkerung entwickelte sich sprunghaft. Die Schülerzahlen wuchsen. Damit nahm auch der Bedarf an Schulraum zu. 1870/71 wurde das alte Schulgebäude im ehemaligen Kloster auf der Ostseite um ein Stockwerk erhöht und auf der Strassenseite mit einem Mittelrisalit aus Sandstein verdehen. Sowohl der West- wie der Ostflügel erhielten kleinere Anbauten und das ehemalige Pensionat im ersten Stock musste Schulräumen weichen. Beim Umbau wurde 1871 auch der Rote Turm, das letzte Überbleibsel der alten Stadtbefestigung in der Neustadt, abgebrochen. Im ehemaligen Gymnasium hatte es Platz für 33 Klassen mit insgesammt 1’320 Schüler und Schülerinnen. Als man 1882 die angrenzende “Schulgasse” Richtung Osten verlängerte und ausbaute, erhielt sie neu den Namen ”General-Dufour-Strasse”. Von da an wurde das Schulgebäude nur noch “Dufourschulhaus” genannt. 1907 wurde die Schule gründlich renoviert. 1982 und 2005 wurden Teilrenovationen zur Werterhaltung durchgeführt.  *4


Accroissement et baptême du gymnase

La ville connu une poussée démographique débridée, L’effectif des écoliers augmenta rapidement, ce qui entraîna l’ouverture de nouvelles salles de classe. En 1870/71, le bâtiment scolaire qui occupait la partie est du cloître fut rehaussée d’un étage et, du côté de la rue, il fut doté d’une risalite centrale (avant-corps) en Molasse. De petites annexes vinrent s’ajouter à l’aile ouest et à l’aile est. L’ancien pensionnat, au premier étage, dut céder des locaux. Quand à la Tour Rouge, qui était le dernier vestige de l’ancienne fortification, elle fut démolie lors des travaux de transformation eb 1871. Il y avait désormais de la place pour 33 classes et 1’320 élèves dans l’ancien gymnase. En 1882, la «rue de l’Ecole» fut prolongée en direction de l’est, agrandie et rebaptisée «Rue Général-Dufour» et le bâtiment scolaire devenait ainsi le «Collège Dufour». En 1907 fut le bâtiment entièrement rénové. 1982 et 2005 une légère réfection à de pure fins de préservation de sa valeur. *4


 

Quellen/Sources: 4) Pietro Scandola, Häuser erzählen ... die Geschichte Biels vom Mittelalter bis heute, Biel: Museum Neuhaus, 2010, S. 6ff;  - 9) Christoph Lörtscher, Dufour Ost und Dufour West: 660 Jahre Stadtgeschichte: Biel, 12. März 2000; - 10) Die Tat, Zürich, 14. Juli 1961, S. 2; - 11) Emil Dürr, «Arthur de Gobineau» in Historische und Antiquarische Gesellschaft zu Basel, Nr. 25, 1926, S.